Forschungsinformationssystem des BMVI

zurück Zur Startseite FIS

Fußgänger als Akteure des Nichtmotorisierten Verkehrs

Erstellt am: 25.09.2003 | Stand des Wissens: 17.01.2023
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Der Fußverkehr ist durch Verkehrsteilnehmer geprägt, die sich zu Fuß, das heißt gehend oder laufend, fortbewegen. Diese Art der Fortbewegung ist die natürlichste und somit auch älteste Mobilitätsform. Sie setzt weder eine Zugangsberechtigung noch die Verfügbarkeit eines Verkehrsmittels voraus.
Fußgänger zeichnen sich durch eine hohe Empfindlichkeit gegenüber Umwegen aus. Gleichzeitig sind sie in Bezug auf Richtungs- und Geschwindigkeitsveränderungen besonders spontan und flexibel. Infolge der begrenzten und unterschiedlichen physischen Leistungsfähigkeit sind sie gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern benachteiligt und bedürfen daher des besonderen Schutzes im öffentlichen Verkehrsraum.
Bei Fußgängern handelt es sich um eine heterogen zusammengesetzte Gruppe, in der alle Bevölkerungsschichten vertreten sind.
Die verschiedenen Verhaltensweisen, Ansprüche und Risiken von bzw. für Fußgänger sind abhängig von [FGSV02c]:
  • dem Alter und den persönlichen Eigenschaften (Leistungsfähigkeit, Behinderung, Erfahrung),
  • dem Zweck der Ortsveränderung (Arbeit, Ausbildung, Einkauf, Freizeit),
  • den mitgeführten Gegenständen (Gepäck, Kinderwagen, Regenschirme),
  • dem Wunsch nach Abstand zu anderen Fußgängern oder dem Bedarf in Gruppen zu gehen,
  • der Menge beziehungsweise der Dichte und der Geschwindigkeit der Fußgänger,
  • der Stärke der übrigen Verkehre (Kraftfahrzeugverkehr, Radverkehr),
  • der Umfeldnutzung und dem sozialen Umfeld sowie
  • der Witterung, Tageszeit und den Lichtverhältnissen.
Zur Gruppe der Fußgänger gehören auch die in ihrer Mobilität eingeschränkten Personen. Dabei kann die Mobilitätseinschränkung einerseits aus gesundheitlichen Gründen bestehen wie zum Beispiel einer Geh- oder Sehbehinderung. Anderseits kann auch das Mitführen von Gepäckstücken oder eines Kinderwagens zu einer Mobilitätseinschränkung führen.
Die mobilitätsspezifische Charakteristik der Fußgänger wird besonders in Abhängigkeit vom Lebensalter und gegebenenfalls von der Mobilitätseinschränkung sichtbar, wie die folgende Darstellung zeigt:
57675_Fusswegetabelle.PNG
Abbildung 1: Ansprüche und spezifische Eigenschaften von Fußgängern [FGSV02c; Höfl04, FuSc07]
Indem diese heterogenen Anforderungen der Fußgänger bei der Planung von Anlagen für den Fußverkehr Berücksichtigung finden, können vor allem städtische Verkehrsräume für das Zufußgehen attraktiver werden. Eine derart fußgängerfreundliche Stadt- und Verkehrsplanung führt letztlich dazu, dass die umweltschonenden und gesundheitsfördernden Aspekte des Fußverkehrs umfassender in Erscheinung treten. Zugleich stärken sie die Anziehungskraft des Stadtraums durch eine erhöhte Lebens- und Aufenthaltsqualität.
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Nichtmotorisierter Individualverkehr (Stand des Wissens: 06.03.2021)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?481394
Literatur
[FGSV02c] Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen e.V. , Arbeitskreis 2.5.2 (Fußgängerverkehr) Empfehlungen für Fußgängerverkehrsanlagen (EFA), FGSV-Verlag, Köln, 2002
[FuSc07] Fussverkehr Schweiz Baden ist. Zukunft - Fusswegkonzept, 2007/12
[Höfl04] Höfler, Frank Verkehrswesen-Praxis, veröffentlicht in Bd. 1 Verkehrsplanung, Ausgabe/Auflage 1. Auflage, Bauwerk Verlag GmbH / Berlin, 2004, ISBN/ISSN 3-934369-52-9
Weiterführende Literatur
[NMV05] Planungsgemeinschaft Verkehr, Hannover Chancen und Optimierungspotentiale des nichtmotorisierten Verkehrs, Hannover, 2005
[infas10] DLR - Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Institut für Verkehrsforschung, infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft Mobilität in Deutschland 2008 (MiD 2008) , 2010/02
[BMVBS12q] Bundesministerium für Digitales und Verkehr Nationaler Radverkehrsplan 2020, Berlin, 2012/10
[Rudi07] Rudinger, G., Prof. Dr., Käser, U., Dr. Smart Modes: Senioren als Fußgänger und Radfahrer im Kontext alterstypischer Aktivitätsmuster, veröffentlicht in Zeitschrift für Verkehrssicherheit, Ausgabe/Auflage 3/2007, 2007

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?57675

Gedruckt am Montag, 15. April 2024 23:21:57