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Das Mobilitätskonzept Carsharing

Erstellt am: 08.10.2003 | Stand des Wissens: 21.09.2018
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Organisiertes Carsharing stellt ein Mobilitätskonzept dar, das die gemeinschaftliche Nutzung von Kraftfahrzeugen beinhaltet. Durch eigenständige Organisationen an dezentralen und wohnungsnahen Standorten werden die Fahrzeuge zur Verfügung gestellt [Kell00, S. 7]. Auf das Kraftfahrzeug kann nach telefonischer sowie internetgestützter Buchung (und gegebenenfalls tresorgeschützter Schlüsselübergabe) im Rahmen eines Nutzungsvertrages zu weitgehend nutzungsabhängigen Kosten individuell zugegriffen werden [Kell00; Koss02]. Der Anbieter ist zuständig für die Pflege und Unterhaltung der Fahrzeuge sowie für notwendige Reparaturen [BAST04b].

Beim Carsharing sind persönliches Eigentum und Nutzung entkoppelt [Pesc96]: Der Kunde kann aufgrund einer Mitgliedschaft aus verschiedenen Fahrzeugtypen einer ganzen Flotte wählen und das gewünschte Fahrzeug nach gebuchter Zeit, stunden- oder tageweise mieten. Aufgrund reservierter Stellplätze entfällt an den Carsharing-Standorten die Parkplatzsuche [KrSa01].

Carsharing versteht sich als Baustein multimodaler Verkehrsdienstleistungen und ergänzt öffentliche Verkehrsmittel und Leihfahrradsysteme. Es wird daher auch als "vierte Säule des Umweltverbundes" bezeichnet [Huwe03] und kann einen Beitrag zur Umweltentlastung leisten [UBA17c].

Carsharing gehört zum "Paratransit", der zwischen dem Individualverkehr und dem öffentlichen Verkehr angesiedelt ist. Ähnliche Funktionen werden den Komponenten Radvermietung, Taxi, Autovermietung, Car-Pooling, Fahrgemeinschaft, Mitfahrzentrale, Trampen, Zusteigeverkehre und Sammeltaxen zugewiesen [Kell00; Pete95, Pesc96].

Im angelsächsischen Raum wird unter "car sharing" das Bilden von Fahrgemeinschaften verstanden und für das Autoteilen der Begriff "car club" verwendet. In den USA dagegen wird der Begriff analog zur Verwendung in Deutschland gebraucht [Schä02].
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Carsharing (Stand des Wissens: 12.11.2018)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?56435
Literatur
[BAST04b] Loose, Willi , Mohr, Mario , Nobis, Claudia , et al. Bestandsaufnahme und Möglichkeiten der Weiterentwicklung von Car-Sharing, veröffentlicht in Berichte der Bundesanstalt für Straßenwesen, Ausgabe/Auflage Verkehrstechnik Heft V 114, Wirtschaftsverlag NW, Bergisch Gladbach, 2004/07, ISBN/ISSN 3-86509-144-X
[Huwe03] Huwer, Ulrike Synthese des Umweltverbundes - Kombinierte Mobilität mit ÖPNV und Car-Sharing, veröffentlicht in Der Nahverkehr, Ausgabe/Auflage 3, Kaiserslautern, 2003
[Kell00] Keller, Thomas Entwicklung und Potential von organisiertem Car-Sharing in Deutschland, Österrreich und der Schweiz, veröffentlicht in IVS-Schriften, Ausgabe/Auflage 9, Österreichischer Kunst- und Kulturverlag, 2000, ISBN/ISSN 3-85437-198-5
[Koss02] Koss, Reinhard Car-Sharing als Beitrag zur Lösung der verkehrs- und umweltpolitischen Krise?, Verlag für Wissenschaft und Forschung GmbH, Berlin, 2002
[KrSa01] Krämer, Christine , Saretzki, Ute Das "öffentliche" Auto Kooperationen zwischen ÖPNV und CarSharing, 2001
[Pesc96] Pesch, Stephan Car-Sharing als Element einer Lean Mobility im Pkw-Verkehr - Entlastungspotentiale, gesamtwirtschaftliche Bewertung und Durchsetzungsstrategien, veröffentlicht in Buchreihe des Instituts für Verkehrswissenschaft an der Universität Köln, Verkehrs-Verlag J.Fischer, Düsseldorf, 1996, ISBN/ISSN 3-87841-086-7
[Pete95] Markus Petersen Ökonomische Analyse des Car-Sharing, Wiesbaden, 1995
[Schä02] Schäfer, Marco Fahrgemeinschaften im Berufsverkehr - in Deutschland auch in Zukunft nur die Nische in der Nische?, veröffentlicht in Planungsrundschau, Ausgabe/Auflage Ausgabe 05, Cottbus , 2002
[UBA17c] Umweltbundesamt (Hrsg.) Carsharing nutzen, 2017/09/20
Glossar
Carsharing
Der Begriff CarSharing stammt aus dem Englischen (car= Auto, to share= teilen) und kann sinngemäß mit der Bedeutung "Auto teilen" übersetzt werden. Er beschreibt die organisierte, gemeinschaftliche Nutzung von Kraftfahrzeugen, die meist von Unternehmen gegen Gebühr bereitgestellt werden.
Durch einen Rahmenvertrag oder eine Vereinsmitgliedschaft erhalten Kunden flexiblen Zugriff auf alle Kfz eines Anbieters. Die Fahrzeuge können über eine Webseite oder über eine Smartphone-App gebucht werden. Geöffnet werden sie in der Regel mit Hilfe von Chipkarten oder durch ein Zugangscode vermittelt über die Smartphone-App.
Bei dem System des stationsbasierten CarSharing stehen die Fahrzeuge auf reservierten Stellplätzen und werden nach der Nutzung auch wieder dorthin zurückgebracht. Ein anderes Modell ist das free-floating CarSharing. Hier stehen die Fahrzeuge in einem definierten Operationsgebiert verteilt. Sie können per Smartphone geortet werden und nach der Nutzung auf einem beliebigen Stellplatz innerhalb des Operationsgebiets zurückgegeben werden.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?59822

Gedruckt am Donnerstag, 4. Juni 2020 18:33:06