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Gutachterentwürfe zum Deutschland-Takt

Erstellt am: 29.07.2021 | Stand des Wissens: 29.07.2021
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Institut für Volkswirtschaftslehre (ECON), Prof. Dr. Kay Mitusch

Auf die im Jahr 2015 veröffentlichte Machbarkeitsstudie zur Umsetzung eines Deutschland-Takts im Schienenverkehr folgte 2018 der erste Entwurf eines Deutschland-Takt-Gutachtens, in dem die Vorschläge der Machbarkeitsstudie konkretisiert und vervollständigt wurden. Als Ergebnis des Gutachtens entstanden die Zielfahrpläne 2030, die ein umfassendes Konzept für Nah-, Fern- und Güterverkehr darstellen. Die im Gutachten entwickelten Fahrpläne dienen als Grundlage für die im Bundesverkehrswegeplan 2030 aufgeführten Maßnahmen für den Ausbau der Schieneninfrastruktur. Zusätzlich zu den zuvor im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans 2030 befindlichen Maßnahmen wurden im Rahmen des Gutachtens zahlreiche weitere Infrastrukturmaßnahmen abgeleitet. Hierzu gehören etwa zusätzliche Bahnsteigkanten, zweigleisige Abschnitte, Streckenbeschleunigungen und Streckenausbauten auf drei oder vier Gleise. [BMVI18ad, S.21]
Die Zielfahrpläne des ersten Gutachterentwurfs führen auf verschiedenen Strecken zu deutlichen Reisezeitverkürzungen:
reisezeitverkuerzungen.pngAbb. 1: Reisezeitverkürzungen in den Zielfahrplänen des ersten Gutachterentwurfs [BMVI18ad, S.13f] (Grafik zum Vergrößern bitte anklicken)
Im Mai 2019 erschien der zweite Gutachterentwurf zum Deutschland-Takt. Dieser erweiterte den ersten Entwurf um folgende zentrale Punkte [BMVI19aw]:
  • Einarbeitung ausreichend bemessener Güterverkehrstrassen
  • Einbau zusätzlicher Flexibilitätstrassen
  • Weitere Reisezeitverkürzungen auf Hauptmagistralen
  • Konkretisierung des Rollmaterialeinsatzes
  • Integration zahlreicher Rückmeldungen zum ersten Gutachterentwurf
Im Juni 2020 folgte der dritte Gutachterentwurf zum Deutschland-Takt. In diesem wurden auf Grundlage von Rückmeldungen von Eisenbahnverkehrsunternehmen und von Bundesländern zum zweiten Gutachterentwurf sowie der Ergebnisse einer dort erwähnten Grobbewertung des 2. Entwurfs zur Optimierung der Wirtschaftlichkeit des Angebotskonzepts Deutschlandtakt die zentralen Punkte des zweiten Entwurfs konkretisiert und optimiert. Darüber hinaus enthält der dritte Gutachterentwurf als Folge von Abstimmungen mit den Nachbarstaaten zusätzliche nationale und internationationale Fernverkehrstrassen. Zu den Angebotsausweitungen des dritten Gutachterentwurfs gehören: [BMVI20z, S.12f]
  • Stündliche Verbindung Amsterdam Hannover Berlin
  • Stündliche Verbindung Amsterdam Köln
  • Direktverbindung Paris Berlin
  • Neue Linie Münschen Simbach Wien
  • Neuer Sprinter NRW Hamburg
  • Verlängerung der Linie München Hamburg nach Kiel
  • Neue Linie Amsterdam Köln Stuttgart
  • Neue Linie Berlin Frankfurt Freiburg
Darüber hinaus führen zusätzliche Infrastrukturausbaumaßnahmen im dritten Gutachterentwurf zu Fahrzeitkürzungen auf einigen Relationen (z.B. Frankfurt Stuttgart München, Hamburg Hannover und Berlin Stralsund).
Ansprechpartner
Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Institut für Volkswirtschaftslehre (ECON), Prof. Dr. Kay Mitusch
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Potenziale und Herausforderungen des Deutschland-Takts im Schienenpersonenfernverkehr (Stand des Wissens: 29.07.2021)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?538968
Literatur
[BMVI18ad] Bundesministerium für Digitales und Verkehr (Hrsg.) Zielfahrplan Deutschland-Takt: Vorstellung des ersten Gutachterentwurfs im Rahmen des Zukunftsbündnisses Schiene, 2018/10/09
[BMVI19aw] Bundesministerium für Digitales und Verkehr (Hrsg.) Zielfahrplan Deutschland-Takt: Informationen zum zweiten Gutachterentwurf, 2019/05/07
[BMVI20z] Bundesministerium für Digitales und Verkehr (Hrsg.) Zielfahrplan Deutschland-Takt: Informationen zum dritten Gutachterentwurf, 2020/06/30
Glossar
Deutschland-Takt Der Deutschland-Takt ist ein Ansatz zur netzweiten Optimierung des Schienenpersonenverkehrs in Deutschland. Den Kernpunkt bildet hierbei die Einführung eines Integralen Taktfahrplans (ITF), die notwendigerweise mit koordinierten Infrastrukturverbesserungen verbunden ist. Das Ziel soll eine Steigerung der Fahrgastzahlen durch ein attraktiveres, vertaktetes und gut verknüpftes Verkehrsangebot sowohl im Schienenpersonenfernverkehr als auch Schienenpersonennahverkehr sein.
Bundesverkehrswegeplan
Als Instrument einer mittel- bis langfristigen Investitionsrahmenplanung für den Erhalt und Ersatz bundeseigener Verkehrsinfrastruktur erfasst der Bundesverkehrswegeplan (BVWP) das zwecks zielgerichteter Ausgestaltung sowie Erweiterung von Bundesfernstraßen, Bundeswasserstraßen und Schienenwegen des Bundes erforderliche Finanzierungsvolumen. Auf Basis verkehrsträgerübergreifender Prognosen findet in diesem Zusammenhang eine Priorisierung vorgesehener Neu- und Ausbauprojekte gemäß ihrer gesamtwirtschaftlichen Bewertung sowie ökologischer und raumordnerischer Einschätzungen statt. Grundsätzlich wird infolgedessen zwischen "vordinglichem Bedarf" (VB) und "weiterem Bedarf" (WB) unterschieden.

Der BVWP tritt auf Beschluss des Bundeskabinetts in Kraft und umfasst jeweils einen Zeithorizont von circa zehn bis 15 Jahren. Seit 1973 sind bereits sechs konsekutive Verkehrswegepläne verabschiedet worden. Der letzten, dem Jahr 2016 entstammenden Fortschreibung liegt ein Planungszeitraum bis 2030 und ein Investitionsvolumen in Höhe von 269,6 Milliarden Euro zugrunde, siehe auch gesonderte Wissenslandkarte "Bundesverkehrswegeplanung" hier im Forschungsinformationssystem.
Eisenbahnverkehrsunternehmen Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) sind öffentliche Einrichtungen oder privatrechtlich organisierte Unternehmen, die Eisenbahnverkehrsleistungen erbringen. "Eisenbahnverkehrsunternehmen" stellt einen europarechtlichen Begriff dar, welcher durch nationales Recht in Form von § 2 (1) des Allgemeinen Eisenbahngesetzes (AEG) konkretisiert wird.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?538827

Gedruckt am Dienstag, 16. Juli 2024 03:09:00