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Pkw-Parkflächenbedarf

Erstellt am: 29.03.2004 | Stand des Wissens: 30.08.2019
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Ein großes Problem stellt in Verdichtungsräumen die Stellplatzproblematik beziehungsweise der Parkflächenbedarf dar. Hierzu wurde ermittelt, dass der "übliche Stellplatz" (an der Wohnung) sich wie folgt auf die einzelnen Stellplatzarten verteilt [infas18, Tabelle A A8, S. 268 im pdf]:
  • 74 Prozent auf dem eigenen Grundstück,
  • 19 Prozent im öffentlichen Straßenraum,
  • fünf Prozent in der Tiefgarage/im Parkhaus,
  • ein Prozent andere Stellplatzarten,
  • ein Prozent keine Angabe.
Der wohnungsbezogene Parkflächenbedarf muss bei Neubauten durch Regelungen in den Landesbauordnungen baulich auf den Grundstücken gesichert werden. Die Vollkosten der Flächenbereitstellung trägt in diesen Fällen in der Regel der Nutzer des Fahrzeugs. Unter Umständen kann die gesetzlich vorgeschriebene Mindestanzahl an Pkw-Stellplätzen reduziert werden, wenn
  • entsprechende Nachweise über eine gewisse Anzahl an Carsharing-Parkplätzen oder (gegebenenfalls überdachten) Fahrradabstellplätzen erbracht werden,
  • das Grundstück durch eine fußläufig erreichbare Haltestelle mit leistungsfähigem öffentlichen Personennahverkehr erschlossen ist oder
  • die Bewohner*innen über die Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) Abos verfügen.
Sollte die Herstellung von notwendigen Stellplätzen und Garagen nicht oder nur unter großen Schwierigkeiten möglich sein, kann die Pflicht zur Herstellung solcher Stellplätze auch durch Ablösung (in Form eines Geldbetrages) erfüllt werden. Die Einzelheiten regeln die jeweiligen Stellplatz-, Garagen- und Fahrradabstellplatzsatzungen der Kommunen.

In verdichteten Stadträumen kann der wohnungsbezogene Parkraumbedarf jedoch oftmals nicht auf den Grundstücken abgewickelt werden; daher werden in starkem Maße öffentliche Flächen als Parkraum in Anspruch genommen. Nutzer werden zum Teil über Parkraumbewirtschaftungsmaßnahmen ("Anwohnerparkausweise") an den Kosten beteiligt, was allerdings nicht die Vollkosten des Parkraumes deckt.

Für den Parkflächenbedarf je Pkw gelten folgende Anhaltswerte:
Beim Parken im Straßenraum sind je nach Aufstellungsart zwischen zehn und 16 Quadratmeter (je nach Parken) erforderlich [EAR05, S. 26].
Auf Parkplätzen sind zwischen 18 und 27 Quadratmeter (je nach Aufstellungsart) erforderlich, da hier die Zuwege hinzukommen [EAR05, S. 63].

Flächensparsamer, aber teurer in der Herstellung, kann Parkraum geschaffen werden in Form von Parkhäusern/Tiefgaragen und mechanischen Parkbühnen, Parkregalen, Umsetz- und Umlaufparkern [FGSV95b].
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Daten zur privaten Autonutzung (Stand des Wissens: 26.11.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?312552
Literatur
[EAR05] Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen e.V. Empfehlungen für Anlagen des ruhenden Verkehrs EAR 05, 2005
[FGSV95b] Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen e.V. Hinweise zum Einsatz mechanischer Parksysteme, Köln, 1995
[infas18] DLR - Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Institut für Verkehrsforschung, infas 360 GmbH, infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft , IVT Research GmbH Mobilität in Deutschland 2017 - Tabellenband, 2018/12
Glossar
Carsharing
Der Begriff CarSharing stammt aus dem Englischen (car= Auto, to share= teilen) und kann sinngemäß mit der Bedeutung "Auto teilen" übersetzt werden. Er beschreibt die organisierte, gemeinschaftliche Nutzung von Kraftfahrzeugen, die meist von Unternehmen gegen Gebühr bereitgestellt werden.
Durch einen Rahmenvertrag oder eine Vereinsmitgliedschaft erhalten Kunden flexiblen Zugriff auf alle Kfz eines Anbieters. Die Fahrzeuge können über eine Webseite oder über eine Smartphone-App gebucht werden. Geöffnet werden sie in der Regel mit Hilfe von Chipkarten oder durch ein Zugangscode vermittelt über die Smartphone-App.
Bei dem System des stationsbasierten CarSharing stehen die Fahrzeuge auf reservierten Stellplätzen und werden nach der Nutzung auch wieder dorthin zurückgebracht. Ein anderes Modell ist das free-floating CarSharing. Hier stehen die Fahrzeuge in einem definierten Operationsgebiert verteilt. Sie können per Smartphone geortet werden und nach der Nutzung auf einem beliebigen Stellplatz innerhalb des Operationsgebiets zurückgegeben werden.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?79656

Gedruckt am Mittwoch, 14. April 2021 18:26:02