Forschungsinformationssystem des BMVI

zurück Zur Startseite FIS

Stellung der Binnenschifffahrt im intermodalen Wettbewerb

Erstellt am: 26.11.2004 | Stand des Wissens: 26.02.2019
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik, Prof. Dr.-Ing. H. Flämig

Im Jahr 2017 wurden in Deutschland rund 4,4 Milliarden Tonnen Güter per Lkw, Eisenbahn, Schiff, Flugzeug und in Rohrleitungen transportiert. Lastkraftwagen beförderten 3,7 Milliarden Tonnen Güter, gefolgt von den Eisenbahnen mit 401 Millionen Tonnen und der Binnenschifffahrt mit 221 Millionen Tonnen [Destatis17]. Im mittelfristigen Vergleich zeigt sich bei der Betrachtung der Beförderungsleistungen eine eindeutige Entwicklung des Anteils der einzelnen Verkehrsträger am Gesamtverkehr (Modal Split) zugunsten der Straße. Die Beförderungsleistung aller Verkehrsträger ist vom Jahr 2000 bis 2017 um 36 Prozent gestiegen. Diese Entwicklung ist vor allem auf die steigende Leistung des Straßen- sowie Schienengüterverkehrs zurückzuführen. Der Straßenverkehr erhöhte im selben Zeitraum seinen Anteil an der gesamten Beförderungsleistung von 67,8 Prozent im Jahr 2000 auf 70,7 Prozent im Jahr 2017, die Schiene von 16,6 Prozent auf 18,7 Prozent. Dagegen ging der Modal-Split-Anteil der Binnenschifffahrt von 13 Prozent auf 8 Prozent zurück (siehe Abbildung 1) [BMVI18s].


Verkehrsleistung.JPGAbb. 1: Güterverkehrsleistung der Verkehrsträger [BMVI16c, S.244 f.]

