Forschungsinformationssystem des BMVI

zurück Zur Startseite FIS

Begegnungsverkehre / Traileryard-Konzept

Erstellt am: 30.08.2012 | Stand des Wissens: 07.11.2016
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Logistik und Unternehmensführung, Prof. Dr. T. Blecker

Um die Effizienz an der Rampe zu steigern, werden von Unternehmen immer häufiger das Traileryard-Konzept und das sogenannte Trucking eingesetzt [BAG11]. Entstanden ist dieser Lösungsansatz im Automobilsektor. Hier wurde das Konzept schon vor mehreren Jahren eingeführt und hat sich als erfolgreich bewiesen, da die Abfertigung an den Rampen deutlich effizienter gestaltet werden kann und auch Verbesserungen für die Kraftfahrer ermöglicht. Dies hängt primär mit der Prozesszeit bei der Abfertigung, also beim Be- und Entladen, zusammen. Die einzuhaltenden Zeitvorgaben der Transportunternehmen sind hierdurch aus der Sicht des Kraftfahrers besser realisierbar, da insbesondere die gesetzlichen Warte- und Ruhepausen gut planbar und durchführbar sind.

Der traditionelle Begegnungsverkehr ist so definiert, dass zwei Fahrzeuge (auch mehrere Fahrzeuge sind denkbar) die Waren auf räumlich gegenläufigen Touren transportieren, sich auf zum Beispiel der halben Strecke treffen, um die jeweils andere Ladung wieder zu ihrem Startpunkt zurück transportieren. Nur so ist es in vielen Fällen möglich, für die Fahrer eine Ein-Tag-Tour zu planen. Jedoch führt dieses Konzept in vielen Fällen zu notwendigen Umwegen und aufgrund des Ladungsaustausches zu einem erhöhten Zeitbedarf. Um diesen Zeitbedarf zu minimieren, wird in den meisten Fällen der Warenaustausch so geplant, dass nicht die Ware an sich getauscht wird, sondern Fahrzeuge bzw. deren Wechselaufbauten.

Das Traileryard-Konzept und das Trucking sind Spezialformen des Begegnungsverkehrs. Es basiert auf einem Pool von Trailern (Sattelaufliegern), die von einem oder mehreren Unternehmen in diesem Pool nach vereinbarten Regeln ausgetauscht werden. Im Gegensatz zu dem traditionellen Begegnungsverkehr wird bei den beiden Spezialformen die Ware nicht auf der Strecke vom Absender zum Empfänger, sondern auf dem Gelände des Empfängers selbst ausgetauscht. Die Auflieger befinden sich an einem Sammelpunkt, dem sogenannten Traileryard. Der Traileryard ist ein Umschlagsort für Container und Wechselaufbauten. Im Allgemeinen stehen die auszutauschenden Wechselaufbauten bereit, sodass unmittelbar nach dem Abladen der neue Wechselaufbau beladen und die Route fortsetzen werden kann. Das jeweilige Be- und Entladen vor Ort wird beim Traileryard-Konzept durch den Empfänger selbst oder einen von ihm beauftragten Dienstleister durchgeführt [Bals04, S.76]. Der Unterschied zum Trucking besteht darin, dass bei zweiterem dieser Vorgang durch den Versender, der ein Fahrzeug zur Be- und Entladung beim Empfänger stationiert hat, durchgeführt wird. Bei beiden Konzepten sind somit die Lkw-Anlieferungsprozesse von den Lkw-Entladungsprozessen entkoppelt. Die Zulieferung zwischen dem Versender und Empfänger erfolgt in der Regel im Direktverkehr. Nach der Ankunft des Lkws im Werk fährt dieser den vom Wareneingang zugewiesenen freien Trailerplatz an und entkoppelt seinen Sattelauflieger. Anschließend übernimmt der Kraftfahrer mit seinen Lkw beziehungsweise der Zugmaschine einen bereits zur Abholung bereit gestellten Leergutrailer [Klug10, S.339]. Eine notwendige Voraussetzung für die Umsetzung des Traileryard-Konzepts ist die Verfügbarkeit einer ausreichenden Anzahl an freien Stellflächen.

Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Logistik und Unternehmensführung, Prof. Dr. T. Blecker
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Rampenmanagement (Stand des Wissens: 13.03.2021)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?397693
Literatur
[BAG11] Bundesamt für Güterverkehr (BAG) (Hrsg.) Marktbeobachtung Güterverkehr, Sonderbericht zur Situation an der Laderampe, 2011/01
[Bals04] Balsliemke, F. Logistiksysteme zur integrierten Distribution und Redistribution, Ausgabe/Auflage 1. Auflage, Wiesbaden, 2004
[Klug10] Klug, F., Logistikmanagement in der Automobilindustrie, 2010
[VDA08a] o.A. Standardbelieferungsformen der Logistik in der Automobilindustrie (5010), 2008/09
Glossar
Lkw Lastkraftwagen (Lkw) sind Kraftfahrzeuge, die laut Richtlinie 1997/27/EG überwiegend oder sogar ausschließlich für die Beförderung von Gütern und Waren bestimmt sind. Oftmals handelt es sich dabei um Fahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse zwischen 3,5 und 12 Tonnen. In Einzelfällen kann die zulässige Gesamtmasse diese Werte jedoch auch unter- beziehungsweise überschreiten, sofern das Kriterium der Güterbeförderung gegeben ist. Lastkraftwagen können auch einen Anhänger ziehen.
Versender Versender (auch Verlader genannt) sind Unternehmen, die Transportleistungen und verwandte logistische Dienstleistungen für ihre Sendungen nachfragen.
Extensible Markup Language Die Extensible Markup Language (engl. für 'erweiterbare Auszeichnungssprache'), abgekürzt XML, ist eine Auszeichnungssprache zur Darstellung hierarchisch strukturierter Datensätze in Form von Textdaten. XML wird u. a. für den plattform- und implementationsunabhängigen Austausch von Datensätzen zwischen Computersystemen eingesetzt, insbesondere über das Internet.
Begegnungsverkehr Zwei Transportmittel fahren zeitlich abgestimmt aufeinander zu und tauschen ihre Transportobjekte am Treffpunkt möglichst unter Einsatz standardisierter Ladevorrichtungen (z. B. Wechselaufbauten, Container) untereinander aus. Im Unterschied dazu würde das Transportobjekt beim Stafettenverkehr an festen Umschlagpunkten von einem Transportmittel an ein anderes zur Weiterbeförderung übergeben werden. Beide Organisationsprinzipien verfolgen als Ziel eine Erhöhung der Fahrzeugauslastung, Leerfahrtenreduzierung sowie die Optimierung der Fahrzeug- und Fahrereinsatzplanung unter räumlichen und zeitlichen Beschränkungen.
Sattelauflieger Ein motorloses Fahrzeug für den Güterverkehr, das dazu bestimmt ist, so an eine Zugmaschine angekuppelt zu werden, dass ein wesentlicher Teil seines Gewichts und seiner Ladung von diesem Kraftfahrzeug getragen wird. Eine Anpassung der Sattelanhäger für die Verwendung im Kombinierten Verkehr kann erforderlich sein. Der Begriff Sattelanhänger wird im FIS synonym verwendet.
Wechselaufbau Ein für den Gütertransport bestimmter Behälter, der im Hinblick auf die Abmessungen von Straßenfahrzeugen optimiert wurde und mit Greifkanten für den Umschlag zwischen den Verkehrsmitteln - in der Regel Straße-Schiene - ausgestattet ist. Gebräuchlich sind Behälter mit Längen von 7 m (Klasse C) und 13 m (Klasse A).
Trucking Trucking ist die englische Bezeichnung für Lastwagentransport. Der Begriff wird häufig als Synonym für Luftfrachtersatzverkehr verwendet und bezeichnet in diesem Kontext Transporte zwischen Flughäfen mit Luftfrachtbrief, die auf der Straße durchgeführt werden.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?397645

Gedruckt am Freitag, 27. Mai 2022 23:39:48