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Verlagerungspotenziale im Kombinierten Verkehr

Erstellt am: 30.03.2010 | Stand des Wissens: 18.03.2022
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Logistik und Unternehmensführung, Prof. Dr. Dr. h.c. W. Kersten

Die Verlagerung der Gütertransporte vom Lkw auf die Bahn beziehungsweise das (Binnen-) Schiff hängen vor allem von der Attraktivität dieser Alternativen gegenüber dem Straßenverkehr und damit im Wesentlichen von den entstehenden Transportkosten und zunehmend auch der ökologischen Bilanz eines Transportes ab. Die wichtigsten Einflussfaktoren dafür sind:
  • die Transportzeit und -entfernung,
  • die erforderliche Transportqualität, vor allem in Bezug auf Zuverlässigkeit und Sicherheit,
  • das Transportaufkommen, sowohl im Volumen als auch in Tonnage sowie
  • Kapazitätsrestriktionen / Auslastung der Infrastruktur.
In den letzten Jahren wurden verschiedene Studien zu Verlagerungspotenzialen durchgeführt. Dabei wurden sowohl spezifische Transporte als auch der gesamte deutsche Transportmarkt untersucht. Die Studien betrachten zumeist die Verlagerung vom Lkw auf die Bahn. Grundlage für die Bewertung der Wirtschaftlichkeit eines Transports ist dazu oft die Entfernung. Bei der ausschließlichen Betrachtung interner Kosten wird von einer für den Kombinierten Verkehr affinen Transportweite von etwa 300 Kilometern (Expertenaussage nach [destatis09, S. 594]) über 450 Kilometer (eigene Berechnung nach [Vren05]) bis hin zu 700 Kilometern ausgegangen. Der für Deutschland gebräuchlichste Wert beträgt 300 Kilometer [destatis09, S. 594]. Eine weitere Herangehensweise zur Berechnung von Verlagerungspotenzialen ist die Untersuchung der Güterströme nach ihrer Art. Verlagerungspotenziale bestehen grundsätzlich bei allen Gütern - sowohl Containern und Wechselbehältern, palettierten oder gebündelten Gütern als auch bei Massengütern. Zu den primären KV-affinen Gütern zählen demnach [KiSc08; BAV06a]
  • Forsterzeugnisse, beispielsweise in Form von Langgut, Rollen,
  • im Bergbau gewonnene Ressourcen,
  • Metallerzeugnisse,
  • Erzeugnisse der Chemieindustrie und
  • Erzeugnisse aus Teilbereiche der Automobilindustrie.
Die Untersuchung der zukünftigen Entwicklung innerhalb dieser zur Verlagerung geeigneten Güter kann, im Zusammenhang mit der Betrachtung der zu erwartenden Transportentfernung, Aufschluss über ein mögliches Verlagerungspotenzial geben. So sind nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 2015 8 Prozent der straßengebundenen Containertransporte über eine Mindestentfernung von 300 Kilometern transportiert worden, was einem Verlagerungspotenzial von 1,4 Millionen TEU gleichkäme. Es ist allerdings zu berücksichtigen, dass dabei Güter, die nicht in Containern transportiert wurden, prinzipiell nicht erfasst sind, auch wenn ein Verlagerungspotenzial besteht [Destatis18]. Eine Studie der TransCare, deren Untersuchungsgegenstand der gesamte Güterverkehr in Deutschland war, kam 2006 zu dem Ergebnis, dass etwa 4,1 Prozent der Verkehre (58,5 Mio. Tonnen im Jahr 2006) verlagert werden könnten [BaJa06, S.24]. Bei der ausschließlichen Betrachtung externer Effekte wie Lärm, Unfallkosten, Stauauswirkungen und Emissionen werden geringere Transportweiten und generell ein erhöhtes Potenzial für die Verlagerung von Lkw-Verkehren ermittelt [PLANCO07a]. Ziel der Bundesregierung ist es, durch eine Steigerung und Verlagerung auf den Schienengüterverkehr den Endenergieverbrauch bis 2050 um 40 Prozent bezogen auf das Jahr 2005 zu senken [BMVI16s].