Der Anteilsverlust der Binnenschifffahrt ist in erheblichem Maße dem Rückgang des Anteils binnenschiffsaffiner Massengüter am Gesamtladungsaufkommen zuzuschreiben, bezeichnet als Güterstruktureffekt [BMVBS11n]. Die Binnenschifffahrt hat dort hohe Marktanteile, wo die Voraussetzungen mit den Systemvorzügen der Binnenschifffahrt harmonieren:
  • kostengünstiger Transport von Massengütern,
  • Vorteile bei großen Partiegrößen,
  • Konkurrenzfähigkeit bei aufkommensstarken Relationen.
Die Binnenschifffahrt ist daher Marktführer (leistungsfähige Wasserstraßen vorausgesetzt) bei Kohlen, Erzen, Düngemitteln sowie Erdöl und Mineralölerzeugnissen [BMVBS11n]. Insgesamt befördern 40 Prozent der Binnenschifftransporte in Deutschland die Gütergruppen Erze, Steine und Erden (Bergbau) und Kohle, Rohöl und Erdgas [BMVI18s, S.253]. Die Vorteile kommen vor allem bei Seehafen-Hinterland-Verkehrsbeziehungen der Rheinmündungshäfen zum Tragen. Die äußere Vereinheitlichung von Stückgütern im Containerverkehr ermöglicht dem Binnenschiff auch hier erfolgreich im Hafenvor- und -nachlauf Ladung zu akquirieren. An den Containerinlandterminals an der Rheinachse hat die Binnenschifffahrt bedeutende Umschlaganteile: in Ludwigshafen 93 Prozent, Koblenz 66,6 Prozent, Mannheim 56,5 Prozent und in Duisburg 18,6 Prozent [BVB11; S.21].
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik, Prof. Dr.-Ing. H. Flämig
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Binnenschifffahrt (Stand des Wissens: 03.04.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?90920
Literatur
[BMVBS11n] Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin, Radke, Sabine Verkehr in Zahlen 2010/2011, Ausgabe/Auflage 39. Jahrgang, DVV Media Group GmbH / Hamburg, 2011/01, ISBN/ISSN 978-3-87514-438-5
[BMVI16c] Radke, Sabine Verkehr in Zahlen 2016/2017, Ausgabe/Auflage 45, 2016/09, ISBN/ISSN 978-3-87154-591-7
[BMVI18s] Radke, Sabine (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) Verkehr in Zahlen 2018/2019, 2018/09
[BVB11] Bureau Voorlichting Binnenvaart Binnenschifffahrt: Gütertransport mit Power - Die Zukunft des Güterverkehrs und der Binnenschifffahrt in Europa 2013 - 2014, o.O., 2011
[Destatis17] Statistisches Bundesamt Güterverkehr 2016: Neuer Höchststand beim Transportaufkommen, 2017/02/17
Glossar
Vor- und Nachlauf Unter Vor- und Nachlauf sind im Kombinierten Verkehr Transporte der Ladeeinheit vom Versender zum Umschlagpunkt oder von dort zum Empfänger zu verstehen. Am Umschlagpunkt wechselt die Ladeeinheit das Verkehrsmittel. Der Transport zwischen zwei Umschlagpunkten wird als Hauptlauf bezeichnet.
Schienengüterverkehr
Unter Schienengüterverkehr (SGV) wird der Transport von Gütern mit der Eisenbahn verstanden. Diese werden in Güterzügen unter Verwendung (spezieller) Güterwagen befördert. Diese Verkehre können entweder auf gesonderten Güterverkehrsstrecken oder im Mischverkehr, auf gemeinsam durch den Güter- und Personenverkehr genutzten Strecken, realisiert werden. Leistungen des Schienengüterverkehrs werden häufig als Teil einer Logistikkette in logistische Gesamtkonzepte eingebunden.
Lkw Lastkraftwagen (Lkw) sind Kraftfahrzeuge, die laut Richtlinie 1997/27/EG überwiegend oder sogar ausschließlich für die Beförderung von Gütern und Waren bestimmt sind. Oftmals handelt es sich dabei um Fahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse zwischen 3,5 und 12 Tonnen. In Einzelfällen kann die zulässige Gesamtmasse diese Werte jedoch auch unter- beziehungsweise überschreiten, sofern das Kriterium der Güterbeförderung gegeben ist. Lastkraftwagen können auch einen Anhänger ziehen.
Hinterland Das Hinterland eines Seehafen ist das landeinwärts hinter dem Hafen liegende Territorium, welches durch die Herkunfts- und Bestimmungsorte der im Hafen abzufertigen Güter und Passagiere begrenzt wird. Seine Grenzen hängen von den Hinterlandverkehrsanbindungen ab und variieren nach Gutarten, den Umschlagkapazitäten, dem Schiffstyp und der Verkehrsinfrastruktur. Das Vorland eines Seehafens ist das seewärts vor dem Hafen liegende Territorium, welches durch die überseeischen Herkunfts- und Bestimmungsorte der Güter begrenzt wird.
Güterstruktureffekt
Der Güterstruktureffekt beschreibt die Veränderung der Zusammensetzung des Verkehrsaufkommens im Entwicklungsprozess der Volkswirtschaften. Dabei findet die Umwandlung der Produktionsstruktur von Massengütern in hochwertige Stückgüter statt. Konträr dazu steht der Gütermengeneffekt, der durch eine relative Abnahme des Verkehrsaufkommens und eine gleichzeitige Zunahme der Tonnenkilometer gekennzeichnet ist.
Modal Split
Modal Split wird in der Verkehrsstatistik die prozentuale Verteilung des Personen- und Güterverkehrs auf verschiedene Verkehrsmittel (Modi) genannt. Der Modal Split ist Folge des Mobilitätsverhaltens der Menschen und der wirtschaftlichen, insbesondere der verkehrlichen Entscheidungen von Unternehmen.
Verkehrsleistung Die Verkehrsleistung gibt Auskunft über die Inanspruchnahme von Ressourcen. Als Verkehrsleistung wird die auf eine Zeiteinheit t (zum Beispiel ein Jahr) bezogene Verkehrsarbeit definiert und als Quotient dargestellt. Die Verkehrsarbeit wird dabei als Produkt von Verkehrseinheiten (zum Beispiel Güter, Personen) und der durch diese zurückgelegten Strecke gebildet. In der Verkehrswissenschaft sind die Einheiten Personenkilometer pro Jahr [Pkm/a] bzw. Tonnenkilometer pro Jahr [tkm/a] gebräuchlich.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?123609

Gedruckt am Montag, 13. Juli 2020 07:52:13