Forschungsinformationssystem des BMVI

zurück Zur Startseite FIS

Kooperationen im Carsharing

Erstellt am: 03.11.2003 | Stand des Wissens: 13.07.2018
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Carsharing war in seiner "Gründerzeit" sehr stark von lokalen Carsharing-Organisationen (CSO) geprägt. Anschließend einsetzende stadtübergreifende Kooperationen beziehungsweise Fusionen von Carsharing-Anbietern veränderten den Carsharing-Markt grundlegend.

Der erste Schritt war im Jahr 1998 die Zusammenführung zweier Vorgängerverbände (boa und ecs) zum Bundesverband CarSharing e.V. (bcs). Der Verband will den Pkw-Bestand im Verkehr reduzieren und dadurch die Umweltverschmutzung verringern. Außerdem soll Carsharing mit dem öffentlichen Nahverkehr verknüpft werden [bcs12c]; [bcs16e].

Ein weiterer Schritt war die Gründung städteübergreifender, betrieblicher Kooperationen, unter anderem durch die Betreiber stadtmobil und cambio. Stadtmobil etablierte sich im Jahr 1992 und kooperiert heute mit fast allen Anbietern, die im Bundesverband CarSharing e.V. vertreten sind [StCs18]. Cambio wurde im Jahr 2000 von den Carsharing-Unternehmen "StadtteilAuto Aachen", "StadtAuto Bremen" und "StattAutoKöln" [camb18] gegründet.

Mit dem Eintreten der DB Connect (Flinkster), welche im Dezember 2001 als DB Rent in den Carsharing-Markt eingetreten war, begann ein neuer Zeitabschnitt stadtübergreifender Angebote. Mit der Deutschen Bahn AG betrat erstmals ein Großkonzern den deutschen Carsharing-Markt. Seit Januar 2004 steht das Angebot der Nutzung von DB-CarSharing nicht mehr nur BahnCard-Kunden offen, sondern allen Interessenten. Heutzutage bietet Flinkster deutschlandweit in über 300 Städten mehr als 4000 Fahrzeuge an über 1700 Stationen an. Das Unternehmen bietet auch Carsharing in den Niederlanden, in der Schweiz, in Österreich und in Italien an [DBFl17]. Das operative Fahrzeuggeschäft verbleibt in den Händen der örtlichen Anbieter.
Fahrzeug- und Mietwagenanbieter wie BMW Group haben sich zu DriveNow und Daimler mit Europcar zu car2go zusammengeschlossen. Car2go und DriveNow sind die ersten Carsharing-Dienste gewesen, die zuerst das stationsunabhängige Carsharing (Free-Floating-Carsharing) auf den Markt gebracht haben. Die beiden Unternehmen sind zurzeit die größten Carsharing-Anbieter in Deutschland [cars18b]. Car2go ist mittlerweile in acht Ländern an 26 Standorten auf drei Kontinenten zu finden [Daim18]. DriveNow steht in 13 Städten in Europa mit etwa 6.000 Fahrzeugen zur Verfügung [drive18]. Eine baldige Fusion dieser beiden Carsharing-Anbieter lässt den Kundenstamm in diesem Joint-Venture auf vier Millionen Kunden wachsen [wiwo18].
Weitere größere Carsharing-Anbieter sind book-n-drive, teilAuto und Greenwheels. Seit Mai 2000 besteht das Carsharing-Unternehmen book-n-drive und verteilt sich über ganz Deutschland mit einer Flotte von 888 Fahrzeugen. Seit 2012 beteiligen sich Mainova AG (ein Energieversorger) und ABG Frankfurt Holding (eine Wohnungsbaugesellschaft) mit je 33 Prozent an book-n-drive. Durch die Frankfurter Unternehmen sollen Energie, Wohnraum und Mobilität künftig mehr miteinander agieren [book18]; [book15a]. TeilAuto entstand ebenfalls im Jahr 2000 und kümmert sich vorrangig um das Carsharing in Mitteldeutschland. Heutzutage nutzen 33.000 Mitglieder rund 900 Fahrzeuge in 18 Standorten [teil18]. Greenwheels ist eine Marke des größten niederländischen Carsharing-Anbieters Collect Car B.V., die in Deutschland 2004 mit der Übernahme von Stattauto Hamburg und Berlin startete [Wilk04]. Deutschlandweit stellt Greenwheels an 21 Standorten Fahrzeuge bereit [Plat16].
Neben diesen Kooperationen gibt es verstärkt Kooperationen von CSO und Verkehrsunternehmen, welche sich zu einer intermodalen "End-to-End-Mobilität" ergänzen [Rid18]. Diese beziehen sich unter anderem auf vergünstigte Tarife, gemeinsame Kundenansprache und Kombinationsangebote. So soll ein gegenseitiges Mobilitätsangebot erschaffen werden - Carsharing als Ergänzung zum ÖPNV. Durch die Kooperation mit Carsharing-Unternehmen verstärkt der ÖPNV seine Bindung zu den Kunden [Loos12]. Außerdem wird die Wahrscheinlichkeit auf Anschaffung eines eigenen Fahrzeugs verringert.

