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Maßnahmen von City-Logistik-Projekten

Erstellt am: 16.03.2010 | Stand des Wissens: 06.12.2018
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik, Prof. Dr.-Ing. H. Flämig

Die City-Logistik wurde als Instrument zur Bündelung von Warenströmen entwickelt. In ihrer ursprünglichen Form wurde sie als reine Kooperation von Stückgutspediteuren verstanden. Heutige City-Logistik-Konzepte zeichnen sich durch einen breiteren Problemfokus und Maßnahmenkatalog sowie eine größere Akteursbasis aus.

Der erweiterte Handlungsrahmen erfordert die Einrichtung moderner Belieferungskonzepte wie Bestell- und Heimlieferdienste für Gewerbe- und Endkunden, einen Erledigungsservice für zeit- und mobilitätsbeschränkte Kunden oder Depotdienstleistungen mit von Ladenöffnungszeiten unabhängigen Warenübergabeboxen (Pick-Points). Dazu bedarf es der aktiven Beteiligung des städtischen Einzelhandels, der in der Vergangenheit City-Logistik-Projekten eher passiv bis ablehnend gegenüberstand. Bisher haben nur wenige Händler realisiert, dass sich durch City-Logistik die Chance bietet, dem allgemeinen Trend der Errichtung großer Verbrauchermärkte auf der "grünen Wiese" und der damit einhergehenden Abwanderung ihrer Kunden durch ein optimiertes innerstädtisches Waren- und Dienstleistungsangebot entgegenzuwirken.

Die Transportdienstleister als Hauptakteure der City-Logistik-Projekte bieten dem innerstädtischen Handel darüber hinaus:
  • eine Entsorgungslogistik zum gebündelten Abtransport von Wertstoffen und Verpackungsmaterial,
  • die Einrichtung von Kommissionierungslagern und -services, das heißt die Bereitstellung kurzfristig anmietbarer Lagerflächen und logistischer Betriebsmittel sowie Dienste für Gewerbekunden und standortsuchende Unternehmen,
  • den Aufbau einer Branchenlogistik für bestimmte Sektoren wie Gesundheit, Banken, Finanzdienstleister und Behörden.
Neben den Konzepten und Lösungen für den innerstädtischen Einzelhandel müssen, aufgrund der steigenden Beliebtheit des Online-Shoppings und den damit verbundenen Lieferungen an Privathaushalte auch neue Belieferungskonzepte für Kurier-, Express- und Paket-Dienstleister (KEP) erarbeitet werden. Die größten Herausforderungen dabei sind die vielen verschiedenen Anforderungen, die die Transportdienstleister in den Metropolräumen erfüllen müssen. Zum einen müssen die individuellen Bedürfnisse der Anwohner, beispielsweise eine Lieferung am Abend, und zum anderen der Druck wirtschaftlich zu arbeiten, unter einen Hut gebracht werden. Um diesen völlig unterschiedlichen Anforderungen gerecht zu werden, bedarf es einer Entwicklung ganzheitlicher Lösungsansätze [BVL17a]:
  • City-Hubs: viele kleinteilige Lieferungen im Business-to-Customer-Bereich (B2C) der KEP-Dienstleister werden in mobilen Distributionszentren in zentraler Lage gebündelt und auf der Letzten Meile nachhaltig, mit einem Lastenfahrrad oder zu Fuß, ausgeliefert. Das reduziert die vielen Fahrten und Stopps der KEP-Dienstleister und gleichzeitig auch die CO2-Emmisionen im Innenstadtbereich.
  • Lieferung an den Arbeitsplatz: hierbei handelt es sich um das professionelle Handling von privaten Paketen am Arbeitsplatz. Sogenannte Packschränke werden im Unternehmen platziert und ermöglichen den Zustellern eine Bündelung von B2C und Business-to-Business Lieferungen. Dadurch werden die vielen verschiedenen Wege zu Privatadressen, Packstationen oder Paketshops reduziert und Kunden sowie Zusteller profitieren von dieser Zeitersparnis.

Häufig werden diese City-Logistik-Projekte mit technischen Maßnahmen wie dem Einsatz von lärm- und schadstoffarmen Fahrzeugen [FlHe03] oder Verkehrstelematiklösungen verknüpft [Wolp13].
Weitere Maßnahmen beinhalten eine verbesserte Flächennutzung durch das Einführen von Ladebuchten oder Auf- und Abladestationen zur innerstädtischen Feinverteilung von Gütern und durch die Berücksichtigung von Wirtschaftsverkehren bei der Parkplatzplanung [Wolp13]. Zugangsbeschränkungen zu verkehrssensiblen Innenstadtbereichen durch das Einführen von Lieferzeitfenstern, Innenstadtmautsystemen oder Einfahrtverbote für Fahrzeuge bestimmter Gewichts- oder Emissionsklassen stellen zusätzliche Maßnahmen dar [Wolp13]. Da die Mehrzahl der angesprochenen Erweiterungsmaßnahmen eine räumliche Ausweitung auf ein ganzes Stadtgebiet beziehungsweise einen Ballungsraum bedeuten, sollten die entsprechenden Planungen in Zusammenarbeit mit den kommunalen Entscheidungsträgern erfolgen, um auf diese Weise auch Sonderregelungen für den City-Logistik-Verkehr (Erweiterung der Lieferzeitfenster, Mitbenutzung von Busspuren) zu erwirken.

