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Fahrradverleihsystem in Wien

Erstellt am: 15.12.2010 | Stand des Wissens: 16.06.2017
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Die Hauptstadt Österreichs liegt mit 1,7 Millionen Einwohnern aufgrund der Donauebene überwiegend in einem flachen Gebiet. Der Anteil der Radfahrten am Gesamtverkehr liegt derzeit bei 7 Prozent, wobei das erklärte Ziel im Stadtentwicklungsplan 2025 eine Steigerung des Anteils des Fuß-, Rad- und des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) auf 80 Prozent (derzeitig: 73 Prozent) [WSTW16, STEP14a].

Das derzeitige System Citybike Wien ist seit 2003 in Betrieb. Das 2002 gestartete Projekt Viennabike, das Gratisfahrräder anbot, scheiterte aufgrund einer fehlenden Nutzeridentifikation an Vandalismus und Diebstählen [vonS09]. Im jetzigen System Citybike Wien ist die Nutzung nur nach Anmeldung mit einer österreichischen Bankkarte, einer internationalen Kreditkarte, einer Citybike-Card oder mit einer besonderen Citybike Tourist Card möglich. Um ein Fahrrad an einer der Stationen zu entleihen, muss ein persönliches Passwort und die Nummer des gewählten Fahrrades eingegeben werden. Auch gibt es zudem nützliche von öffentlichen und privaten Anbietern entwickelte Smartphone-Apps zum Wiener Fahrradverleihsystem [Obis11, S. 57]. Die Rückgabe erfolgt durch Abstellen an einer Station [OBIS09]. Zwischen mehreren Ausleihvorgängen müssen nach Abgabe an der Station mindestens 15 Minuten liegen. Auf diese Weise sollen stundenlange Gratisfahrten mit mehreren Ausleihvorgängen unterbunden werden.
Finanziert wird das System durch einen Werbevertrag zwischen der Stadt Wien und dem Unternehmen Gewista [OBIS09]. Tabelle 1 zeigt die Tarifübersicht für die Fahrradnutzung.

Tarifuebersicht.png

Tabelle 1: Tarifübersicht für Fahrradnutzung [Gewista10]

Es existieren derzeit 1.500 Fahrräder und 121 Stationen [Gewista15]. Der durchschnittliche Besetzungsgrad liegt bei 16,6 Fahrrädern pro Station. [Interde10] Es werden 2 Fahrräder pro Quadratkilometer bzw. 0,59 Fahrräder pro 1.000 Einwohner angeboten (Stand 12/2008). Das System ist 24 Stunden im ganzen Jahr verfügbar und die maximale Nutzungszeit beträgt 120 Stunden [vonS09]. Das Mindestalter für die Nutzung beträgt 12 Jahre [Monh09]. Die Entwicklung der Nutzerzahlen von 2004 bis 2015 ist in Tabelle 2 dargestellt.


Nutzerzahlen Wien.pngTabelle 2: Entwicklung der Nutzerzahlen von 2004-2015 [vonS09, Gewista15]


Das System soll eine sinnvolle Ergänzung für den ÖPNV bilden und für Kurzstrecken bis zu 3 Kilometer nutzbar sein. Daher wurden die Stationen in Fußgängerbereichen und in der Nähe zu U-Bahn, Straßenbahn - und Busstationen angelegt [Höller08]. 98 Prozent aller Fahrten enden innerhalb einer Stunde und sind somit kostenlos für den Nutzer. Die Fahrräder werden durchschnittlich 22 Minuten genutzt, wobei 10 Minuten die häufigste Nutzungsdauer ist [vonS09].