Es gibt unterschiedliche Formen der Zusammenarbeit zwischen CSO und Kommunen. Zum einen haben die Kommunen politische Beschlüsse umgesetzt (zum Beispiel Ausweisung von gesonderten Stellplätzen, Bereitstellung von Ladeinfrastruktur für Elektroautos), zum anderen können die Kommunen durch Nutzung von Carsharing ihren Fuhrpark verkleinern und dadurch Kosten einsparen [Rid18].
Ein großes Potenzial an neuen Kooperationen wird bei der Anwerbung von gewerblichen Kunden (zum Beispiel Unternehmen, Organisationen und Vereine) gesehen, die ihre Dienstwagenflotte durch Nutzung von Carsharing verringern können. Für gewerbliche Kunden eignet sich das stationsbasierte Carsharing mehr, da im Voraus das Fahrzeug reserviert werden kann und das Konzept in mehr Städten verfügbar ist. Einige Carsharing-Unternehmen bieten auch Corporate Carsharing an. Die Fahrzeuge gehören fest zur Flotte des jeweiligen Betriebs und werden durch das Betriebssystem des Carsharing-Anbieters gemanagt. Dabei kann der Betrieb als Eigentümer der Fahrzeuge selbst entscheiden, welche Funktionen vom Carsharing-Anbieter übernommen werden  [Rid18]; [bcs17g].

Ein erfolgversprechender Ansatz könnte die Zusammenarbeit mit der Wohnungswirtschaft sein. Dabei ist die Stellplatzbereitstellung, die Schaffung von Carsharing-Sonderangeboten für Bewohner einer Wohnanlage und die Entlastung des Wohnungsumfeldes Gegenstand der Kooperation [VCD18]; [bcs15a]; [Rid18].  Durch Einbezug von Carsharing in der Genehmigungsphase von Wohnungsbauprojekten kann auf einige Stellplätze womöglich verzichtet werden, was den Bau der Wohnanlage vergünstigt und/oder eine Alternativnutzung des gewonnenen Raumes ermöglicht.

