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Mehrwertdienste von Ladeinfrastruktur für Elektromobilität

Erstellt am: 11.10.2012 | Stand des Wissens: 28.01.2019
Ansprechpartner
Technische Universität Berlin, Fachgebiet Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik (WIP) - Prof. Dr. v. Hirschhausen, Prof. Dr. Beckers

Als Mehrwertdienste von Ladeinfrastruktur werden Nutzungen bezeichnet, die den eigentlichen Dienst des Ladens ergänzt, um den Nutzen zu erhöhen. Basisdienste für den Betrieb einer Ladeinfrastruktur sind die Fernwartung der Ladesäule, Netzwerküberwachung, Systemstatistiken wie auch die Kunden- und Rechteverwaltung und die Abrechnung. Mehrwertdienste können beispielsweise die Onlineregistrierung, die Buchung spezieller Ladestellen oder -tarife sein, aber auch die Routenplanung mit alternativen Transportsystemen. Es können neben aktuellen, ortsgebundenen Verkehrsdaten, Umgebungsinformationen und Kartendiensten, Anschlussmöglichkeiten an den ÖPNV oder die Verfügbarkeit von Stellplätzen mit Batterieladestationen und Abrechnungsinformationen ausgetauscht werden. Ferner sind Mehrwertdienste auch weit über den direkten Bezug zum Elektrofahrzeug hinaus denkbar wie das Empfangen digitaler Radiosendungen, Nachrichten oder Videos für Rücksitzmonitore.
Intelligente Mehrwertdienste können als Anreize zur weiteren Verbreitung von Elektrofahrzeugen wirken. Daher sollte nach Einschätzung der Bitkom bereits beim Aufbau der Ladeinfrastruktur darauf geachtet werden, dass breitbandige Verbindungstechniken (z. B. Powerline, WLAN und/oder VDSL) integriert werden. So kann ein einfacher Datenaustausch mit den Elektrofahrzeugen während des Ladevorganges stattfinden. Die Bitkom fordert daher ITK-basierte Lade-, Steuerungs- und Abrechnungsinfrastrukturen, durchgängige Datenübertragungssysteme, effiziente Prozesse sowie intelligente Leitwarten sind Enabler der Elektromobilität. [] Elektromobilität erfordert zwingend den flexiblen Austausch von Kundendaten über ein Kommunikationsnetz. Bereits beim Aufbau einer separaten und flächendeckenden Ladeinfrastruktur für die Elektromobilität sollte hierfür bereits ein offenes Breitband-Kommunikationsnetz berücksichtigt werden, um Mehrwertdienste durch Versorger und Drittanbieter zu ermöglichen [Bitkom09].
Sieben deutsche Unternehmen (BMW Group, VW, Bosch, Daimler sowie EnBW, RWE / Innogy und Siemens) haben ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Ziel initiiert, den Aufbau einer flächendeckenden, nutzerfreundlichen Ladeinfrastruktur durch eine übergreifende Vernetzung voranzutreiben und das Angebot ergänzender Dienstleistungen zu ermöglichen. Eine industrieübergreifende, offene Datenplattform für die Vernetzung von Mobilität- und Fahrzeuganbietern im Bereich der Ladeinfrastruktur dient dem Gemeinschaftsunternehmen, das unter dem Namen hubject GmbH firmiert, als Ausgangspunkt. Unterschiedliche Abrechnungssysteme, Ladeprozesse und Serviceleistungen sowie weitere Dienstleistungen rund um die Elektromobilität werden unterstützt und vernetzt. Die Entwicklung von einheitlichen Systemstandards für Daten von Energielieferanten, Fahrzeugherstellern, Ladesäulenbetreibern und Anbietern von Mehrwertdiensten soll unterstützt werden [CARIT12]. Der eigentliche Nutzen der Plattform ist die Bereitstellung einer Backend-Infrastruktur, mittels der die unterschiedlichen Angebote einfach nutzbar zum Endkunden gebracht werden [hubject12].
Im Rahmen des Forschungsprogramms Erneuerbar Mobil. Marktfähige Lösungen für eine klimafreundliche Elektromobilität des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit haben sich die Forschungsprojekte MINI E Berlin powered by Vattenfall V2.0 und Gesteuertes Laden V2.0 unter anderem mit dem Thema Mehrwertdienste von Ladeinfrastruktur beschäftigt. Ziel des erstgenannten Vorhabens war unter anderem die Entwicklung eines geeigneten Mobilitätsassistenten zur Realisierung von Mehrwertdiensten, die eine einfache Nutzung der Wind-to-Vehicle-Lademöglichkeiten (W2V) auch im öffentlichen Raum bieten. Ziel des Vorhabens Gesteuertes Laden V2.0 war es, geeignete Verfahren zu entwickeln, die eine optimale Nutzung von erneuerbaren Energien ermöglichen. Dazu sollte unter anderem ein Lastmanagement realisiert werden, mit welchem das Laden der Elektrofahrzeuge in Abhängigkeit von der Verfügbarkeit von Windenergie verbessert wird. Die TU Chemnitz, Bereich Allgemeine und Arbeitspsychologie beschäftigte sich innerhalb des Projektes mit Erfassung von Nutzeranforderungen an bestimmte Mehrwertdienste und die führte eine entwicklungsbegleitende Evaluierung von den Mehrwertdiensten durch.
Ansprechpartner
Technische Universität Berlin, Fachgebiet Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik (WIP) - Prof. Dr. v. Hirschhausen, Prof. Dr. Beckers
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Öffentliche Ladeinfrastruktur für Elektromobilität (Stand des Wissens: 04.12.2018)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?426949
Literatur
[Bitkom09] Bitkom (Hrsg.) Stellungnahme Kommunikationsdienste für den Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität, Berlin, 2009
[Bosch11] Bosch (Hrsg.) Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge eMobility Solution , 2011
[CARIT12] CARIT (Hrsg.) Datenplattform für die Vernetzung von Ladeinfrastrukturen, 2012
[hubject12] HUBJeCT (Hrsg.) www.hubject.com, 2012
Glossar
WLAN
Als Wireless Local Area Network (WLAN, deutsch: drahtloses lokales Netzwerk) wird ein lokales Funknetz und dessen verschiedene Techniken und Standards bezeichnet.
DSL
Abkürzung für Digital Subscriber Line (digitaler Teilnehmeranschluss)
Unter DSL werden Übertragungsstandards verstanden, die über einfache Kupferleitungen hohe Übertragungsraten (bis zu 1.000 Megabit pro Sekunde) ermöglichen. In Deutschland war dies lange Zeit ein Synonym für einen Breitband-Internetzugang.
xDSL bedeutet die Zusammenfassung verschiedener DSL-Verfahren.
Von VDSL (Very High Speed Digital Subscriber Line) spricht man bei Hybridnetzen aus Glasfaser- und Kupferleitungen, wobei die Glasfaser möglichst nah an den Kunden herangeführt wird, um hohe Datenübertragungsraten zu erreichen.
Elektromobilität
Die Elektrifizierung der Antriebe durch Batterie- und Brennstoffzellentechnologien. Im Kontext des "Nationalen Entwicklungsplans Elektromobilität" wird der Begriff auf den Straßenverkehr begrenzt. Hierbei handelt es sich insbesondere um Personenkraftwagen (Pkw) und leichte Nutzfahrzeuge, ebenso werden aber auch Zweiräder (Elektroroller, Elektrofahrräder) und Leichtfahrzeuge einbezogen.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?399674

Gedruckt am Freitag, 10. Juli 2020 04:41:07