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Lösungsbereiche und Beispiele

Erstellt am: 26.05.2015 | Stand des Wissens: 06.06.2018
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Die Verknüpfung beziehungsweise Integration von Öffentlichem Verkehr, Individualverkehr und kollaborativen Mobilitätsangeboten erfolgt auf unterschiedlichen Ebenen. Es lassen sich im Wesentlichen vier Ebenen unterscheiden (vgl. SoMu13, S. 20; Stopka15, S. 8), die im Folgenden anhand von Beispielen erläutert werden sollen (vgl. [VCD17a]).
Zur infrastrukturellen Integration gehört die räumliche Verknüpfung von infrastrukturellen Anlagen wie Park&Ride-Parkplätzen, Haltestellen des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV), Carsharing-Stationen und Fahrradboxen beziehungsweise Abstellanlagen für Fahrräder. Mobilitätsstationen, die in diesem Sinne den Einstieg in die multimodalen Mobilitätsangebote wie auch das Umsteigen im Sinne der Intermodalität erleichtern, wurden beispielsweise in Bremen (mobil.punkt) und München (MVG, WOGENO) eingerichtet.
Die tarifliche Integration ist eine weitere Möglichkeit, Mobilitätsangebote für die Kunden zu verknüpfen. Aktuell werden bereits verschiedene Modelle der tariflichen Integration von Mobilitätsangeboten umgesetzt. Die Mobilkarte in Osnabrück integriert Sharing-Dienste und ÖPNV in einem Abo. Das Angebot switchh in Hamburg bietet ebenfalls in einem Abo verschiedene Sharing-Dienste an. Demgegenüber integriert die PlusCard Münster Sharing-Dienste ohne Grundgebühr und bietet dadurch eine besonders niedrige Einstiegsschwelle in die intermodale Mobilität.
Mobilitätskarten stellen darüber hinaus Beispiele der vertrieblichen Verknüpfung dar, wenn sie als gemeinsames Zugangsmedium genutzt werden. Das trifft auf das eTicket RheinMain zu, das eine Vielzahl von Anbietern in der Region verbindet (vgl. [RMV17]). Als weiteres Beispiel für die vertriebliche Verknüpfung können die Dresdner Verkehrsbetriebe genannt werden, die im Vertrieb mit einem lokalen Carsharing-Dienst kooperieren (vgl. [DVB18]).
Auf der vierten Ebene geht es um die informationelle Verknüpfung. Über standardisierte Schnittstellen und Datenformate, sowie Open Data und Open Services, kann der Verbund verschiedener Datenplattformen erreicht werden. Die Auskunft zu Fahrplänen, Standorten, Routing und Buchung aus einer Hand zu erhalten ist heute bereits in Städte wie Leipzig (Leipzig mobil) und Freiburg (FREI.MOBIL) möglich, sowie überregional durch Angebote wie qixxit, Ally und ticket2go.
Die vier oben vorgestellten Ebenen der Integration, werden von Mobilitäts-Apps wiederrum verknüpft. Die App-Entwicklungen moovel und easy.GO wurden mit dem Deutschen Mobilitätspreis 2016 ausgezeichnet, weil sie Auskunft und Buchung für verschiedene Mobilitätsangebote in einem System verbinden und so die multimodale Verkehrsmittelwahl vereinfachen (vgl. [BMVI16q]).
