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Der Nichtmotorisierte Verkehr als Mittel zur Verbesserung der Lebensqualität

Erstellt am: 19.09.2003 | Stand des Wissens: 14.11.2018
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Insbesondere in Städten ist die Bevölkerung durch den Motorisierten Individualverkehr (MIV) sowie durch den steigenden Güterverkehr auf den Straßen zunehmenden Belastungen vor allem durch Lärm- und Abgasemissionen ausgesetzt.

Darüber hinaus ist der Flächenverbrauch des fließenden und vor allem des ruhenden Kfz-Verkehrs in den Städten enorm. Die Dominanz des Autoverkehrs führt vielerorts dazu, dass die dem Verkehr zugeordneten Flächen für nichtmotorisierte Verkehrsteilnehmer (Fußgänger, Radfahrer) und Nutzungsarten (Aufenthalts- und Kommunikationsfunktion, Spielfläche) nur stark einschränkt [BMVBS12q] zur Verfügung stehen.

Die Situation im Wohnumfeld und die allgemeine Lebensqualität vieler vom Verkehr hoch belasteter Straßen, aber auch die der Wohnstraßen ist dadurch in starkem Maße beeinträchtigt. Insbesondere für jüngere Familien mit Kindern war und ist diese Tatsache zum Teil noch immer ein Grund für das Verlassen von städtischen Gebieten in Richtung ländlich geprägter Umlandgemeinden (Suburbanisierung) [BMVBS12q].

Die Förderung des Nichtmotorisierten Individualverkehrs Verkehrs (NMIV) und die damit verbundene Verringerung des MIV führt neben einer direkten Reduzierung von Abgas- und Lärmemissionen sowie des Flächenverbrauches zu einer vielfältigen Verbesserung der Wohn- und Lebensqualität. Dies bezieht sich einerseits auf die direkte Umweltentlastung.

Andererseits kann die persönliche Lebensqualität durch die gesundheitsfördernde Wirkung des NMIV verbessert werden [BMVBW02c; BMVBS12q]. Die verstärkte Nutzung der Verkehrsmittel Rad und Fuß führt zu einer Steigerung der individuellen physischen und psychischen Gesundheit und Fitness. Durch diese aktive Mobilität kann dem Bewegungsmangel mit allen daraus resultierenden negativen Folgeerscheinungen vorgebeugt werden [BMVBS12q]. Diese Effekte werden umso stärker ausgeprägt sein, je konsequenter das jeweilige Verkehrsangebot die Belange der Fußgänger und Radfahrer berücksichtigt.

Die Potenziale, die mit der Umweltentlastung durch die Förderung des NMIV verbunden sind, können auch für eine ausgewogenere Flächenverteilung im Verkehrsraum sowie zur Verschönerung des Stadtbildes genutzt werden [BMVBS12q]. Auch dadurch lassen sich die Attraktivität und Aufenthaltsqualität städtischer Räume steigern und die allgemeine Lebensqualität insgesamt positiv beeinflussen.
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Potenziale des Nichtmotorisierten Verkehrs (Stand des Wissens: 06.12.2018)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?493248
Literatur
[BMVBS12q] Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur Nationaler Radverkehrsplan 2020, Berlin, 2012/10
Weiterführende Literatur
[BASt12a] BSV Büro für Stadt- und Verkehrsplanung Dr.-Ing. Reinhold Baier GmbH, IVU Umwelt GmbH, Baier, R., Schuckließ, W., Jachtmann, Y., Diegmann, V., Mahlau, A., Gässler, G. Einsparpotenziale des Stadtverkehrs, 2012/06
[BMVI18q] Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (Hrsg.) MKS 2018: Energie auf Neuen Wegen - Aktuelles zur Weiterentwicklung der Mobilitäts- und Kraftstoffstrategie der Bundesregierung, 2018/04
[BMVBW02c] Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur Nationaler Radverkehrsplan 2002-2012, 2002/04
[UBA13] TU Dresden, Lehrstuhl Verkehrs- und Infrastrukturplanung, Prof. Dr.-Ing. G.-A. Ahrens, Ahrens, Gerd-Axel, Becker, Udo, Böhmer, Thomas, Richter, Falk, Wittwer, Rico Potenziale des Radverkehrs für den Klimaschutz, veröffentlicht in TEXTE, Ausgabe/Auflage 19/2013, Dessau-Roßlau, 2013/03, ISBN/ISSN 1862-4804
Glossar
Suburbanisierung Die Suburbanisierung ist eine Phase der Stadtentwicklung, bei der es zu einer Verschiebung des Wachstumsschwerpunktes aus dem Kernbereich einer Stadt (Zentrum) in das städtische Umland bzw. den suburbanen Raum kommt (Stadt-Umland-Wanderung).
Motorisierter Individualverkehr Als motorisierter Individualverkehr (MIV) wird die Nutzung von Pkw und Krafträdern im Personenverkehr bezeichnet. Der MIV, als eine Art des Individualverkehrs (IV), eignet sich besonders für größere Distanzen und alle Arten von Quelle-Ziel-Beziehungen, da dieser zeitlich als auch räumlich eine hohe Verfügbarkeit aufweist. Verkehrsmittel des MIV werden von einer einzelnen Person oder einem beschränkten Personenkreis eingesetzt. Der Nutzer ist bezüglich der Bestimmung von Fahrweg, Ziel und Zeit frei (örtliche, zeitliche Ungebundenheit des MIV).

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?57035

Gedruckt am Freitag, 24. Mai 2019 07:19:28