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Maßnahmen zum Kapazitätsausbau in Containerterminals

Erstellt am: 14.04.2003 | Stand des Wissens: 12.09.2022
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Maritime Logistik, Prof. Dr.-Ing. C. Jahn

Die Leistungsfähigkeit im Containerumschlag ist ein wichtiger Faktor im Hafenwettbewerb. Um den steigenden Anforderungen an Containerterminals, bedingt durch die Entwicklung der Schiffsgrößen, gerecht zu werden, sind technische, organisatorische, logistische und infrastrukturelle Maßnahmen zu ergreifen. Es gilt, die Leistungsfähigkeit des Containerumschlags auszubauen, um so die Liegezeiten der Großcontainerschiffe zu reduzieren und zu ihren wirtschaftlichen Betrieb beizutragen, wodurch die Wettbewerbsfähigkeit von Hafen und Terminal erhalten wird.  
Organisatorische Lösungsansätze zur Kapazitätssteigerung der Umschlagterminals zielen ab auf das Planning, den Vorstau und die terminalseitige Organisation und Logistik zwischen den Brückenkränen, den Stauflächen und der An-/Ablieferung der Container.

Technische Maßnahmen konzentrieren sich auf die Förder- und Transporttechnik der Terminals, insbesondere auf die Containerbrücken am Kai. Mögliche Maßnahmen zur Verringerung der Kranspielzeiten sind:
  • Erhöhung der horizontalen Katzgeschwindigkeit und der vertikalen Hubgeschwindigkeit,
  • Einsatz von Katzen mit Trolleyverbindung, um die wasser- und landseitige Vertikalförderung zu trennen,
  • Teilautomatisierung und Einsatz von Pendelausgleichsystemen (anti-sway),
  • Förderung von zwei miteinander verbundenen 20'-Containern gleichzeitig (twin-lift),
  • Aufstellen der Containerbrücken auf einer Hochkaje etwa 20 Meter über dem Wasser,
  • Förderung von vier 20'-Containern oder zwei 40'-Containern gleichzeitig (tandem-lift),
  • Vermeidung von Leerfahrten durch gleichzeitiges Löschen und Laden (dual cycle) [Poeh02, S. 43 f.; ISL14, S. 18; HHLA12a].
Besondere Anforderungen an die Containerbrücken stellt die wachsende Breite der Containerschiffe. Moderne Post-Panamax-Schiffe haben Breiten über 50 Meter (Maersk Mc-Kinney Moeller = 59 Meter, bis zu 23 Reihen Container). Die führenden Containerhäfen beschaffen daher bereits seit einigen Jahren Brücken mit Reichweiten von bis zu 25 Containerreihen. Als weiterer Aspekt kommt hinzu, dass neben der Reichweite auch die erforderliche Arbeitshöhe der Brücken zunimmt [Schö07]. Die Weiterentwicklung der Containerbrücken wird horizontalen Umschlagsystemen vorgezogen [HDW94, S. 58-75].

Um weitere Verbesserungen beim Containerumschlag zu erreichen, sind völlig neuartige Terminalkonzeptionen für die Infrastruktur notwendig. Um den Terminalbetrieb möglichst reibungslos zu gestalten und die Komplexität der Güterbewegungen im Terminal beherrschen zu können, ist die Weiterentwicklung eingesetzter komplexer Terminal Operating Systems (TOS) notwendig. Hierfür bietet sich eine dezentrale und autonome Steuerung der Prozesse innerhalb des Terminals an, um beispielsweise Engpässe beim Einsatz von Terminalequipment zu umgehen [WisB19, S. 6]

