Forschungsinformationssystem des BMVI

zurück Zur Startseite FIS

Sustainable Urban Mobility Plans

Erstellt am: 31.07.2013 | Stand des Wissens: 11.07.2018
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Der Begriff der "Sustainable Urban Mobility Plans" (SUMP) wird im deutschsprachigen Raum in der Regel mit "Stadtmobilitätsplänen" oder "nachhaltigen urbanen Mobilitätsplänen" gleichgesetzt. Er wurde durch EU-Projekte eingeführt sowie inhaltlich ausgefüllt und beschreibt einen Prozess, der einer Verkehrsentwicklungsplanung nach den Hinweisen der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) ähnlich ist.
Der SUMP ist somit ein strategischer Plan und ein Maßnahmenplan, welcher auf gängigen, in Europa üblichen Planungspraktiken der Verkehrsentwicklungsplanung aufbaut. Er berücksichtigt insbesondere die Integrations-, Beteiligungs- und Evaluierungsprinzipien, welche die gegenwärtigen und künftigen Mobilitätsbedürfnisse der Menschen berücksichtigen sowie helfen sollen, die Lebensqualität in Stadt und Umland zu verbessern. Stadtmobilitätspläne bauen auf bereits bestehenden Planungsdokumenten auf und erweitern diese [Rupp13, S. 2 f.].
Die SUMP oder auch Stadtmobilitätspläne sind ein von der Europäischen Union (EU) unterstütztes Konzept. So beinhaltet der Aktionsplan urbane Mobilität [EUKO13g] der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2009 bereits das Thema "Förderung integrierter Strategien". Er empfiehlt die Beschleunigung der Einführung von Plänen für die nachhaltige urbane Mobilität: "[...] die Kommission [wird] kurzfristig lokale Behörden bei der Aufstellung von Plänen unterstützen, die die nachhaltige urbane Mobilität für den Personen- und Güterverkehr in städtischen und stadtnahen Gebieten zum Gegenstand haben" [EUKO13g, S. 5]. Im EU-Weißbuch aus dem Jahr 2011 [EUKo11] spricht die Europäische Kommission mit der Initiative 31 ganz konkret von Plänen für urbane Mobilität. Sie empfiehlt die Prüfung der Verbindlichkeit sowie der Fördermöglichkeiten von SUMP - ggf. auch durch einen "[...] europäischen Förderrahmen zur schrittweisen Umsetzung [...] in europäischen Städten" [EUKo11, S. 30 f.; Rupp13, S. 6]. Darüber hinaus ist das Urban Mobility Package der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2013 zu erwähnen [vgl. BöhBae13, S. 13]. In diesem bekräftigt die EU-Kommission ihre Unterstützung im Rahmen der nachhaltigen urbanen Mobilität durch [EUKO13g]
  • Erfahrungsaustausch, Aufzeigen von Best-Practice-Beispielen und Förderung von Kooperationen
  • Bereitstellung einer gezielten finanziellen Unterstützung
  • Fokussierung der Forschung und Entwicklung bei städtebaulichen Herausforderungen
  • Einbeziehen aller Mitgliedsstaaten und Förderung der internationalen Zusammenarbeit Im Anhang [EUKO13h] des Urban Mobility Package befindet sich u.a. die Konzeptbeschreibung des Sustainable Urban Mobility Plans (SUMP).
Das Ziel von SUMP besteht im Wesentlichen darin, ein nachhaltiges Verkehrssystem aufzubauen. Die deutsche Verkehrsentwicklungsplanung umschreibt dieses wertneutraler als eine "integriert zu erarbeitende Planung". Die Umsetzung nachhaltiger Strategien wird in dieser jedoch auch durch Gesetze und Grenzwerte determiniert. Zur Erreichung des Ziels der Nachhaltigkeit werden nach [Rupp13, S. 2] die folgenden Teilziele bei der Umsetzung von SUMP verfolgt:
  • Verbesserung der Sicherheit
  • Gewährleistung der Zugänglichkeit zu Arbeitsplätzen und Dienstleistungen
  • Reduktion der Umweltverschmutzung (einschließlich Treibhausgasemissionen) und des Energieverbrauchs
  • Erhöhung der Effizienz und Wirtschaftlichkeit im Personen- und Güterverkehr
  • Steigerung der Attraktivität und Qualität städtischer Umgebung

Zu den elementaren Kennzeichen eines sachgerechten SUMP zählen ebenfalls der partizipatorische und integrierte Ansatz, die Verpflichtung zu nachhaltiger Entwicklung, eine klare Vision, Zielvorstellungen und messbare Größen sowie die Überprüfung von Verkehrskosten und -nutzen [Rupp13, S. 4].

