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Kommunikationstechnologien und Standards im Güterverkehr und Handel

Erstellt am: 17.02.2014 | Stand des Wissens: 06.11.2017
Ansprechpartner
Bauhaus-Universität Weimar, Professur Verkehrssystemplanung, Prof. Dr.-Ing. Plank-Wiedenbeck

Güterverkehr und Handel sind traditionsreiche, sehr komplexe und globale Wirtschaftsbereiche. Aufgrund der starken Vernetzung mit anderen Industriesektoren existiert bereits eine große Anzahl an Informationstechnologie (IT) -Standards für die Kommunikation untereinander, zum Beispiel zum Austausch von Geschäfts- und Versandinformationen. Die Anwendungsbereiche in der Güterverkehrs- und Handelsdomäne lassen sich nach [Albr12, S. 23] wie folgt zusammenfassen:

  • Elektronische (E-) Dokumentation
  • Elektronische (E-) Abfertigung
  • Intelligentes Containermanagement
  • Flottenmanagement
Zur Verbesserung des elektronischen Datenaustauschs (EDI) wurde der Standard "United Nations Electronic Data Interchange For Administration, Commerce and Transport" (UN/EDIFACT) entwickelt. Dieser Standard wird bereits seit einigen Jahren von der Industrie und im Güterverkehr eingesetzt. Die Pflege des Standards betreibt das "Zentrum der Vereinten Nationen für Handelserleichterungen und elektronische Geschäftsprozesse" (UN CEFACT) [Albr12, S. 23].
Aufgrund der vielfältigen Entwicklungen in anderen Bereichen existieren sehr viele Informations- und Kommunikationstechnologien, die für den Gefahrguttransport eingesetzt werden können. In [Albr12, S. 25] sind diese wie folgt zusammengestellt:

  • Mobilfunkkommunikationsstandards (Global System for Mobile Communication (GSM) 2 Gigabytes, Universal Mobile Telecommunications System (UMTS) 3 Gigabytes, Long-Term-Evolution (LTE) 4 Gigabytes)
  • satellitengestützte Kommunikationsstandards
  • Infrarot-, Mikrowellen-, Wireless Fidelity (WiFi)-, Worldwide Interoperability for Microwave Access, Inc. (WiMAX), radio-frequency identification (RFID)-Standards nach Standards der" International Organization for Standardization" (ISO) 18000-6, nach ISO 17364 für individuelle Gegenstände und nach ISO 10891 für Paletten und Container. Des Weiteren beinhalten sie auch Kommunikationsarchitekturstandards wie "Continuous Access for Land Mobiles" (CALM).
Im Bereich Güterverkehr und Handel sind die Standardisierungen der ISO hervorzuheben. Die Technische Norm ISO TS 26683 (Freight land conveyance identification and communication [ISO26683]) wurde entwickelt, um die Aggregation von Frachtartikelidentifikationsdaten zu ermöglichen und diese auf ein Fahrzeug-Bordgerät oder eine andere Infrastruktur zu übertragen. Dabei kennt die von der ISO Technical committees (TC) 204 WG 7 entwickelte Technische Spezifikation (TS) die verwendeten, in ein Fahrzeug integrierbaren Kommunikationsmedien und stellt anhand derer eine Reihe von Standardtechnologieprofilen bereit [vergleiche Albr12, S. 25].
Andere ISO Komitees haben folgende Standards geschaffen:

  • ISO TC 104 (Frachtcontainer)
  • ISO/TS 10891:2009 (Frachtcontainer - Radio Frequency Identification (RFID) - Licence plate tag)
  • ISO 18185-4:2007 (Frachtcontainer - Electronic seals)
  • ISO TC 122 (Verpackung)
  • ISO 17363:2007 (Frachtcontainer Lieferkettenanwendungen mit RFID)
 
 
 
Ansprechpartner
Bauhaus-Universität Weimar, Professur Verkehrssystemplanung, Prof. Dr.-Ing. Plank-Wiedenbeck
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Gefahrguttelematik (Stand des Wissens: 11.03.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?426262
Literatur
[Albr12] Albrecht Consult GmbH (Hrsg.) Studie zur Gefahrguttelematik - Schlussbericht, 2012/02
Rechtsvorschriften
[ISO26683] ISO 26683 - Freight land conveyance content identification and communication
Glossar
Global System for Mobile Communication
Der GSM-Standard (Global System for Mobile Communication) - ursprünglich ein rein europäisches Mobilfunkkonzept - hat inzwischen weltweite Verbreitung gefunden. In Deutschland nutzen die Mobilfunknetzanbieter Deutsche Telekom, Vodafone und Telefonica mit ihren Mobilfunknetzen gegenwärtig die Frequenzbereiche GSM 900 und GSM 1800.
RFID RFID steht für 'Radio-frequency identification'. Mit der Hilfe von elektromagnetischen Wellen ermöglicht RFID die automatische Identifizierung und Lokalisierung von Gegenständen und Lebewesen. Dadurch ist es möglich Daten erheblich einfacher zu erfassen und zu speichern.
Electronic Data Interchange Electronic Data Interchange oder einfach EDI ist der Austausch von strukturierten Geschäftsinformationen zwischen Geschäftspartnern auf eine organisierte, standardisierte Art unter Verwendung von modernen Kommunikationsmethoden.
LTE
Long-Term-Evolution (LTE) ist nach dem analogen Mobilfunknetz, dem GSM-Standard (2G) und dem UMTS-Standard (3G) der inzwischen vierte Mobilfunkstandard (4G), der deutlich höhere Downloadraten mit bis zu 300 Megabit pro Sekunde erreichen kann.
LTE-Advanced, kurz LTE-A, ist eine Erweiterung von LTE und soll Datenraten bis zu einem Gigabit pro Sekunde beim Herunterladen von Inhalten erzielen. Um dieses Ziel zu erreichen, muss das klassische LTE Netz mit der neuen Technologie aufgerüstet werden.
UMTS Abkürzung für Universal Mobile Telecommunications System. Internationaler Standard für zellulare Mobilfunknetze, der bei einer Datenübertragungsrate von bis zu 2 Megabit pro Sekunde neben den klassischen Mobilfunkdiensten auch mobile Multimediaanwendungen und einen Internetzugang ermöglicht.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?425761

Gedruckt am Samstag, 20. Juli 2019 09:41:40