Die zunehmende Inkongruenz zwischen den Seeschiffsgrößen und den Verkehrsmitteln der Hinterlandanbindung, diskutiert auch als Schnittstellenproblematik, führt zu Problemen bei der Behandlung des Hinterlandverkehrs. Als Ausweg wird in verschiedenen Häfen die Umgestaltung der Logistik mit der Errichtung von Hinterlandterminals (dry ports bzw. Binnenhäfen) gesehen, in die Prozesse ausgelagert werden können, für die im Seehafenterminal keine Kapazitäten verfügbar sind [WisB19, S. 4].
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Maritime Logistik, Prof. Dr.-Ing. C. Jahn
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Ausbau der Kapazitäten und Ausweitung des Leistungsangebot der Seehäfen zur Sicherung ihrer Wettbewerbsposition (Stand des Wissens: 12.09.2022)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?286709
Literatur
[HDW94] Kraus, Andreas, Eisbrecher, Hans-Dieter, Giese, Hans-Hermann, Grünanger, Gerhart, Hebeler, Horst, Tiede, Samuel, Lemper, Burkhard, Dr., Volk, Berthold, Prof. Dr. Studie über Rahmenbedingungen und Konzepte für Container-Transportsysteme der Zukunft, Kiel, 1994/10/31
[HHLA12a] Hamburger Hafen und Logistik AG (Hrsg.) CTA optimiert Umschlagprozess deutlich, 2012/07/12
[ISL14] ISL Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (Hrsg.) Forschungsbericht 2013, 2014/03
[Poeh02] Poehls, Harald, Prof. Dr. Technische Perspektiven der Schiffsgrößenentwicklung, veröffentlicht in Perspektiven der Schiffsgrößenentwicklung in der Containerschiffahrt ? Herausforderung für die deutschen Nordseehäfen, Schriftenreihe der Deutschen Verkehrswissenschaftlichen Gesellschaft B 231, Ausgabe/Auflage B 231, Bergisch Gladbach, 2002, ISBN/ISSN 3-933392-31-4
[Schö07] Schönknecht, Axel Größenentwicklung von Containerschiffen und Auswirkung auf die intermodale Transportkette, veröffentlicht in Tagungsbeiträge des 3. Fachkolloquiums der Wissenschaftlichen Gesellschaft Technische Logistik, Selbstverlag der Wissenschaftlichen Gesellschaft Technische Logistik /o.O., 2007
[WisB19] Wissenschaftlicher Beirat Internationales Verkehrswesen (Hrsg.) Chancen der Digitalisierung für die deutschen Seehäfen nutzen und Investitionen in die Infrastruktur optimieren
, Trialog Publishers Verlagsgesellschaft, Baiersbronn, 2019/01
Weiterführende Literatur
[HDW97] Kraus, Andreas, Dr.-Ing., Fricke, Wolfgang, Dr.-Ing., Grünanger, Gerhart, Dr.-Ing., Jensen, Gerhard, Dr.-Ing., Lemper, Burkhard, Dr., Volk, Berthold, Prof. Dr., Zachical, Manfred, Prof. Dr. Container-Transportsysteme der Zukunft - Schlussbericht, Kiel, 1997/11
[Poeh01] Poehls, Harald, Prof. Dr. Das Schiff und der Container Produktivität durch Spezialisierung -Entwicklung und Grenzen des Containerschiffes, 2001/05
[Pete01] Peters, H. Developments in global seatrade and container shipping markets: Their effects on the port industry and private sector involvement , veröffentlicht in International Journal of Maritime Economics, Ausgabe/Auflage H. 3, 2001, ISBN/ISSN 1388-1973
[Rei05] Reise, S. Offshore-Containerterminals als Transhipment-Hub, veröffentlicht in Internationales Verkehrswesen: Fachzeitschrift für Wissenschaft und Praxis, Deutscher Verkehrs-Verlag / Hamburg, 2005/09, ISBN/ISSN 0020-9511
[Bri05] Brinkmann, B. Seehäfen - Planung und Entwurf, Springer / Berlin, 2005, ISBN/ISSN 3-540-20587-X
[HaTs00] Haralambides, H., Tsolakis, S., Cheung Tam He, The global outlook of liner shipping and port networks in the information society of the 21st century, Alexandria, Egypt, 2000
[DVWG01d] o.A. Wegweisendes Konzept im Containerumschlag, veröffentlicht in Internationales Verkehrswesen, Ausgabe/Auflage 12/2001, Deutscher Verkehrs-Verlag / Hamburg, 2001/12, ISBN/ISSN 0020-9511
Glossar
Panamax Panamax wird ein Schiff genannt, dessen Parameter die Durchfahrt durch den Panama-Kanal ermöglichen: maximale Länge: 295 m, maximale Außenbreite: 32,25 m, maximaler Tiefgang: 13,50 m. Bulkcarrier haben dann Tragfähigkeiten von ca. 75 000 tdw. Als Post-Panamax-Schiffe wird eine Größenklasse von Containerschiffen bezeichnet, deren Parameter die Durchfahrt durch den Panama-Kanal nicht gestatten, i.d.R. mit ca. 6500 TEU Ladekapazität.
Seehafenterminal
In einem Containerterminal erfolgt der Umschlag von Containern, Wechselbehältern, Wechselbrücken oder Sattelaufliegern und ähnlichen Ladeeinheiten im Hafen. Weiterhin kann auch Projektgeschäft, z.B. übergroße Ladungen, umgeschlagen werden.
Zusätzlich zu den Containerterminals umfasst der Begriff des Seehafenterminals auch andere Ladungs- und Terminalarten, wie z.B. Massengutterminals oder Flüssiggutterminals.
Charakteristisch für Seehafenterminals ist die Anbindung an das Wasser und mindestens einen weiteren Verkehrsträger.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?41349

Gedruckt am Sonntag, 4. Dezember 2022 19:36:23