In einer Umfrage gaben 71 Prozent der Nutzer an, Citybike Wien öfter oder gelegentlich zu nutzen, wobei es sich hauptsächlich um Freizeitverkehr handelt. Es fällt auf, dass als Wegezweck nur selten Arbeit oder Ausbildung angegeben werden. Durch weitere Stationen könnten gegebenenfalls Fahrten in diesem Bereich gesteigert werden [Interde10].
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Öffentliche Fahrradverleihsysteme (Stand des Wissens: 14.02.2017)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?336909
Literatur
[Gewista10] Gewista Werbegesellschaft m.b.H. Citybike Wien, 2010
[Gewista15] Jahresbilanz (Jahre 2012-2015), 2016/02/02
[Höller08] Christian Höller Einfach Radfahren - Perfekt für Kurzstrecken - Citybike Wien, veröffentlicht in fairkehr, Ausgabe/Auflage fairkehr 5/2008, 2008/05
[Interde10] TU Dresden, Lehrstuhl Verkehrs- und Infrastrukturplanung, Prof. Dr.-Ing. G.-A. Ahrens, Ahrens, Gerd-Axel, Aurich, Tanja, Böhmer, Thomas, Klotzsch, Jeannette, Pitrone, Anne Interdependenzen zwischen Fahrrad- und ÖPNV-Nutzung. Analysen, Strategien und Maßnahmen einer integrierten Förderung in Städten, 2010
[Monh09] Heiner Monheim, Christian Muschwitz, Wigand von Sassen, Markus Streng Intelligent mobil - aktuelle Trends bei Fahrradverleihsystemen, veröffentlicht in Verkehrszeichen, Ausgabe/Auflage Nr.2, 2009
[OBIS09] Alberto Castro Fernández, Günter Emberger. Bike sharing in ten European countries report. Module 1: Austria., 2009/12/17
[Obis11] Janett Büttner, Hendrik Mlasowsky, Tim Birkholz, et. al. Optimising Bike Sharing in European Cities. Ein Handbuch., 2011/06
[STEP14a] STEP - Stadtentwicklungsplan 2025, 2014/06/25
[vonS09] Wigand von Sassen Öffentliche Fahrradverleihsysteme im Vergleich - Analyse, Bewertung und Entwicklungsperspektiven, 2009/01
[WSTW16] Wiener Stadtwerke Wie die Wiener Stadtwerke wirken, 2016
Glossar
ÖPNV Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV): Nach § 2 des Regionalisierungsgesetzes (RegG) wird ÖPNV definiert als die "allgemein zugängliche Beförderung von Personen mit Verkehrsmitteln im Linienverkehr, die überwiegend dazu bestimmt sind, die Verkehrsnachfrage im Stadt-, Vorort- oder Regionalverkehr zu befriedigen." Das ist im Zweifel der Fall, wenn eine Mehrzahl der Beförderungsfälle eines Verkehrsmittels die gesamte Reiseweite von 50 Kilometer oder die gesamte Reisezeit von einer Stunde nicht übersteigt. Vor dem Hintergrund der verkehrspolitisch geförderten "Multimodalität" wird der ÖPNV zunehmend breiter definiert, indem auch "alternative Bedienformen", Taxen bis hin zu öffentlichen Fahrrädern und öffentlichen Autos als Teil eines neuen individualisierten ÖPNV gesehen werden.
Besetzungsgrad Unter Besetzungsgrad wird die Auslastung von Verkehrsmitteln verstanden. Im Öffentlichen Personennahverkehr entspricht das Platzangebot dabei i. d. R. der Summe aus den Sitzplätzen und 4 Plätzen je m² Stehfläche. Der Besetzungsgrad wird hierbei in % angegeben. Er liegt im Durchschnitt bei rd. 20 % und erreicht in der Spitze Werte zwischen 80 und 100 %. Vor allem bei besonderen Veranstaltungen kann der Besetzungsgrad im ÖPNV auch über 100 % betragen. In Analogie hierzu wird auch im Individualverkehr oft dieser Begriff verwendet; damit sind jedoch häufig die Anzahl der (durchschnittlich) im Auto befindlichen Personen gemeint (z. B. 1,2 Personen) und nicht die Platzauslastung. Zum Teil wird daher auch der Begriff "Besetzungszahl" verwendet. Der Quotient aus der Summe der Personenfahrten im Pkw und der Anzahl der Pkw-Fahrten wird auch als "ungewichteter Besetzungsgrad" bezeichnet. Daneben gibt es den seltener verwendeten "gewichteten Besetzungsgrad", der die Fahrtlängen berücksichtigt. Da mit zunehmender Fahrtlänge die Besetzung höher ist, liegt der gewichtete Besetzungsgrad um ca. 0,1 höher als der ungewichtete.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?336890

Gedruckt am Freitag, 19. Juli 2019 23:21:18