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Prognose der Güterverkehrsentwicklung in Deutschland

Erstellt am: 05.07.2004 | Stand des Wissens: 27.09.2022
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik, Prof. Dr.-Ing. H. Flämig

Die Verkehrsverflechtungsprognose 2030 ist eine langfristige Prognose mit dem Basisjahr 2010 und dem Prognosejahr 2030, die die Verkehrsverflechtungen innerhalb Deutschlands zum Gegenstand hat und hierauf aufbauend die Treibhausgasemissionen des Verkehrs in Deutschland prognostiziert. Die Prognose soll somit einen allgemeinen Orientierungsrahmen für die langfristige Verkehrspolitik in Deutschland geben und stellt die Grundlage des Bundesverkehrswegeplans (BVWP) der Bundesregierung dar [BMVI14a].
Nach der Verkehrsverflechtungsprognose steigt das Transportaufkommen zwischen den Jahren 2010 und 2030 um 18 Prozent an, wobei sowohl Schiene als auch Binnenschiff ihre Marktanteile im Vergleich zum Aufkommen der Straße ausbauen. Demnach sinkt der Marktanteil der Straße im Prognosezeitraum von 84,1 Prozent leicht auf 83,5 Prozent. Im Abgleich mit aktuellen Daten aus dem Jahr 2020 zeigt sich, dass dieser prognostizierte Trend bisher nicht eingetreten ist und der Anteil der Straße am Modal Split sich bisher nicht verringert hat. Die Straße hat ihren für das Jahr 2030 prognostizierten Wert bereits überschritten, die Schiene hat ihn ebenfalls fast erreicht, das Binnenschiff bleibt jedoch momentan weit hinter dem prognostizierten Wert zurück (siehe Abbildung 1) [ITP14a; BMVI19ah].


Verkehrsaufkommen.jpgAbb. 1: Güterverkehrsaufkommen im Basisjahr 2010, im Prognosejahr 2030 und im aktuellen Vergleichsjahr 2020 nach Verkehrsträgern, eigene Darstellung nach [ITP14a; BMVI19ah; BMVI22b]

Für die Verkehrsleistung wird ein Anstieg von 38 Prozent zwischen den Jahren 2010 und 2030 prognostiziert. Demnach wird von einem stärkeren Wachstum der Transportleistung im Vergleich zum Transportaufkommen insbesondere im Straßen- und Schienengüterverkehr aufgrund eines weiteren Anstiegs der mittleren Transportweiten ausgegangen. In Abbildung 2 wird ersichtlich, dass die bisherige Entwicklung zwischen den Jahren 2010 und 2020 dem prognostizierten Trend ein Stück weit folgt, wobei die Transportleistung der Binnenschifffahrt sich hingegen der Prognose jedoch rückläufig entwickelt hat. Zudem hat sich die mittlere Transportweite im Schienengüterverkehr zwar kontinuierlich ausgebaut, ist aber sowohl in der Binnenschifffahrt als auch im Straßengüterverkehr eher rückläufig, was sich ebenfalls dämpfend auf das Wachstum der Transportleistung auswirkt [BMVI19k; ITP14a; BMVI19ah].


Verkehrsleistung.jpgAbb. 2: Güterverkehrsleitung im Basisjahr 2010, im Prognosejahr 2030 und im aktuellen Vergleichsjahr 2020, eigene Darstellung nach [ITP14a; BMVI19ah; BMVI22b]



