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Verkehrliche Effekte von Carsharing

Erstellt am: 13.10.2003 | Stand des Wissens: 04.10.2018
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Das Konzept Carsharing verfügt über ein hohes Wirkungspotenzial, das den motorisierten Individualverkehr (MIV) in naher Zukunft verringern könnte und den multimodalen Verkehr fördert [Witz16; Tils15].
Wesentliche verkehrliche Effekte des CarSharing sind:
  • geringerer Fahrzeug- und Parkraumbedarf,
  • Reduzierung der individuellen Pkw-Kilometer der Carsharing-Nutzer,
  • individuell seltenere Pkw-Nutzung,
  • Einsparung von Pkw-Kurzfahrten,
  • höhere Besetzungszahl als bei Privat-Pkw,
  • stärkere Nutzung von Fuß, Rad und Öffentlichem Personennahverkehr (ÖPNV) durch Carsharing-Nutzer,
  • Einsatz neuerer Pkw als im Privatbereich.
Je nach örtlichen Verhältnissen wurde ein Einspareffekt von vier bis 20 Privat-Pkw je Carsharing-Fahrzeug ermittelt, da Carsharing-Nutzer ihren bisherigen Pkw abschaffen [UBA13b, bcs16c, bcs16b]. Auf diese Weise kann wertvoller öffentlicher Lebensraum gewonnen werden. Das durchschnittliche Verhältnis von Kunden pro Fahrzeug liegt im stationsbasierten Segment bei 53 Kunden pro Fahrzeug, im free-floating Segment bei 215 Kunden pro Fahrzeug [bcs18].

Aufgrund der im Vergleich zu Privat-Pkw wesentlich größeren jährlichen Pkw-Fahrleistungen von Carsharing-Fahrzeugen (rund 35.000 Kilometer pro Jahr) ist eine Carsharing-Flotte moderner und wird schneller (im Lauf von drei bis vier Jahren) ausgetauscht [UBA13b].
Der ÖPNV profitiert vorrangig von Carsharing-Kunden, die ihren Privat-Pkw schon abgeschafft haben: Carsharing-Nutzer fahren weniger mit dem Auto, nutzen öfter Bus und Bahn und steigen öfter auf das Fahrrad um [UBA13b, bcs16c, bcs16b]. Carsharing steigert somit die Flexibilität bei der umweltfreundlichen Verkehrsmittelwahl.

Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Carsharing (Stand des Wissens: 12.11.2018)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?56435
Literatur
[bcs16b] bcs - Bundesverband CarSharing e.V. (Hrsg.) Neue CarSharing-Studie belegt: Geteilte Autos können Innenstädte deutlich entlasten, 2016/06/21
[bcs16c] bcs - Bundesverband CarSharing e.V. (Hrsg.) Mehr Platz zum Leben - wie CarSharing Städte entlastet, 2016
[bcs18] bcs - Bundesverband CarSharing e.V. Zahl der CarSharing-Kunden überspringt die 2 Millionen Marke, 2018/02/18
[Tils15] Glatz, A., Rehaag, R., Tils, G. Carsharing - ein Beitrag zur nachhaltigen Mobilität, 2015/06
[UBA13b] Umweltbundesamt (Hrsg.) Car-Sharing, 2013/06/24
[Witz16] Witzke, Sarah Carsharing und die Gesellschaft von Morgen. Ein umweltbewusster Umgang mit Automobilität? , Springer Gabler, 2016, ISBN/ISSN 978-3-658-11841-9
Weiterführende Literatur
[Koss02] Koss, Reinhard Car-Sharing als Beitrag zur Lösung der verkehrs- und umweltpolitischen Krise?, Verlag für Wissenschaft und Forschung GmbH, Berlin, 2002
[Pesc96] Pesch, Stephan Car-Sharing als Element einer Lean Mobility im Pkw-Verkehr - Entlastungspotentiale, gesamtwirtschaftliche Bewertung und Durchsetzungsstrategien, veröffentlicht in Buchreihe des Instituts für Verkehrswissenschaft an der Universität Köln, Verkehrs-Verlag J.Fischer, Düsseldorf, 1996, ISBN/ISSN 3-87841-086-7
[Muhei98] & Partner, Muheim, Peter CarSharing - der Schlüssel zur kombinierten Mobilität, Bern, 1998
[bcs02a] bcs - Bundesverband CarSharing e.V. CarSharing in der StVO - Stellungnahme des bcs zur Novellierung der STVO, Hannover, 2002/04/30
[KrSa01] Krämer, Christine , Saretzki, Ute Das "öffentliche" Auto Kooperationen zwischen ÖPNV und CarSharing, 2001
[Krie03] Krietemeyer, Hartmut, Dr. Effekte der Kooperation von Verbund und Car-Sharing-Organisation, veröffentlicht in Der Nahverkehr, Ausgabe/Auflage 9, alba-Verlag, Düsseldorf, 2003
[Kell00] Keller, Thomas Entwicklung und Potential von organisiertem Car-Sharing in Deutschland, Österrreich und der Schweiz, veröffentlicht in IVS-Schriften, Ausgabe/Auflage 9, Österreichischer Kunst- und Kulturverlag, 2000, ISBN/ISSN 3-85437-198-5
[Stutz01] Stutzbach , Raabe , Pfriem , Becker Machbarkeitsstudie zum Forschungsvorhaben "Carsharing in der Fläche", Oldenburg/Dresden, 2001
[Wilk01] Wilke, Georg Mobilitätsdienstleistung CombiCar, veröffentlicht in Internationales Verkehrswesen (53) 8/2001, Ausgabe/Auflage 5, 2001
[Pete95] Markus Petersen Ökonomische Analyse des Car-Sharing, Wiesbaden, 1995
[Wilk02] Wilke, Georg Professionalisiertes Car-Sharing im Dilemma Ökologie/Ökonomie, veröffentlicht in Internationales Verkehrswesen, Ausgabe/Auflage 54, 2002/12
[bcs07] bcs - Bundesverband CarSharing e.V. Stellungnahme des Bundesverbandes CarSharing e.V. zum Entwurf des Gesetztes zur Änderung des Straßenverkehrsgesetzes (StVG), Hannover, 2007/03
Glossar
Motorisierter Individualverkehr Als motorisierter Individualverkehr (MIV) wird die Nutzung von Pkw und Krafträdern im Personenverkehr bezeichnet. Der MIV, als eine Art des Individualverkehrs (IV), eignet sich besonders für größere Distanzen und alle Arten von Quelle-Ziel-Beziehungen, da dieser zeitlich als auch räumlich eine hohe Verfügbarkeit aufweist. Verkehrsmittel des MIV werden von einer einzelnen Person oder einem beschränkten Personenkreis eingesetzt. Der Nutzer ist bezüglich der Bestimmung von Fahrweg, Ziel und Zeit frei (örtliche, zeitliche Ungebundenheit des MIV).
Carsharing
Der Begriff CarSharing stammt aus dem Englischen (car= Auto, to share= teilen) und kann sinngemäß mit der Bedeutung "Auto teilen" übersetzt werden. Er beschreibt die organisierte, gemeinschaftliche Nutzung von Kraftfahrzeugen, die meist von Unternehmen gegen Gebühr bereitgestellt werden.
Durch einen Rahmenvertrag oder eine Vereinsmitgliedschaft erhalten Kunden flexiblen Zugriff auf alle Kfz eines Anbieters. Die Fahrzeuge können über eine Webseite oder über eine Smartphone-App gebucht werden. Geöffnet werden sie in der Regel mit Hilfe von Chipkarten oder durch ein Zugangscode vermittelt über die Smartphone-App.
Bei dem System des stationsbasierten CarSharing stehen die Fahrzeuge auf reservierten Stellplätzen und werden nach der Nutzung auch wieder dorthin zurückgebracht. Ein anderes Modell ist das free-floating CarSharing. Hier stehen die Fahrzeuge in einem definierten Operationsgebiert verteilt. Sie können per Smartphone geortet werden und nach der Nutzung auf einem beliebigen Stellplatz innerhalb des Operationsgebiets zurückgegeben werden.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?60443

Gedruckt am Freitag, 14. August 2020 16:20:17