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Güterverkehrszentren als logistische Schnittstellen im intermodalen Verkehr

Erstellt am: 30.03.2010 | Stand des Wissens: 04.06.2018
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg-Harburg, Institut für Logistik und Unternehmensführung, Prof. Dr. Dr. h.c. W. Kersten

Ein Güterverkehrszentrum ist ein Baugebiet, in dem sich verkehrswirtschaftliche Betriebe, lLogistikdienstleister, ergänzende Serviceeinrichtungen sowie logistikintensive Industrie- und Handelsunternehmen als selbstständige Betriebe ansiedeln. Dabei besteht eine Anbindung an mindestens zwei Verkehrsträger, durch deren Verknüpfung eine verkehrsmittelübergreifende Optimierung der Transportprozesse ermöglicht wird [NeNo15; BMVBW01e].

Die Aufgaben eines GVZ sind im Wesentlichen:
  • die Funktion als Bindeglied zwischen City-, Nah-, und Fernverkehr,
  • die Steigerung des Transportanteils von Schiene und Binnenschiff im Fernverkehr,
  • die diskriminierungsfreie Gewährung des Zugangs zu Umschlaganlagen des Kombinierten Verkehrs,
  • die Begrenzung der durch den Güterverkehr beanspruchten beziehungsweise genutzten Fläche durch die gemeinschaftliche Nutzung von GVZ-Anlagen, Einrichtungen und logistischem Equipment sowie die Ausschöpfung von operativen Synergiepotenzialen innerhalb des GVZ durch die Einrichtung geeigneter Organisationsformen wie zum Beispiel Entwicklungsgesellschaften,
  • die Reduzierung des Verkehrsaufkommens im straßengebundenen Güternahverkehr durch Kooperation von im GVZ angesiedelten Speditionen bei der Warenauslieferung in Ballungsräumen wie etwa bei City-Logistik-Projekten,
  • die Schaffung möglichst optimaler Rahmenbedingungen für die im GVZ angesiedelten Unternehmen, um deren Engagement bei neuen logistischen Konzepten und Aufgabenstellungen zu unterstützen.
Durch die Umsetzung dieser Aufgaben tragen die Güterverkehrszentren zur Steigerung der Attraktivität des Kombinierten Verkehrs bei. Die Deutsche GVZ Gesellschaft mbH hat in einer im Jahr 2015 veröffentlichten Studie unter Einbeziehung verschiedener Kenngrößen die zwanzig besten und wichtigsten europäischen Güterverkehrszentren ermittelt. Von den 34 deutschen GVZ gehören demnach sechs zu diesen Top 20 [NeNo15].
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg-Harburg, Institut für Logistik und Unternehmensführung, Prof. Dr. Dr. h.c. W. Kersten
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Terminals des Kombinierten Verkehrs (Stand des Wissens: 11.10.2018)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?321723
Literatur
[BMVBW01e] o. A. Bund-/Länder-Grundsätze zu Güterverkehrszentren (GVZ), 2001/06
[NeNo15] Thomas Nobel, Steffen Nestler Europäisches GVZ-Ranking 2015, Bremen, 2015/11/01
Weiterführende Literatur
[Fors04] Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen e.V., Div. Hinweise für die Entwicklung von Güterverkehrszentren (GVZ), FGSV Verlag GmbH Wesselinger Str. 17 50999 Köln, 2004
[DGVZ10] k. A. Internetauftritt der Deutschen GVZ-Gesellschaft mbH, 2010
Glossar
Güterverkehrszentrum Ein Güterverkehrszentrum (GVZ) ist ein logistischer Knoten, an dem ein Übergang zwischen mindestens zwei Verkehrsträgern, i. d. R. jedoch drei Verkehrsträgern, möglich ist und weitere logistische Funktionen, wie bspw. die Lagerung, angeboten werden.
City Der in der Stadtforschung und im allgemeinen Sprachgebrauch für die Kennzeichnung des Stadtzentrums meist größerer Städte verwendete Begriff City ist nicht eindeutig, da er im Englischen eine völlig andere Bedeutung hat. Im englischen Sprachgebrauch kann der Begriff City für drei verschiedene Varianten stehen:
  1. allgemein für eine Großstadt,
  2. für eine historische Stadt mit Bischofssitz und Kathedrale,
  3. für eine Stadt mit königlicher Urkunde und zeremoniellen Privilegien.
Der deutsch Begriff der City leitet sich aus der frühen Konzentration von Bürofunktionen in der historischen City of London ab, da sich dort bereits im 18. Jahrhundert mit dem aufkommenden und rasch entfaltenden Banken- und Versicherungswesen der neue Typ des Bürohauses herausbildete, der den Prozess der Citybildung enorm beschleunigte. In erster Linie ist City ein Funktionsbegriff. Die City ist der zentralst gelegene Teilraum einer größeren Stadt mit einer räumlichen Konzentration hochrangiger zentraler Funktionen des tertiären und quartären Sektors.
Kombinierter Verkehr
Intermodaler Verkehr, bei dem der überwiegende Teil der in Europa zurückgelegten Strecke mit der Eisenbahn, dem Binnen- oder Seeschiff bewältigt und der Vor- und Nachlauf auf der Straße so kurz wie möglich gehalten wird.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?306403

Gedruckt am Mittwoch, 22. Mai 2019 08:41:05