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Treiber und Verknüpfungsmöglichkeiten für mehr Multimodalität

Erstellt am: 19.05.2015 | Stand des Wissens: 04.06.2018
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Datenplattformen bieten eine große Chance für den Inter- und Multimodalen Personenverkehr. Der hierfür notwendige Verbund der einzelnen und verschiedenen Mobilitätsdatenplattformen stellt jedoch eine Herausforderung dar. Aktuell existiert eine Vielzahl elektronischer Fahrplaninformations-, Auskunfts- und Ticketsysteme. Das liegt an zeitgleichen und unabgestimmten Bemühungen einzelner Akteure der vernetzten Mobilität , deren Daten und Dienste heterogen sind. Die Entwicklung von standardisierten Schnittstellen ist dringend notwendig, um Transparenz zu schaffen und den Zugang zu erleichtern (vgl. Stopka15, S. 9).

Die Digitale Agenda und die Strategie Intelligente Vernetzung der Bundesregierung unterstreichen ausdrücklich, dass die Digitalisierung und die Verknüpfung von Systemwelten, wie beispielsweise der Fahrplaninformation und des Fahrscheinerwerbs, auf Basis von einheitlichen Standards realisiert werden müssen. (BMVI16g, S. 11)

Besonders hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang das Projekt DELFI (Durchgängige ELektronische FahrgastInformation), das von verschiedenen Partnern (vor allem den Bundesländern und der Deutschen Bahn) getragen und vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur unterstützt wird. Zur Strategie DELFI 2020 gehören (vgl. [DELF18]):
  • Betrieb einer konsistenten, aktuellen, exakten, umfassenden, neutralen und performanten Fahrgastinformation für ganz Deutschland
  • Funktionale Erweiterung, vor allem in den Bereichen Echtzeit und Barrierefreiheit
  • Effiziente Integration der Fahrgastinformation in die Wertschöpfungskette als Wegbereiter für Tarif und Ticketing
  • Diskriminierungsfreie Öffnung von Daten und Diensten auch für Dritte
  • Engere Zusammenarbeit von Verkehrsunternehmen und -verbünden zur Optimierung von Prozessen und Daten
  • Einbettung von DELFI in die internationale IVS-Architektur für intelligente Transportsysteme
Damit verbunden ist das Projekt EU-Spirit, bei dem es um die Entwicklung eines europäischen Reiseinformationsnetzwerks geht. Zurzeit sind damit ÖV-Auskünfte für Deutschland, Dänemark, Frankreich, Polen, Schweden und Luxemburg möglich (vgl. [DELF12]).
Das Förderprogramm eTicketing und digitale Vernetzung im ÖPV unterstützt Vorhaben zur überregionalen und länderübergreifende Vernetzung sowohl von Fahrgastinformationssystemen als auch von elektronischem Ticketing. Informationen zu den geförderten Projekten stehen unter [BMVI16p] zur Verfügung.
Die Schaffung eines Standards für elektronische Zahlungskarten und Tickets ist in Deutschland bereits fortgeschritten. Zum Stand März 2018 verwenden deutschlandweit 400 ÖPNV-Unternehmen den offenen Standard (((eTicket (vgl. [JANS18], S. 10). Beispiele dafür sind das eTicket Rhein-Main, sowie die polygoCard Stuttgart und die PlusCard Münster.
Ferner nimmt die Bedeutung von Mobilitätsinformationen und -plattformen zur Nutzung und Vernetzung öffentlicher und kommerzieller Mobilitätsangebote in den letzten Jahren, vor allem durch die steigende Zahl multimodaler Mobilitäts-Apps, zu. "Sie ermöglichen [,] das umfassende multimodale Verkehrsangebot einer Stadt übersichtlich und vergleichbar darzustellen und erleichtern dadurch eine verknüpfte Mobilität mit verschiedenen Verkehrsträgern und verschiedenen Anbietern" ([FoPS15, S. 1; vgl. FoPS15/16, S. 2 f.).]
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Vernetzte Mobilität im Personenverkehr (Stand des Wissens: 07.06.2018)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?447113
Literatur
[AhKlWi14] Ahrens, G.-A., Klotzsch, J., Wittwer, R. Autos nutzen statt besitzen. Treiber des multimodalen Verkehrsverbundes, veröffentlicht in ZfAW - Zeitschrift für die gesamte Wertschöpfungskette Automobilwirtschaft, Ausgabe/Auflage 2/2014, 17. Jahrgang, FAW-Verlag, Bamberg, 2014, ISBN/ISSN 1434-1808
[BMVI15s] Digitale Vernetzung im Öffentlichen Personenverkehr, 2015
[BMVI16g] Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, Akteure des Dialog- und Stakeholderprozesses im Rahmen der Initiative Digitale Vernetzung im Öffentlichen Personenverkehr (Hrsg.) Roadmap: Digitale Vernetzung im öffentlichen Personenverkehr, 2016/07
[BMVI16p] Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur Mobilität 21 - Kompetenznetzwerk für innovative Verkehrslösungen, 2016
[Bock15] Bock, B. Berlin weiter an der Spitze: Aktuelle Zahlen zum Free-Floating-Carsharing in ausgewählten Städten, 2015/02/27
[DELF12] Deutsche Bahn AG Konzern, Rhein-Main-Verkehrsverbund GmbH DELFI: Durchgängige ELektronische FahrgastInformation, 2012
[FoPS15] Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, Referat G 11, Grundsatzfragen der Forschung, Entwicklung, Forschungsförderung Multimodale Mobilitäts-Apps - Analyse von Anwendung und Wirkung in Hinblick auf multimodales Verkehrsverhalten, 2015