Nach der Mittelfristprognose 2020/2021 wird sowohl die Verkehrsleistung als auch das Aufkommen im Jahr 2021 um 3,9 bzw. 3,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr wachsen. Ein Grund hierfür ist der grenzüberschreitende Verkehr mit seinen hohen Transportweiten. Für die Jahre 2021 bis 2024 wird ein geringeres Wachstum von 2,1 Prozent für die Verkehrsleistung und 1,8 Prozent für das Verkehrsaufkommen prognostiziert. Es wird vermutet, dass sich nach dem Beginn der Covid-19-Pandemie und den wirtschaftlichen Einbrüchen im Jahr 2020 eine Aufholbewegung abzeichnet [BMVI21y].
Als wichtige Trends, welche den Güterverkehr in Zukunft entscheidend prägen werden, gelten zum einen im Namen der Digitalisierung stehende Neuerungen in logistischen Abläufen sowie im Transport. In diesem Rahmen werden unter anderem die Schlagworte Big Data, digitale Infrastruktur und Plattformen bis hin zur künstlichen Intelligenz diskutiert, wobei es darum geht, durch eine höhere Vernetzung Transportflüsse zu verbessern und eine erhöhte Transparenz der Lieferketten zu gewährleisten. Zum anderen gilt die grüne Logistik als aktueller Trend der Branche, wobei die Klimawirkungen der Logistik und des Güterverkehrs problematisiert und nach Möglichkeit minimiert werden sollen [VKS18].
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik, Prof. Dr.-Ing. H. Flämig
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Güterverkehrsentwicklung in Deutschland (Stand des Wissens: 27.09.2022)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?293800
Literatur
[BMVI14a] BMVI (Hrsg.) Verkehrsverflechtungsprognose 2030, 2014/06/11
[BMVI19ah] Bundesministerium für Digitales und Verkehr (Hrsg.) Verkehr in Zahlen 2019/2020, Ausgabe/Auflage 48. Jahrgang, 2019
[BMVI19k] Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) (Hrsg.) Gleitende Mittelfristprognose für den Güter- und Personenverkehr - Mittelfristprognose Winter 2018/19, 2019/02
[BMVI21y] Bundesministerium für Verkehr und Digitale Infrastruktur (Hrsg.) Gleitende Mittelfristprognose für den Güter- und Personenverkehr Mittelfristprognose Winter 2020/21, 2021/03
[BMVI22b] Bundesministerium für Digitales und Verkehr (Hrsg.) Verkehr in Zahlen 2021/2022, 2021/9
[ITP14a] BVU Beratergruppe Verkehr+Umwelt GmbH, Intraplan Consult GmbH, IVV-Ingenieurgruppe für Verkehrswesen und Verfahrensentwicklung, PLANCO Consulting GmbH, Schubert, Markus, Kluth, Tobias, Nebauer, Gregor, Ratzenberger, Ralf, Kotzagiorgis, Stefanos, Butz, Bernd, Schneider, Walter, Leible, Markus Verkehrsverflechtungsprognose 2030 - Schlussbericht, 2014/06/11
[VKS18] verkehrsrundschau.de (Hrsg.) Who is Who: Das sind die Logistik-Trends 2019, 2018/12/21
Weiterführende Literatur
[Rue06] Ruesch, M. Güterverkehr der Zukunft: Entwicklung und anstehende Herausforderungen, veröffentlicht in Straße und Verkehr, Ausgabe/Auflage Heft 7/8, 2006
[Romm08] Greinus, Anne, Ickert, Lutz, Rommerskirchen, Stefan, Dr. Güterverkehr in Deutschland, Europa und Übersee, veröffentlicht in Internationales Verkehrswesen, Ausgabe/Auflage 3, 2008
[huss04] Steinmeyer, Imke Kenndaten der Verkehrsentstehung im Personenwirtschaftsverkehr, Ausgabe/Auflage 1, Huss-Verlag GmbH München, 2004, ISBN/ISSN 3-931724-96-4
[BAG05d] Bundesamt für Güterverkehr (BAG) Marktbeobachtung Güterverkehr - Bericht Herbst 2005 , 2005/11
[STBU06a] Walter, Kristina, Hagenkort-Rieger, Susanne Verkehr in Deutschland 2006, 2006/09, ISBN/ISSN ISBN-10: 3-8246-0764-6; ISBA-13: 978-3-8246-0764-8
[Sonn04] Sonntag, Herbert Zukünftige Entwicklung des Wirtschaftsverkehrs und Bedeutung des Internets, veröffentlicht in Wirtschaftsverkehr in Städten - Wege aus der Krise, Ausgabe/Auflage Reihe B, Heft-Nr. 269, Berlin, 2004, ISBN/ISSN 3-933392-69-1
Glossar
Schienengüterverkehr
Unter Schienengüterverkehr (SGV) wird der Transport von Gütern mit der Eisenbahn verstanden. Diese werden in Güterzügen unter Verwendung (spezieller) Güterwagen befördert. Diese Verkehre können entweder auf gesonderten Güterverkehrsstrecken oder im Mischverkehr, auf gemeinsam durch den Güter- und Personenverkehr genutzten Strecken, realisiert werden. Leistungen des Schienengüterverkehrs werden häufig als Teil einer Logistikkette in logistische Gesamtkonzepte eingebunden.
Grüne Logistik
Der Begriff grüne Logistik wird zur Kennzeichnung nachhaltiger und umweltschonender Transport- und Logistikkonzepte verwendet. Er entstand, als verschiedene Wirtschaftsbranchen sich im Rahmen der Klimaschutzdebatte zur Reduzierung von Treibhausgasen wie Kohlendioxid (CO2) verpflichteten.
Modal Split
Modal Split wird in der Verkehrsstatistik die prozentuale Verteilung des Personen- und Güterverkehrs auf verschiedene Verkehrsmittel (Modi) genannt. Der Modal Split ist Folge des Mobilitätsverhaltens der Menschen und der wirtschaftlichen, insbesondere der verkehrlichen Entscheidungen von Unternehmen.
Verkehrsaufkommen Das Verkehrsaufkommen beschreibt die Anzahl der zurückgelegten Wege, beförderten Personen oder Güter pro Zeiteinheit. Im Unterschied dazu bezieht sich das spezifische Verkehrsaufkommen auf zurückgelegte Wege und beschreibt die mittlere Anzahl der Ortsveränderungen pro Person und Zeiteinheit.
Verkehrsleistung
Die Verkehrsleistung gibt Auskunft über die Inanspruchnahme von Ressourcen. Als Verkehrsleistung wird die auf eine Zeiteinheit t (zum Beispiel ein Jahr) bezogene Verkehrsarbeit definiert und als Quotient dargestellt. Die Verkehrsarbeit wird dabei als Produkt von Verkehrseinheiten (zum Beispiel Güter oder Personen) und der durch diese zurückgelegten Strecke gebildet. In der Verkehrswissenschaft sind die Einheiten Personenkilometer pro Jahr [Pkm/a] oder Tonnenkilometer pro Jahr [tkm/a] gebräuchlich.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?94511

Gedruckt am Samstag, 28. Januar 2023 01:47:28