Weiterhin werden auch klassische Ansätze der City-Logistik verfolgt. Hierunter fallen insbesondere [Stei05]:
  1. Modell "Güterverkehrszentrum": Räumliche Zusammenführung von rechtlich selbstständigen Verkehrs-, Logistik- und Dienstleistungsunternehmen mit dem Ziel, ein logistisches Gesamtangebot anzubieten.
  2. Modell "Abholtour" zur Optimierung des Verteilverkehrs: Bei den Kooperationspartnern werden die innerstädtisch bestimmten Waren zusammengestellt. Ein beteiligter oder unabhängiger Spediteur holt die Waren ab und liefert sie aus.
  3. Modell "City-Terminal": Transportunternehmen übergeben ihr tägliches Transportaufkommen einem unabhängigen Spediteur, der die Sendungen einsammelt. In einem citynahen Terminal erfolgt eine Sendungsverdichtung durch Sortierung und Bündelung.
Zusätzlich zu den klassischen Ansätzen der City-Logistik werden heutzutage weitere, zukunftsweisende Projekte entwickelt und erprobt. Dazu zählen unter anderem innovative und alternative Belieferungsmethoden für die Letzte Meile wie zum Beispiel:
  • (Elektro-)Lastenfahrräder
  • Elektrofahrzeuge und Flüssiggas-Lastwagen
  • Paket-Drohnen und Paket-Roboter
Mit diesen neuartigen Transportmitteln lassen sich kleinteilige Sendungen vom Paketdepot schadstoffärmer und effizienter zum Empfänger transportieren.
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik, Prof. Dr.-Ing. H. Flämig
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
City-Logistik (Stand des Wissens: 16.01.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?452707
Literatur
[BVL17a] Bundesvereinigung Logistik Zukunftsfähige City-Logistik: Herausforderungen und Maßnahmen, 2017/04/05
[FlHe03] Flämig, Heike, Hertel, Christof Integrierter Wirtschaftsverkehr in Ballungsräumen - Stand in Theorie und Praxis, Hamburg, 2003
[Stei05] Steierwald, G, et al. Stadtverkehrsplanung - Grundlagen, Methoden, Ziele, Ausgabe/Auflage 2, Springer-Verlag, Berlin 2005, 2005
[Wolp13] Stefan Wolpert City-Logistik: Bestandsaufnahme relevanter Projekte des nachhaltigen Wirtschaftsverkehrs in Zentraleuropa, Fraunhofer Verlag, 2013, ISBN/ISSN 978-3-8396-0524-0
Glossar
Letzte Meile
Im Bereich der Telekommunikation bezeichnet die "letzte Meile", auch Teilnehmeranschlussleitung genannt, die Netzstrecke zwischen dem lokalen Verteilerkasten des entsprechenden Kommunikations-Unternehmens und dem Hausanschluss des Endkunden.
In der Logistik steht der Begriff für die Belieferung des Endkunden im Liefer- und Abholverkehr, also dem letzten notwendigen Transportvorgang.
KEP Kurier, Express, Paket - Bereich in der Transportwirtschaft, der als ein Teilmarkt in der Logistik angesehen wird. Anbieter von Kurier-, Express- und Paketdiensten (KEP) transportieren vornehmlich Sendungen mit relativ geringem Gewicht (von ca. 2 kg bis ca. 31 kg) und Volumen, wie z.B. Dokumente, Päckchen und Kleinstückgüter. Große KEP Anbieter wenden sich auch vermehrt den Märkten der Kontraktlogistik und Fulfillment Dienstleistungen zu.
Güterverkehrszentrum Ein Güterverkehrszentrum (GVZ) ist ein logistischer Knoten, an dem ein Übergang zwischen mindestens zwei Verkehrsträgern, i. d. R. jedoch drei Verkehrsträgern, möglich ist und weitere logistische Funktionen, wie bspw. die Lagerung, angeboten werden.
LPG = Liquified Petroleum Gas. Flüssiggas (Propan, Butan und deren Gemische) ist ein Kohlenwasserstoff, der unter relativ geringem Druck verflüssigt und dann nur etwa 1/260 seines gasförmigen Volumens einnimmt.
CO2
Kohlenstoffdioxid. Ein Gas, welches zu ca 0,4% in der Erdatmosphäre vorkommt, bildet den Grundstock für pflanzliches Leben und pflanzliche Biomasse. Es entsteht z.B. bei der Verbrennung (Oxidation) von Kohlenstoff mit Sauerstoff. Durch seine Wirkung als Treibhausgas und der massiven Freisetzung bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe ist es mit hoher Wahrscheinlichkeit der wichtigste Auslöser des Klimawandels.
Hub Der Begriff Hub kommt vom englischen Begriff "Hub and Spoke", was im Deutschen "Nabe und Speiche" entspricht. Der Hub dient als Sammel- und Knotenpunkt für Hauptverkehrswegen für den Umschlag und die Zusammenfassung von Warenströmen in alle Richtungen, d.h. zur Warenübergabe an regionale Verteiler. Im Postwesen handelt es sich bei Hubs häufig um Paketzentren. Die Transportmittel zur weiteren Beförderung der Sendungen variieren (Schiffe, Flugzeuge, Lkw).
B2C Business-to-Consumer, das heißt der Handel zwischen Unternehmen und Endkunden im E-Commerce

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?293114

Gedruckt am Sonntag, 25. August 2019 02:33:17