[FoPS15/16] Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, Referat G 11, Grundsatzfragen der Forschung, Entwicklung, Forschungsförderung Aufstellung des Forschungsprogramms zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse in den Gemeinden (FoPS 2015/2016), Bonn, 2014/06/12
[FoPS15b] Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, Referat G 11, Grundsatzfragen der Forschung, Entwicklung, Forschungsförderung Multimodalität in Städten und Regionen - Angebot und Nachfrage, 2015
[JANS18] Janssen Zum Stand des (((eTicket Deutschland, veröffentlicht in Der Nahverkehr , Ausgabe/Auflage 3/2018, 2018/03
[Sch14] Schott, V. Junge Leute - Abwendung vom Auto?, veröffentlicht in Internationales Verkehrswesen, Ausgabe/Auflage 3/2014, 66. Jahrgang, DVV Media Group GmbH, Hamburg, 2014/09, ISBN/ISSN 0020-9511
[Stopka15] TU Dresden, Professur für Kommunikationswirtschaft, Prof. Dr. Ulrike Stopka, Stopka, U. Sharing Economy und kollaborative Mobilität, veröffentlicht in Mobilität und Kommunikation. Öffentlicher und Individualverkehr - wie finden sie zusammen?, Dresden, 2015/01/29
Weiterführende Literatur
[EuCo14] European Commisson (Hrsg.) Towards a roadmap for delivering EU-wide multimodal travel information, planning and ticketing services, 2014/06/13
[BrFrWe14] Brockmeyer, F., Frohwerk, S., Weigele, S. Urbane Mobilität im Umbruch?, veröffentlicht in Internationales Verkehrswesen, Ausgabe/Auflage 3/2014, 66. Jahrgang, DVV Media Group GmbH, Hamburg, 2014/09, ISBN/ISSN 0020-9511
[Witt14] Wittwer, R. Zwangsmobilität und Verkehrsmittelorientierung junger Erwachsener: Eine Typologisierung, veröffentlicht in Schriftenreihe des Instituts für Verkehrsplanung und Straßenverkehr, Ausgabe/Auflage Heft 16/2014, Dresden, 2014/12, ISBN/ISSN 1432-550
Glossar
ÖV
Der Öffentliche Verkehr (ÖV) ist sowohl im Personen-, Güter- sowie Nachrichtenverkehr für jeden Nutzer der Volkswirtschaft öffentlich zugänglich. Dazu zählen die öffentliche Personenbeförderung, der öffentliche Gütertransport als auch öffentliche Telekommunikations- und Postdienste. Der ÖV wird dabei von Verkehrsunternehmen, nach festgelegten Routen, Preisen und Zeiten durchgeführt. Der ÖV ist somit im Gegensatz zum Individualverkehr (IV) örtlich und zeitlich gebunden.
Vor dem Hintergrund der verkehrspolitisch geförderten "Multimodalität" wird der ÖV zunehmend breiter definiert, indem auch "Alternative Bedienformen", Taxen bis hin zu öffentlichen Fahrrädern und öffentlichen Autos als Teil eines neuen individualisierten ÖV gesehen werden.
Barrierefreiheit
Barrierefrei sind bauliche und sonstige Anlagen, Verkehrsmittel, technische Gebrauchsgegenstände, Systeme der Informationsverarbeitung, akustische und visuelle Informationsquellen und Kommunikationseinrichtungen sowie andere gestaltete Lebensbereiche, wenn sie für behinderte Menschen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sind. (Definition nach §4 Behindertengleichstellungsgesetz)
ITS Intelligent Transportation Systems (ITS) ist der Oberbegriff für Transportsysteme, die Informations- und Kommunikationstechnologie zur Unterstützung des Betriebes einsetzen. ITS-Funktionen unterstützen den Fahrer eines Transportmittels, sie sind damit deutlich von automatischen Transportsystemen zu differenzieren, die auf einen fahrerlosen Betrieb abstellen. Die wichtigsten neuen und zum Teil noch in Entwicklung befindlichen Anwendungsfelder zielen auf (1) Verkehrs- und Transportmanagement (Verkehrsinformationen, Verkehrslenkung, Verkehrs- und Parkleitsysteme, automatische Unfallmeldungen, Meldesysteme zum Gefahrgutmonitoring); (2) Elektronische Systeme zur Gebührenerhebung; (3) Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel (dynamische Fahrgastinformationen, Reservierung, spezifische Informationssysteme für Fahrradfahrer und Fußgänger, Steuerung individueller öffentlicher Verkehrsmittel); (4) Systeme zur Unterstützung der Fahrzeugsicherheit (Kollisionsdetektoren, Sektorisierung von Verkehrswegen).
ÖPNV Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV): Nach § 2 des Regionalisierungsgesetzes (RegG) wird ÖPNV definiert als die "allgemein zugängliche Beförderung von Personen mit Verkehrsmitteln im Linienverkehr, die überwiegend dazu bestimmt sind, die Verkehrsnachfrage im Stadt-, Vorort- oder Regionalverkehr zu befriedigen." Das ist im Zweifel der Fall, wenn eine Mehrzahl der Beförderungsfälle eines Verkehrsmittels die gesamte Reiseweite von 50 Kilometer oder die gesamte Reisezeit von einer Stunde nicht übersteigt. Vor dem Hintergrund der verkehrspolitisch geförderten "Multimodalität" wird der ÖPNV zunehmend breiter definiert, indem auch "alternative Bedienformen", Taxen bis hin zu öffentlichen Fahrrädern und öffentlichen Autos als Teil eines neuen individualisierten ÖPNV gesehen werden.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?447066

Gedruckt am Donnerstag, 19. September 2019 10:30:27