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Systeme zur Überwachung des Triebfahrzeugführers

Erstellt am: 28.11.2003 | Stand des Wissens: 23.02.2017
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Institut für Volkswirtschaftslehre (ECON), Prof. Dr. Kay Mitusch

Zur Unterstützung des Fahrpersonals und dem Vorbeugen menschlichen Versagens werden im Schienenverkehr verschiedene Systeme zur Überwachung (und Korrektur) der Aktivität des Triebfahrzeugführers eingesetzt.

Die Sicherheitsfahrschaltung (Sifa, auch Totmannschaltung) überprüft in regelmäßigen Abständen die Wachsamkeit des Triebfahrzeugführers. Sie wurde notwendig, als Lokomotiven nur noch durch einen Triebfahrzeugführer besetzt wurden. Dabei ist in regelmäßigen Abständen ein Schalter zu bedienen (z.B. Deutsche Bahn AG Konzern: 30 +/- 5 s). Reagiert der Triebfahrzeugführer nicht auf ein entsprechendes optisches bzw. akustisches Signal durch Betätigen eines Fußschalters oder einer Taste, erfolgt die Einleitung einer Zwangsbremsung.
Dabei sind in der Historie verschiedene Arten der Sifa entstanden, welche sich in ihrer Funktionsweise ähneln (Abbildung 1). Vor allem in älteren Fahrzeugen findet die elektromechanische Sifa Anwendung. In diesem Fall erfolgt eine Überwachung mittels eines elektrischen Zeitglieds und ein von der Achse angetriebenes mechanisches Bauteil. Die elektronische Sifa arbeitet mit Hilfe zweier elekrischer Zeitglieder und ersetzt somit das mechanische Bauteil. Diese Sifa findet vor allem in neueren Fahrzeugen Anwendung. Die elektronische Anforderungssifa ist eine Erweiterung der elektronischen Sifa und durch das Aufforderungsprinzip gekennzeichnet. Die Bestätigung der Wachsamkeit ist nur innerhalb festgelegter durch einen Zufallsgenerator bestimmter Zeitintervalle möglich, wodurch ein Gewöhnungseffekt beim Bediener ausgeschlossen werden soll. [DBAG09q, S. 17] 

Sifa.JPGAbb. 1: Bauformen der Sicherheitsfahrschaltung (Sifa) [DBAG09q, S.17]

Die punktförmigen Zugbeeinflussung (PZB) in Form der Induktiven Zugsicherung (Indusi) überwacht das Verhalten eines Triebfahrzeugführers bei
  • Vorsignalen in Warnstellung,
  • Geschwindigkeitsbegrenzungen,
  • Halt zeigenden Hauptsignalen und
  • Bahnübergängen.
Reagiert der Triebfahrzeugführer nicht vorschriftsgemäß, führt das System eine Zwangsbremsung aus. Technisch wird dies durch eine induktive Einwirkung auf die Bremseinrichtung des Fahrzeugs mittels eines Magneten im Gleis realisiert. [Fied05, S. 196 ff.]
Ansprechpartner
Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Institut für Volkswirtschaftslehre (ECON), Prof. Dr. Kay Mitusch
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Aktive (vorbeugende) Sicherheitsmaßnahmen im Schienenverkehr (Stand des Wissens: 23.02.2017)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?299526
Literatur
[DBAG09q] Simon, Janis Zugbeeinflussungssysteme, veröffentlicht in Deine Bahn, Ausgabe/Auflage 03/2009, Bahn Fachverlag GmbH, Berlin , 2009/03, ISBN/ISSN 0948-7263
[Esch10] Eschlbeck, Rainer Das European-Train-Control-System (ETCS), veröffentlicht in Deine Bahn, Ausgabe/Auflage 05/10, DB Fachverlag GmbH / Mainz , 2010/05, ISBN/ISSN 0948-7263
[Fied05] Fiedler, Joachim, Prof. Dr.-Ing. Bahnwesen, Ausgabe/Auflage 5. Auflage, Werner Verlag, 2005/03, ISBN/ISSN 3-8041-1612-4
[Jani99] Janicki, Jürgen Sicherheit im Bahnbetrieb, veröffentlicht in Deine Bahn, Ausgabe/Auflage 02, 1999
Glossar
Punktförmige Zugbeeinflussung Die im Schienenverkehr verwendete punktförmige Zugbeeinflussung ist eine diskontinuierliche Methode zur Sicherung des Fahrens im festen Raumabstand. Die Zugbeeinflussung erfolgt ortsfest, daher punktförmig. Ihr Einsatz ist nur bis zu einer Höchstgeschwindigkeiten von 160 km/h zulässig.
Triebfahrzeug
Ein Triebfahrzeug (Tfz) ist ein einzelnes Regeleisenbahnfahrzeug mit einem eigenen Fahrzeugantrieb (Lokomotiven, Triebwagen). Eine Sonderform bilden Triebköpfe, die in einem fest gekoppelten Triebzug zusammen mit antriebslosen Mittel- und Steuerwagen betrieben werden. Lokomotiven kommen normalerweise im Verbund mit gekoppelten Reisezug- oder Güterwagen zum Einsatz. Triebwagen sowie auch Triebzüge werden als gekoppelten Einheiten gleichen Typs in sogenannten Triebwagenzügen eingesetzt. Weitere Tfz sind Kleinlokomotive und selbstfahrende Nebenfahrzeuge.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?67389

Gedruckt am Dienstag, 26. Oktober 2021 04:36:08