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Anbahnungsphase im Anlaufmanagement

Erstellt am: 08.06.2007 | Stand des Wissens: 22.01.2020
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Logistik und Unternehmensführung, Prof. Dr. Dr. h.c. W. Kersten

In der Anbahnungsphase handelt es sich grundsätzlich um die Phase, in der nach passenden Lieferanten und Produkten gesucht wird. Wobei mit der Anbahnungsphase vorbereitende Tätigkeiten wie die Bedarfsermittlung und die Formulierung von Anforderungen an die Zusammenarbeit mit dem Lieferanten in Verbindung gebracht werden [ApBu11, S. 8]. Vor der eigentlichen Suche nach einem geeigneten Vertragspartner ist es notwendig, dass der Verlader sich mit seinen unternehmensinternen Prozessen auseinandersetzt. Die logistischen Leistungen werden hinsichtlich ihrer Qualität und Effizienz untersucht und mögliche Schwachstellen aufgezeigt. Auf der Grundlage dieser Ist-Analyse werden die zukünftigen Strategien und Ziele eines möglichen Outsourcing-Projekts diskutiert [ApBu11, S. 8f].

Besteht Einigkeit über eine extern zu vergebende Leistung und sind die Anforderungen definiert, kann mit einer ersten Vorauswahl potenzieller Dienstleister begonnen werden. Die gewünschten Anforderungen, die ein Dienstleister erfüllen soll, hängen von Art und Umfang der zu erbringenden Leistungen ab. Für den Erfolg einer Ausschreibung ist entscheidend, wie gut die Leistungsanforderungen definiert wurden [ApBu11, S. 8f]. Dadurch wird der Kreis der potenziellen Dienstleister eingeschränkt und die Planungssicherheit der nachfolgenden Phasen wird erhöht.

Eine Marktanalyse des Dienstleistermarktes, Internetauftritte, Verbände, eigene persönliche Kontakte und Erfahrungen oder die eines beteiligten Beraters oder Kunden können künftige Vertragspartner aufzeigen [ApBu11, S. 72]. Der Verlader kann bereits vor der eigentlichen Ausschreibung eine mögliche Auswahl an Kontraktpartnern durch einen Vorabfragebogen selektieren. Hierbei können beispielsweise Daten zum Unternehmen, seiner Netzorganisation oder Unternehmensstrategie erfragt werden. Dies bietet den Vorteil, Rückschlüsse auf die Eignung einer Zusammenarbeit ziehen zu können, welches wiederum die Planungssicherheit erhöht.
Die Vorselektion der Dienstleister kann anhand einer Nutzwertanalyse erfolgen [ApBu11, S. 79]. Die zur Bewertung eingesetzten Kriterien, sowie ihre gewichteten Nutzenwerte werden von den Projektverantwortlichen - auf Erfahrungswissen basierend - bestimmt. Das Leistungsportfolio des Dienstleisters muss mit den geforderten Leistungen des Verladers übereinstimmen. Die Verlader verlangen umfassendes Branchen-Know-how, insbesondere in Branchen, in denen komplexes Fachwissen benötigt wird [ApBu11].
Häufig werden Dienstleister ausgewählt, die bereits über spezifisches Wissen verfügen. Branchen-Know-how kann sich in einer Dienstleisterauswahl als der erfolgversprechende Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz herausstellen [KlKr12, S. 286f]. Zur Fachkompetenz zählt in hohem Maße die IT- und DV-Kompetenz. Eine reibungslose IT-Anbindung mit dem Verlader muss gewährleistet werden. Die Schwierigkeit besteht hier darin, die unterschiedlichen Softwareplattformen kompatibel zu gestalten. Der Verlader kann auch unterschiedliche Tarifverträge der Logistikdienstleister als Selektionskriterium heranziehen.

Die Vertraulichkeit im Umgang mit Kundeninformationen sowohl nach innen als auch nach außen, ist für beide Vertragspartner als unabdingbarer Erfolgsfaktor anzusehen. In dieser Phase der Voranfrage können die Bieter aufgefordert werden, bei Interesse an der Ausschreibung, ein Bestätigungsschreiben zu unterschreiben. Bestandteile dieses Schreibens sind eine Geheimhaltungsverpflichtung, die Zusage zur Angebotsabgabe und Informationen über Planungskapazitäten und Ansprechpartner. Das Unterzeichnen einer solchen Absichtserklärung (auch: 'Letter of Intent'), die unter anderem eine Schutzvereinbarung oder Vergütungsregelung gegen 'Konzeptklau' beinhalten kann, zeigt die ernsthafte Absicht der Zusammenarbeit und schafft eine Vertrauensbasis. Diese Basis wird auch durch eine Konstanz der Ansprechpartner bewahrt. Von beiden Vertragsseiten sollte möglichst früh ein Projektverantwortlicher benannt werden, der das Projekt über den gesamten weiteren Verlauf betreut. Eine Konstanz der Ansprechpartner erleichtert den Aufbau persönlicher Beziehungen und vermittelt einen seriösen Eindruck [WaHr07].


Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Logistik und Unternehmensführung, Prof. Dr. Dr. h.c. W. Kersten
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Kontraktlogistik (Stand des Wissens: 17.02.2020)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?285349
Literatur
[ApBu11] Appelfeller, Wieland, Buchholz, Wolfgang Supplier Relationship Management Strategie, Organisation und IT des modernen Beschaffungsmanagements, Ausgabe/Auflage 2., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage, Wiesbaden Gabler Verlag / Springer Fachmedien Wiesbaden GmbH, Wiesbaden, 2011
[KlKr12] Klaus, Krieger, Krupp Gabler Lexikon Logistik: Management logistischer Netzwerke und Flüsse, Ausgabe/Auflage 5. Auflage, Gabler, 2012
[WaHr07] Waibel, Florian, Herr, Sebastian, Schmidt, Norbert, "Ramp up" in der Kontraktlogistik: eine Untersuchung zu den Fallstricken und "Best Practices" des Anlaufmanagements von komplexen Kontraktlogistik-Projekten, 2007
Glossar
Verlader Der Verlader ist derjenige Teilnehmer in der Transportkette, der die Ladung/Transportgut erstmals aufgibt. Unter einem Verlader versteht man ein Unternehmen, das Logistikdienstleistungen (Transport, Verladen etc.) bei einem Logistikdienstleister in Auftrag gibt.
Logistikdienstleister Logistikdienstleister (abgekürzt: LDL; Englisch: logistics service provider) bezeichnet die Weiterentwicklung des traditionellen Speditionsgeschäfts. Über Transport, Umschlag und Lagerung (TUL) hinaus bietet der LDL weitere Leistungen und Lösungen an, zum Beispiel kundenbezogene Lagerung, Kommissionierung, Assemblierung, Fakturierung usw. LDL und 3PL werden häufig synonym verwendet.
Outsourcing Beim Outsourcing (Fremdvergabe) werden Aufgaben oder Dienstleistungen, die nicht zum Kerngeschäft eines Unternehmens gehören, ausgelagert, das heißt an externe Unternehmen abgegeben. Die Ausgliederung von Logistikaktivitäten ist die häufigste Form des Outsourcings. Das Wort leitet sich von 'outside' und 'resourcing' ab.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?227279

Gedruckt am Mittwoch, 12. August 2020 02:50:49