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Vernetzte Mobilität im Personenverkehr (Stand des Wissens: 07.06.2018)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?447113
Literatur
[BMVI16q] Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur Deutscher Mobilitätspreis 2016: Zehn Leuchtturmprojekte für eine intelligente Mobilität, 2016
[DVB18] Dresdner Verkehrsbetriebe AG (DVB AG) Ergänzt den ÖPNV optimal: CarSharing, 2018
[RMV17] Rhein-Main-Verkehrsverbund GmbH eTicket RheinMain - Ihr Medium für den Zeitkartenkauf der Zukunft, 2017/10
[SoMu13] Sommer, C., Mucha, E. Multimodale Angebote zur Ergänzung des klassischen Nahverkehrs, veröffentlicht in Der Nahverkehr. Öffentlicher Personenverkehr in Stadt und Region, Ausgabe/Auflage 6/2013, 31. Jahrgang, Alba Fachverlag, Düsseldorf, 2013/06, ISBN/ISSN 0722-8287
[Stopka15] TU Dresden, Professur für Kommunikationswirtschaft, Prof. Dr. Ulrike Stopka, Stopka, U. Sharing Economy und kollaborative Mobilität, veröffentlicht in Mobilität und Kommunikation. Öffentlicher und Individualverkehr - wie finden sie zusammen?, Dresden, 2015/01/29
[VCD17a] Verkehrsclub Deutschland (VCD) e. V. Multimodalität - intelligent vernetzt unterwegs, 2017/05
Weiterführende Literatur
[inter04a] Projektbüro intermobil Abschlussbericht intermobil, 2004/11
[Gertz13] Gertz, C. Auf dem Weg zum Mobilitätsverbund. Wie ÖPNV-Unternehmen und Verbünde die Marktführerschaft bei der Vernetzung von multimodalen Angeboten behalten können., veröffentlicht in Der Nahverkehr. Öffentlicher Personenverkehr in Stadt und Region, Ausgabe/Auflage 11/2013, 31. Jahrgang, Alba Fachverlag, Düsseldorf, 2013/11, ISBN/ISSN 0722-8287
[FoPS15/16] Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, Referat G 11, Grundsatzfragen der Forschung, Entwicklung, Forschungsförderung Aufstellung des Forschungsprogramms zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse in den Gemeinden (FoPS 2015/2016), Bonn, 2014/06/12
[AhKlWi14] Ahrens, G.-A., Klotzsch, J., Wittwer, R. Autos nutzen statt besitzen. Treiber des multimodalen Verkehrsverbundes, veröffentlicht in ZfAW - Zeitschrift für die gesamte Wertschöpfungskette Automobilwirtschaft, Ausgabe/Auflage 2/2014, 17. Jahrgang, FAW-Verlag, Bamberg, 2014, ISBN/ISSN 1434-1808
[BMBF05c] Manz, Dr.-Ing. Wilko, Last, Dipl.-Wi.-Ing. Jörg, Chlond, Dr.-Ing. Bastian, Zumkeller, Dirk, Prof. Dr.-Ing. Die intermodale Vernetzung von Personenverkehrsmitteln unter Berücksichtigung der Nutzerbedürfnisse (INVERMO) - Schlussbericht, 2005/03
[Nöthe15] Nöthe, H. Digitalisierung von Mobilität und Verkehr. Was könnte ich erwarten?