Wissenslandkarten

Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Carsharing (Stand des Wissens: 12.11.2018)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?56435
Literatur
[bcs12c] bcs - Bundesverband CarSharing e.V. (Hrsg.) Der Bundesverband CarSharing stellt sich vor, 2012
[bcs15a] bcs - Bundesverband CarSharing e.V. (Hrsg.) Carsharing und Wohnen eine echte Win-win-Situation, 2015/01/29
[bcs16e] bcs - Bundesverband CarSharing e.V. (Hrsg.) Geschichte [des Carsharings], 2016
[bcs17g] bcs - Bundesverband CarSharing e.V. (Hrsg.) CarSharing für gewerbliche Kunden, 2017/03
[book15a] Book-n-Drive (Hrsg.) 15 Jahre book-n-drive, 2015/07/14
[book18] book-n-drive (Hrsg.) Unternehmen [book-n-drive], 2018/05
[camb18] Cambio (Hrsg.) Unternehmensentwicklung [cambio], 2018
[cars18b] carsharing-news.de (Hrsg.) Carsharing Anbieter, 2018/07/1
[Daim18] Daimler AG - RESEARCH AND TECHNOLOGY (Hrsg.) Einsteigen und losfahren. Free-floating Carsharing mit car2go, 2018
[DBFl17] Flinkster Carsharing (Hrsg.) Flinkster - Einfach losfahren., 2017/03/17
[drive18] DriveNow (Hrsg.) Das Unternehmen DriveNow, 2018
[Loos12] Loose, W., Glotz-Richter, M. Carsharing und ÖPNV. Entlastungspotenziale durch
vernetzte Angebote
, ksv / Köln, 2012, ISBN/ISSN 9783940685186; 3940685186
[Plat16] Plate, D. Greenwheels übernimmt Quicar, veröffentlicht in Autohaus, Ausgabe/Auflage Heft 03/16, 2016
[Rid18] Herdtle, Carolin, Parzinger, Gerhard , Grausam, Michael , Müller, Ulrich, Rid, Wolfgang Carsharing in Deutschland. Potenziale und Herausforderungen, Geschäftsmodelle und Elektromobilität., Ausgabe/Auflage 1. Auflage, Wiesbaden: Springer Vieweg , 2018, ISBN/ISSN 978-3-658-15905-4
[StCs18] Stadtmobil Carsharing (Hrsg.) Carsharing mit stadtmobil. Eine richtig gute Geschichte!, 2018
[teil18] teilAuto (Hrsg.) teilAuto, Carsharing in Mitteldeutschland, 2018
[VCD18] Verkehrsclub Deutschland (VCD) e. V. (Hrsg.) Vergünstigte ÖPNV-Tickets, Carsharing und Mobilitätsstationen: Wie die Wohnungswirtschaft umweltfreundliche Mobilität fördern kann, 2018/04/12
[Wilk04] Wilke, Georg Konkurrenz belebt das Geschäft - Car-Sharing in Deutschland, veröffentlicht in Politische Ökologie, Ausgabe/Auflage Nr. 91-92, 2004
[wiwo18] WirtschaftsWoche (Hrsg.) Wohin die Fusion von Car2go und DriveNow führt, 2018/03/28
Weiterführende Literatur
[MHK04] Maertins, Christian , Hoffmann, Christian , Knie, Andreas Automobil mit der Bahn, veröffentlicht in Internationales Verkehrswesen, Ausgabe/Auflage 1+2, 2004
[BAST04b] Loose, Willi , Mohr, Mario , Nobis, Claudia , et al. Bestandsaufnahme und Möglichkeiten der Weiterentwicklung von Car-Sharing, veröffentlicht in Berichte der Bundesanstalt für Straßenwesen, Ausgabe/Auflage Verkehrstechnik Heft V 114, Wirtschaftsverlag NW, Bergisch Gladbach, 2004/07, ISBN/ISSN 3-86509-144-X
[KrSa01] Krämer, Christine , Saretzki, Ute Das "öffentliche" Auto Kooperationen zwischen ÖPNV und CarSharing, 2001
[Krie03] Krietemeyer, Hartmut, Dr. Effekte der Kooperation von Verbund und Car-Sharing-Organisation, veröffentlicht in Der Nahverkehr, Ausgabe/Auflage 9, alba-Verlag, Düsseldorf, 2003
[Gree10] o.A. Greenwheels
[VDV04] Verband Deutscher Verkehrsunternehmen Mobilitätsbaustein CarSharing - Empfehlungen zur Kooperation mit dem ÖPNV, veröffentlicht in VDV-Mitteilungen, Ausgabe/Auflage Nr. 10009, Köln, 2004/04
[CzKR04] Thomas Czech , Berne Kremer , Martin Röhrleef Mobilitätsbaustein Car-Sharing - Empfehlungen zur Kooperation mit dem ÖPNV (Artikel), veröffentlicht in Der Nahverkehr, alba-Verlag, Düsseldorf, 2004/09
[DBFl18] Deutsche Bahn AG Konzern (Hrsg.) Professionell flexibel. [DB Flinkster], 2018
[Huwe03] Huwer, Ulrike Synthese des Umweltverbundes - Kombinierte Mobilität mit ÖPNV und Car-Sharing, veröffentlicht in Der Nahverkehr, Ausgabe/Auflage 3, Kaiserslautern, 2003

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?64708

Gedruckt am Freitag, 21. Februar 2020 23:30:08