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Technische Universität Hamburg, Institut für Logistik und Unternehmensführung, Prof. Dr. Dr. h.c. W. Kersten
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Verlagerungspotenziale im Kombinierten Verkehr (Stand des Wissens: 18.03.2022)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?321702
Literatur
[BaJa06] TransCare GmbH, Barckhausen, Undine, Jahncke, Ralf, Zima, Katrin Einfluss der Lkw-Maut auf den Modal-Split zwischen Schiene und Straße, 2006/03
[BAV06a] o. A. Evaluation Bestellverfahren im kombinierten Verkehr - Schlussbericht, 2006/10
[BMVI16s] Winkler, C., Kröger, L., Nordenholz, F., Lobig, A. Verkehrsverlagerungspotenzial auf den Schienenverkehr in Deutschland unter Beachtung infrastruktureller Restriktionen, 2016/12/01
[destatis09] o. A. Kombinierter Verkehr 2007, 2009/05/26
[Destatis18] Statistisches Bundesamt (Hrsg.) Kombinierter Verkehr 2015, 2018/02/13
[KiSc08] Kille, Christian, Schmidt, Norbert Wirtschaftliche Rahmenbedingungen des Güterverkehrs - Studie zum Vergleich der Verkehrsträger im Rahmen der Logistikprozesse in Deutschland, Nürnberg, 2008/05
[PLANCO07a] Bundesanstalt für Gewässerkunde, PLANCO Consulting GmbH Verkehrswirtschaftlicher und ökologischer Vergleich der Verkehrsträger Schiff, Straße, Schiene, o.O., 2007/11
[Vren05] Vrenken, H., Macharis, C., Wolters, P. Intermodal Transport in Europe, Brussels, 2005, ISBN/ISSN 9090199136
Glossar
Twenty-foot equivalent unit Zwanzig-Fuß-Äquivalente-Einheit (Twenty-foot Equivalent Unit). Eine statistische Hilfsgröße auf der Basis eines 20-Fuß-ISO-Containers (6,10 m Länge) zur Beschreibung von Verkehrsströmen oder -kapazitäten. Ein genormter 40'-ISO-Container der Reihe 1 entspricht 2 TEUs.
Schienengüterverkehr
Unter Schienengüterverkehr (SGV) wird der Transport von Gütern mit der Eisenbahn verstanden. Diese werden in Güterzügen unter Verwendung (spezieller) Güterwagen befördert. Diese Verkehre können entweder auf gesonderten Güterverkehrsstrecken oder im Mischverkehr, auf gemeinsam durch den Güter- und Personenverkehr genutzten Strecken, realisiert werden. Leistungen des Schienengüterverkehrs werden häufig als Teil einer Logistikkette in logistische Gesamtkonzepte eingebunden.
Lkw Lastkraftwagen (Lkw) sind Kraftfahrzeuge, die laut Richtlinie 1997/27/EG überwiegend oder sogar ausschließlich für die Beförderung von Gütern und Waren bestimmt sind. Oftmals handelt es sich dabei um Fahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse zwischen 3,5 und 12 Tonnen. In Einzelfällen kann die zulässige Gesamtmasse diese Werte jedoch auch unter- beziehungsweise überschreiten, sofern das Kriterium der Güterbeförderung gegeben ist. Lastkraftwagen können auch einen Anhänger ziehen.
Kombinierter Verkehr
Intermodaler Verkehr, bei dem der überwiegende Teil der in Europa zurückgelegten Strecke mit der Eisenbahn, dem Binnen- oder Seeschiff bewältigt und der Vor- und Nachlauf auf der Straße so kurz wie möglich gehalten wird.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?306361

Gedruckt am Montag, 4. Juli 2022 14:22:15