Der lange Weg zu einer vernetzten und effizienten Mobilitätsgestaltung, veröffentlicht in Mobilität und Kommunikation. Öffentlicher und Individualverkehr - wie finden sie zusammen?, Dresden, 2015/01/27
[Kies13] Wolfgang Kieslich, Hanfried Albrecht, Alexander Dinkel, Tobias Henninger, Dr.-Ing. Martian Rose, Michael Weber Entwicklung einer ÖV-IVS-Rahmenarchitektur in Deutschland unter Einbindung Europäischer IVS-Richtlinien mit ÖV-Relevanz, 2014/03
[Interde10] TU Dresden, Lehrstuhl Verkehrs- und Infrastrukturplanung, Prof. Dr.-Ing. G.-A. Ahrens, Ahrens, Gerd-Axel, Aurich, Tanja, Böhmer, Thomas, Klotzsch, Jeannette, Pitrone, Anne Interdependenzen zwischen Fahrrad- und ÖPNV-Nutzung. Analysen, Strategien und Maßnahmen einer integrierten Förderung in Städten, 2010
[BMVI14m] Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (Hrsg.) Konferenz (((eTicket Deutschland 2014, 2014
[FrSchw15] Fremder, L., Schwieger, B. Mobilitätsstationen - Umsteigepunkte der neuen Generation, veröffentlicht in Verkehrszeichen. Für Mobilität und Verkehr, Ausgabe/Auflage 1/15, 31. Jahrgang, 2015/03, ISBN/ISSN 0179-535K
[VCÖ15] VCÖ - Verkehrsclub Österreich Multimodale Mobilität erfolgreich umsetzen, veröffentlicht in Mobilität mit Zukunft, VCÖ, Wien, 2015, ISBN/ISSN 3-901204-84-9
[Bur14] Burmeister, J. Nahverkehr in der Fläche - Die Angebote werden vielfältiger und unübersichtlicher, veröffentlicht in Verkehrszeichen, Ausgabe/Auflage 4/14, 2014/12, ISBN/ISSN 0179-535X
[MeiRau] Meier-Berberich, J., Raupp, M. Stuttgart Services. Intelligent vernetzte, nachhaltige und einfache Elektromobilität um urbane Angebote für die Region Stuttgart ergänzen, veröffentlicht in Internationales Verkehrswesen, Ausgabe/Auflage 1/2014, 66. Jahrgang, DVV Media Group GmbH, Hamburg, 2014/03, ISBN/ISSN 0020-9511
[SSB14] Stuttgarter Straßenbahn AG Stuttgart Services - Vernetzt weiterkommen in Stuttgart und Region, 2014/12/17
Glossar
App
Ist eine Abkürzung für den Fachbegriff Applikation (App) und bezeichnet eine Anwendungssoftware, die für mobile Endgeräte, wie Smartphone oder Tablet-PC entwickelt wurde. Apps können als Zusatzsoftware auf mobilen Endgeräten installiert werden und erweitern dadurch deren Funktionsumfang. Je nach Betriebssystem kann der Nutzer auf eine Vielzahl von mobilen Applikationen auf dem vom Betriebssystem bereitgestellten Marktplatz kostenpflichtig oder kostenlos zugreifen.
Carsharing
Der Begriff CarSharing stammt aus dem Englischen (car= Auto, to share= teilen) und kann sinngemäß mit der Bedeutung "Auto teilen" übersetzt werden. Er beschreibt die organisierte, gemeinschaftliche Nutzung von Kraftfahrzeugen, die meist von Unternehmen gegen Gebühr bereitgestellt werden.
Durch einen Rahmenvertrag oder eine Vereinsmitgliedschaft erhalten Kunden flexiblen Zugriff auf alle Kfz eines Anbieters. Die Fahrzeuge können über eine Webseite oder über eine Smartphone-App gebucht werden. Geöffnet werden sie in der Regel mit Hilfe von Chipkarten oder durch ein Zugangscode vermittelt über die Smartphone-App.
Bei dem System des stationsbasierten CarSharing stehen die Fahrzeuge auf reservierten Stellplätzen und werden nach der Nutzung auch wieder dorthin zurückgebracht. Ein anderes Modell ist das free-floating CarSharing. Hier stehen die Fahrzeuge in einem definierten Operationsgebiert verteilt. Sie können per Smartphone geortet werden und nach der Nutzung auf einem beliebigen Stellplatz innerhalb des Operationsgebiets zurückgegeben werden.
Open Data
Unter Open Data werden zu Deutsch offene Daten, die  durch jedermann und für jegliche Zwecke genutzt, weiterverarbeitet und weiterverbreitet werden können. Im Verkehrsbereich wird das Open Data Konzept angewandt, um hochwertige aktuelle Informationen möglichst allen Verkehrsteilnehmern jederzeit zur Verfügung stellen. Beispielsweise werden Marktteilnehmern Baustelleninformationen über den Mobilitäts Daten Marktplatz zur Verfügung gestellt.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?448097

Gedruckt am Montag, 28. September 2020 14:27:34