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Öffentliches Fahrradverleihsystem in Hamburg

Erstellt am: 15.12.2010 | Stand des Wissens: 12.08.2020
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

In der zweitgrößten Stadt Deutschlands leben knapp 1,85 Millionen Menschen (Stand 2019). Im Jahr 2017 betrug der Modal Split für den Fahrradverkehr 15 Prozent [MID18, S. 9]. Ein Ziel des Bündnisses für Radverkehr in Hamburg ist eine Steigerung dieses Wertes auf 25 Prozent [BfR16].

Das StadtRAD Hamburg basiert auf einer Kooperation der Stadt Hamburg und der Deutschen Bahn AG (DB Rent). Es entspricht dem Konzept Call a Bike Fix und wurde am 10. Juli 2009 in Betrieb genommen und seitdem in Folge des großen Erfolges weiter ausgebaut. In der Startphase konnten die Fahrräder an den Stationen durch Identifikation per EC- oder Kreditkarte ausgeliehen werden. Für die Ausleihe beziehungsweise Rückgabe der Leihfahrräder musste ein Öffnungs- beziehungsweise Quittungscode am Fahrradschloss eingeben werden. Im Februar 2011 erfolgte eine Umstellung auf Funktechnologie. Die Ausleih- und Rückgabevorgänge können seitdem per Handy-App beziehungsweise per Telefon (nach einer Registrierung) oder über die Kundenkarte in Form eines RFID-Schlüsselanhängers erfolgen [Ham13]. Das Fahrrad kann an jeder beliebigen Station zurückgegeben werden. Das StadtRad-System wurde 2013 ausgeweitet auf die Stadt Lüneburg, 2015 auf den Stadtteil Harburg und 2016 auf den Bezirk Bergedorf [HamAb16, BWVI15, DB13].
Die Bezahlung erfolgt via Kreditkarte beziehungsweise EC-Lastschriftverfahren. Das Tarifsystem wurde zum 1. Januar 2013 geändert. Der bis dahin geltende günstige Tarif ab der 31. bis zur 60. Minute entfiel auf Grund der schwachen Nachfrage [Ham13]. Für die erstmalige Anmeldung fällt nach wie vor eine Gebühr von fünf Euro an, die als Fahrtguthaben gutgeschrieben wird [DB10]. Um die Bindung an den Öffentlichen Personenverkehr (ÖPV) zu fördern gelten für Besitzer einer Dauerkarte für den Hamburger Verkehrsverbund (HVV) oder für die Deutsche Bahn gesonderte Tarife.
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Tabelle 1: Tarifübersicht für Leihfahrradnutzung [SRH20a]
Ende des Jahres 2009 waren für das Fahrradverleihsystems 36.500 Nutzer angemeldet, die mehr als 306.000 Fahrten realisiert hatten. Ende 2017 lag die Zahl der registrierten Nutzer bereits bei etwa 500.000, die rund 3 Millionen Fahrten realisierten [DB19d]. Das System ist ständig nutzbar und steht, im Gegensatz zu vielen anderen Call a Bike Städten, auch im Winter zur Verfügung. Damit ist das öffentliche Fahrradverleihsystem in Hamburg das erfolgreichste System in Deutschland.
Im Februar 2019 wurde die gesamte Flotte ausgetauscht. Neben über 3.000 neuen Fahrrädern an über 240 Stationen stehen nun auch seit April 2019 Lastenpedelecs zur Verfügung. In den kommenden Jahren steht der weitere Ausbau des Stadtrad Hamburg. Die Fahrradflotte soll auf 4.500 Fahrräder und 70 Lastenpedelecs an 350 Stationen nachgerüstet werden. Die Rückgabe ist an jeder Station möglich. Die Stationen befinden sich vorzugsweise an S- und U-Bahnhöfen im erweiterten Innenstadtbereich sowie in größeren Wohnquartieren, in Geschäftsvierteln und an wichtigen Freizeit- und touristischen Einrichtungen. Lastenpedelecs müssen aber zu der Station, wo diese ausgeliehen wurden, zurückgebracht werden [SRH20]. 
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Öffentliche Fahrradverleihsysteme (Stand des Wissens: 14.02.2017)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?336909
Literatur
[BfR16] Freie und Hansestadt Hamburg (Hrsg.) Bündnis für den Radverkehr - Vereinbarung vom 23. Juni 2016, 2016/06/23
[BWVI15] Susanne Meinecke Harburg fährt StadtRad, 2015/04/09
[DB10] DB FuhrparkService GmbH StadtRAD Hamburg - Das System - Entleihe und Rückgabe, 2010
[DB13] Deutsche Bahn AG Konzern (Hrsg.) StadtRAD Lüneburg feierlich eröffnet, 2013/08/20
[DB19d] Deutsche Bahn AG Konzern (Hrsg.) StadtRAD Hamburg 2.0, 2019/01
[Ham13] Freie und Hansestadt Hamburg (Hrsg.) Radverkehrsstrategie für Hamburg - Fortschrittsbericht 2013, 2013/04
[HamAb16] Axel Ritscher StadtRad schafft noch einmal 18 neue Stationen, veröffentlicht in Hamburger Abendblatt, 2016/04/22
[MID18] Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (Hrsg.) Hamburg und Metropolregion (Kurzreport), 2018/11
[SRH20] Behörde für Mobilität und Wende, Stadt Hamburg (Hrsg.) StadtRAD Hamburg - Fahrradverleihsystem, 2020
[SRH20a] Stadt Hamburg, Call a Bike - Deutsche Bahn (Hrsg.) [Stadtrad Hamburg] Unsere Preise: günstig & flexibel, 2020
Weiterführende Literatur
[LeitfInterde10] TU Dresden, Lehrstuhl Verkehrs- und Infrastrukturplanung, Prof. Dr.-Ing. G.-A. Ahrens, Ahrens, G.-A., Aurich, T., Böhmer, T., Klotzsch, J. Leitfaden Interdependenzen zwischen Fahrrad- und ÖPNV-Nutzung , 2010/01
[Obis11] Janett Büttner, Hendrik Mlasowsky, Tim Birkholz, et. al. Optimising Bike Sharing in European Cities. Ein Handbuch., 2011/06
Glossar
App
Ist eine Abkürzung für den Fachbegriff Applikation (App) und bezeichnet eine Anwendungssoftware, die für mobile Endgeräte, wie Smartphone oder Tablet-PC entwickelt wurde. Apps können als Zusatzsoftware auf mobilen Endgeräten installiert werden und erweitern dadurch deren Funktionsumfang. Je nach Betriebssystem kann der Nutzer auf eine Vielzahl von mobilen Applikationen auf dem vom Betriebssystem bereitgestellten Marktplatz kostenpflichtig oder kostenlos zugreifen.
RFID RFID steht für 'Radio-frequency identification'. Mit der Hilfe von elektromagnetischen Wellen ermöglicht RFID die automatische Identifizierung und Lokalisierung von Gegenständen und Lebewesen. Dadurch ist es möglich Daten erheblich einfacher zu erfassen und zu speichern.
Modal Split
Modal Split wird in der Verkehrsstatistik die prozentuale Verteilung des Personen- und Güterverkehrs auf verschiedene Verkehrsmittel (Modi) genannt. Der Modal Split ist Folge des Mobilitätsverhaltens der Menschen und der wirtschaftlichen, insbesondere der verkehrlichen Entscheidungen von Unternehmen.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?336896

Gedruckt am Donnerstag, 22. Oktober 2020 05:36:39