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Maßnahmen und Handlungsempfehlungen für den digital vernetzten Güterverkehr

Erstellt am: 12.01.2018 | Stand des Wissens: 05.04.2019
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg-Harburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik, Prof. Dr.-Ing. H. Flämig

Die vollständige Umsetzung der digitalen Vernetzung ermöglicht die Ausschöpfung von ökonomischen und ökologischen Potenzialen. Dem gegenüber stehen jedoch rechtliche, technische, infrastrukturelle, wirtschaftliche und gesellschaftliche Herausforderungen. Zur Ausschöpfung der Potenziale bedarf es Förderungen und anderer (politischer) Maßnahmen, die die Implementierung der digitalen Vernetzung im Güterverkehr begünstigen.
Besonders wichtig für das Funktionieren intelligenter Verkehrssysteme (IVS) sind die verfügbaren Daten. Die Fokusgruppe "Smart Data für intelligente Mobilität" des nationalen IT- Gipfels 2015 bezeichnet sie gar als "Rohstoff" solcher Systeme [FgIT15]. Aber nicht nur das Generieren und Bereitstellen von Daten, sondern auch definierte Qualitätskriterien, Regelungen des Zugangs und des Datenschutzes sowie der Datenkoordination sind entscheidende Kriterien für die digitale Vernetzung des Verkehrssystems. Obwohl die Bundesregierung in den letzten Jahren Strategien entwickelt und Maßnahmen eingeleitet hat, um Deutschland als Innovationsführerin in diesem Bereich halten zu können, liegt sie hierbei im internationalen Vergleich zurück. Zur Schaffung der notwendigen Rahmenbedingungen bedarf es einer engen und langfristigen Zusammenarbeit zwischen Politik, Wissenschaft und Industrie [FgIT15].
Eine Maßnahme zur Förderung der Nutzung von Mobilitätsdaten in intelligenten Verkehrssystemen ist die Schaffung des "Modernitätsfonds" durch das Bundesverkehrsministerium (BMVI) im Jahr 2016. Hiermit soll ein breiter Zugang zu den bereits vorhandenen Daten des BMVI (Klima-, Umwelt- und Mobilitätsdaten) ermöglicht werden, um die innovative Anwendung und Verknüpfung der Daten voranzutreiben. Gleichzeitig erfolgt durch den Fonds eine finanzielle Unterstützung der Vorhaben [BMVI16m].
Mit der Schaffung des Digitalen Testfelds Autobahn auf der Autobahn 9 in Bayern ist außerdem ein wichtiger Schritt für die Erprobung der für die digitale Vernetzung notwendigen Technologien unter realen Bedingungen eingeleitet worden. Sowohl Sensortechnologien für eine intelligente Straßeninfrastruktur als auch Konvoi-Fahrten digital vernetzter Lkw werden hier getestet [BMVI15l].
Für den Schienengüterverkehr wurde im Juni 2016 die 5-Punkte-Strategie "Schiene Digital" entworfen. Diese von der Deutschen Bahn AG, dem Verband der Bahnindustrie in Deutschland und dem Bundesverkehrsministerium unterzeichnete Strategie zur Digitalisierung des Schienengüterverkehrs formuliert Zielsetzungen und Maßnahmen auf dem Weg zur "Schiene 4.0" [BMVI16k].
Dennoch fehlen weitere wichtige Schritte zur Implementierung und Etablierung der digitalen Vernetzung im Güterverkehr in Deutschland. Laut Arbeitsgruppe 8 (AG 8) des nationalen IT-Gipfels 2014 wird eine "bedarfs- und marktgerechte Frequenzausstattung und -bereitstellung" [NaIT14] sowie die Harmonisierung des Mobilfunkspektrums in Europa benötigt. Gleichzeitig müsse ein europäischer Ordnungsrahmen im Hinblick auf den Datenschutz geschaffen werden. Als weiteren Handlungsbedarf sieht die AG 8 die Standardisierung von Schnittstellen und Informationen über die verschiedenen Verkehrsträger hinweg [NaIT14].
Die vom Bundesverkehrsministerium in Auftrag gegebene Studie "Status Quo des Güterverkehrssystems in Deutschland - eine Metastudie unter besonderer Betrachtung der Vernetzung des Verkehrs" untersucht, wo es zur Umsetzung der digitalen Vernetzung weiteren Forschungsbedarf gibt und verfasst auf dieser Grundlage konkrete Handlungsempfehlungen. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass sowohl die Entwicklung neuer technischer Lösungen als auch von Standards für Schnittstellen von hoher Bedeutung sind, um allen Akteuren am Transport- und Logistikmarkt eine effiziente Vernetzung zu ermöglichen. Darüber hinaus wird eine Anpassung des rechtlichen Rahmens durch öffentliche Institutionen als unumgänglich angesehen [Roeh16].