Die Entwicklung und Umsetzung eines SUMP ist ein kontinuierlicher Prozess, bestehend aus elf Hauptschritten. Diese wiederum sind in vier "Phasen" gegliedert. Zu diesen zählen die Vorbereitung, die rationale und transparente Zielsetzung, die Ausarbeitung des Plans sowie die Planumsetzung. Der Abbildung 1 kann eine detaillierte Prozessdarstellung entnommen werden [Rupp13, S. 6 f.; Rupp13a].


Prozess der nachhaltigen urbanen MobilitätsplanungAbb. 1: Prozess der nachhaltigen urbanen Mobilitätsplanung [Rupp13, S. 7] (Grafik zum Vergrößern bitte anklicken)

Nach [Rupp12, S. 40] gehören zu den europäischen Ländern mit günstigen Rahmenbedingungen - im Sinne von stabilen verkehrspolitischen Vorgaben in Kombination mit rechtlichen Definitionen und/oder nationalen Leitlinien - zur Umsetzung von SUMP Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Belgien, die Niederlande, Norwegen, Italien und Malta.Zu den systematischen Schwierigkeiten bezüglich der Umsetzung von SUMP in der Verkehrsplanungspraxis zählen u. a. [BöhBae13, S. 12]:

  • die Fokussierung auf urbane Zentren statt auf Verflechtungsräume
  • die mangelnde Koordination und Kooperation zwischen Entscheidungsträgern
  • die begrenzte Einbindung von Stakeholdern
  • das Fehlen klarer und v. a. quantifizierbarer Ziele
  • das begrenzte Budget zur Maßnahmenumsetzung

Eine Übersicht der Vorteile von SUMP enthält Tabelle 1.

Vorteile von SUMPTab. 1: Vorteile von SUMP [nach Rupp13, S. 10 f.] (Grafik zum Vergrößern bitte anklicken)
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Verkehrsentwicklungsplanung (Stand des Wissens: 11.07.2018)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?415029
Literatur
[BöhBae13] Rupprecht Consult - Forschung und Beratung GmbH, Böhler-Baedeker, S. Überblick über die Entwicklung auf europäischer Ebene zur nachhaltigen Verkehrsplanung, Köln, 2013/07/08
[EUKo11] o.A. Weißbuch. Fahrplan zu einem einheitlichen Verkehrsraum - Hin zu einem wettbewerbsorientierten und ressourcenschonenden Verkehrssystem, 2011/03/28
[EUKO13g] Europäische Kommission (Hrsg.) Urban Mobility Package , 2013
[EUKO13h] Europäische Kommission (Hrsg.) ANNEX : A CONCEPT FOR SUSTAINABLE URBAN MOBILITY PLANS , 2019/12/13
[Rupp12] Rupprecht Consult - Forschung und Beratung GmbH The State-of-the-Art of Sustainable Urban Mobility Plans in Europe, 2012/09
[Rupp13] Rupprecht Consult - Forschung und Beratung GmbH Pläne für die nachhaltige urbane Mobilität - Planen für Menschen, 2013
[Rupp13a] Rupprecht Consult - Forschung und Beratung GmbH GUIDELINES. DEVELOPING AND IMPLEMENTING A SUSTAINABLE URBAN MOBILITY PLAN, 2011/09/23
Weiterführende Literatur
[EUKo09] o.A. Aktionsplan urbane Mobilität, Brüssel, 2009/09/30

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?413714

Gedruckt am Donnerstag, 24. September 2020 07:16:15