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg-Harburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik, Prof. Dr.-Ing. H. Flämig
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Nutzen und Herausforderungen der digitalen Vernetzung in Güterverkehr und Logistik (Stand des Wissens: 05.04.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?478030
Literatur
[BMVI15l] Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur Aktionsplan Güterverkehr und Logistik - nachhaltig und effizient in die Zukunft, 2015/12/15
[BMVI16k] Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (Hrsg.) Zukunftsforum Schiene Digital - 5-Punkte-Strategie, Berlin, 2016/06/22
[BMVI16m] Tobias Miethaner Förderrichtlinie 'Modernitätsfonds', 2016/05/16
[FgIT15] Fokusgruppe Smart Data Nationaler IT-Gipfel 2015 (Hrsg.) Smart Data für intelligente Mobilität. Ergebnisdokument der Fokusgruppe. Plattform 'Digitale Netze und Mobilität'., 2015
[NaIT14] Nationaler IT Gipfel, Arbeitsgruppe 8 (Hrsg.) Anforderungen an die digitale Infrastruktur für intelligente Mobilität, 2014/10
[Roeh16] Röhling, Wolfgang, Burg, Robert, Bernecker, Tobias, Boysen, Jens Status quo des Güterverkehrssystems in Deutschland - eine Metastudie unter besonderer Betrachtung der Vernetzung des Verkehrs, 2016/10
Glossar
Schienengüterverkehr
Unter Schienengüterverkehr (SGV) wird der Transport von Gütern mit der Eisenbahn verstanden. Diese werden in Güterzügen unter Verwendung (spezieller) Güterwagen befördert. Diese Verkehre können entweder auf gesonderten Güterverkehrsstrecken oder im Mischverkehr, auf gemeinsam durch den Güter- und Personenverkehr genutzten Strecken, realisiert werden. Leistungen des Schienengüterverkehrs werden häufig als Teil einer Logistikkette in logistische Gesamtkonzepte eingebunden.
Lkw Lastkraftwagen (Lkw) sind Kraftfahrzeuge, die laut Richtlinie 1997/27/EG überwiegend oder sogar ausschließlich für die Beförderung von Gütern und Waren bestimmt sind. Oftmals handelt es sich dabei um Fahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse zwischen 3,5 und 12 Tonnen. In Einzelfällen kann die zulässige Gesamtmasse diese Werte jedoch auch unter- beziehungsweise überschreiten, sofern das Kriterium der Güterbeförderung gegeben ist. Lastkraftwagen können auch einen Anhänger ziehen.
ITS Intelligent Transportation Systems (ITS) ist der Oberbegriff für Transportsysteme, die Informations- und Kommunikationstechnologie zur Unterstützung des Betriebes einsetzen. ITS-Funktionen unterstützen den Fahrer eines Transportmittels, sie sind damit deutlich von automatischen Transportsystemen zu differenzieren, die auf einen fahrerlosen Betrieb abstellen. Die wichtigsten neuen und zum Teil noch in Entwicklung befindlichen Anwendungsfelder zielen auf (1) Verkehrs- und Transportmanagement (Verkehrsinformationen, Verkehrslenkung, Verkehrs- und Parkleitsysteme, automatische Unfallmeldungen, Meldesysteme zum Gefahrgutmonitoring); (2) Elektronische Systeme zur Gebührenerhebung; (3) Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel (dynamische Fahrgastinformationen, Reservierung, spezifische Informationssysteme für Fahrradfahrer und Fußgänger, Steuerung individueller öffentlicher Verkehrsmittel); (4) Systeme zur Unterstützung der Fahrzeugsicherheit (Kollisionsdetektoren, Sektorisierung von Verkehrswegen).
BMVI Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (bis 10/2005 auch BMVBW und bis 12/2013 BMVBS)

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?478018

Gedruckt am Mittwoch, 22. Mai 2019 08:41:49