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Akteure beim Einsatz von Drohnen

Erstellt am: 12.08.2021 | Stand des Wissens: 14.12.2022
Synthesebericht gehört zu:

Beim Einsatz von Drohnen lässt sich hinsichtlich einer privaten und kommerziellen Nutzung unterscheiden, wobei der Anteil privat genutzter Drohnen in der Vergangenheit deutlich überwog (ca. 90 Prozent aller im Umlauf befindlichen Drohnen). Jüngst nimmt die kommerzielle Nutzung von Drohnen allerdings deutlich an Fahrt auf. Dies zeigt der drastische Anstieg um 138 Prozent an gewerblich genutzten Drohnen seit dem Jahr 2019. Prognosen zufolge wird bis zum Jahr 2025 jede dritte betriebene Drohne kommerziell genutzt werden. Es wird mit einem Gesamtmarktwachstum von heute 840 Millionen auf dann 1,6 Milliarden Euro gerechnet [BDLI21].
Die Akteure, die beim steigenden Einsatz von Drohnen als kommerzielles Verkehrsmittel eine Rolle spielen, können in direkte und indirekte Akteure unterteilt werden. Während die direkten Akteure bereits heute einen aktiven Beitrag zur Implementierung von Drohnen leisten, sind die indirekten Akteure größtenteils noch als Akteure der Zukunft zu verstehen, da diesen erst im fortgeschrittenen Stadium der Drohneneinführung ein größeres Gewicht zugesprochen wird.
Zu der ersten Gruppe zählen direkte Akteure, die aktiv schon heute den Einsatz von Drohnen mitgestalten. Neben Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen zählen hierzu Investoren, Hersteller, Betreiber/Dienstleister, Nutzer sowie die öffentliche Hand. Sie befassen sich mit unterschiedlichen Aspekten des Drohneneinsatzes und beeinflussen diesen auf verschiedene Weisen.
Der Herstellermarkt besteht aus einer in mehrerlei Hinsicht heterogenen Gruppe von Unternehmen, die die Forschung und Entwicklung der Drohnen vorantreiben. So agieren dort, teilweise auch in Kooperation, Großkonzerne der KEP-Branche, bei denen die Drohnen nicht im Zentrum der geschäftlichen Tätigkeiten stehen, ebenso wie junge, spezialisierte Start-Ups. Dabei variiert die Spezialisierung der Unternehmen von Hardware- und Softwareentwicklung über Informations- und Telekommunikation sowie Logistikdienstleistung bis hin zur klassischen Luftfahrtindustrie. Prominente Beispiele von Großkonzernen aus dem Silicone Valley sind Google und Amazon. Auch deutsche Logistikdienstleiser wie beispielweise Hermes und die deutsche Post DHL sind beteiligt [BMVI20ag]. Begleitet wird der noch andauernde Forschungs- und Entwicklungsprozess außerdem durch Forschungseinrichtungen und Universitäten.
Seit dem Jahr 2012 haben unterschiedliche Investoren circa 420 Millionen Euro in deutsche Drohnenunternehmen investiert. Über zwei Drittel flossen in kommerzielle Drohnenhersteller. Besonderes Interesse zeigen die Investoren an sogenannten Flugtaxis. Im Jahr 2020 floss knapp eine Milliarde US-Dollar in den globalen Passagierdrohnenmarkt. Die Hälfte davon ging an deutsche Unternehmen. Dies zeigt das Potenzial des deutschen Herstellermarktes [BDLI21].
Die Grenzen zwischen den einzelnen Akteursgruppen sind nicht immer trennscharf. Als zukünftige Betreiber von Drohnen kommen besonders Transportdienstleister, die derzeit keine eigenen Drohnen entwickeln, in Frage. In den Anwendungsbereichen des Rettungswesens sind schon heute die Polizei oder die Feuerwehr Betreiber von Drohnen.
Die öffentliche Hand stellt die aktuellen rechtlichen Rahmenbedingungen. Der gesetzliche und rechtliche Rahmen ist dabei nicht nur für den Einsatz von Drohnen, sondern ebenfalls bereits für die Herstellung zu definieren [KBF20]. Analog der bemannten Luftfahrt sind die Anforderungen an die Betriebssicherheit der Drohnen und an die Luftsicherheit hoch. Die Bundesregierung Deutschlands sieht sich selbst in der Verantwortung, einen entsprechenden rechtlichen Rahmen festzulegen, und stellte im Juni 2020 den Aktionsplan "Unbemannte Luftfahrtsysteme und innovative Luftfahrtkonzepte" vor. Dieser zielt darauf ab, technische und rechtliche Standards auf globaler Ebene zu entwickeln [BMVI20ag].
Als indirekter Akteur ist derzeit im Wesentlichen die Bevölkerung anzusehen, die zukünftig durch die Auswirkungen des Drohneneinsatzes betroffen sein wird. Diese können positiver Natur sein, wie die Verringerung des Verkehrsaufkommens, die Einsparung von Reisezeit und die Entlastung der Umwelt. Jedoch können auch negative Auswirkungen auftreten, wie die Lärmbelästigung und die Verletzung der Privatsphäre [WiBe19, DoElHo20, KBF20]. Drohnen sind selbst in Situationen, in denen sie nur als Transportmittel eingesetzt werden, mit Datenerfassungstechnologien, wie Kameras oder Detektoren, ausgestattet, die sie benötigen um Kollisionen zu vermeiden [KBF20]. Dies kann jedoch auch zu einer unrechtmäßigen Erfassung von privaten Daten führen, was derzeit öffentlich diskutiert wird. Die öffentliche Akzeptanz durch die Bevölkerung ist für den weiteren Verlauf der Umsetzung von großer Bedeutung.
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik, Prof. Dr.-Ing. H. Flämig
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Integration von Drohnen als Ergänzung des Verkehrssystems zum Transport von Personen und Gütern (Stand des Wissens: 25.08.2021)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?539652
Literatur
[BDLI21] Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie e.V. (Hrsg.) Drohnenmarkt-Analyse zeigt: Privater Markt in Deutschland ist gesättigt - Dynamische Entwicklung jetzt im Bereich der kommerziellen Anwendungen, 2021/03/09
[BMVI20ag] Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (Hrsg.) Unbemannte Luftfahrtsysteme und innovative Luftfahrtkonzepte. Aktionsplan der Bundesregierung 2020, 2020/05
[DoElHo20] Doole, Malik, , Ellerbroek, Joost, , Hoekstra, Jacco Estimation of traffic density from drone-based delivery in very low level urban airspace, 2020/09
[KBF20] Kellermann, R., , Biehle, T., , Fischer, L. Drones for parcel and passenger transportation: A literature review, 2020
[WiBe19] Wissenschaftlicher Beirat beim Bundesministerium Verkehr und digitale Infrastruktur Umgang mit Drohnen im deutschen Luftraum. Verkehrspolitische Herausforderungen im Spannungsfeld von Innovation, Safety, Security und Privacy, 2019/04
Glossar
Zugumlauf
Der Zugumlauf beschreibt das vollständige Abfahren eines festen Streckenzyklus (Kursverlauf, Haltepunkte etc.) im Rahmen des Fahrplanbetriebs. Die Dauer des Zugumlaufs ist nicht auf einen Kalendertag begrenzt, sondern kann auch längere Zeit in Anspruch nehmen.
KEP Kurier, Express, Paket - Bereich in der Transportwirtschaft, der als ein Teilmarkt in der Logistik angesehen wird. Anbieter von Kurier-, Express- und Paketdiensten (KEP) transportieren vornehmlich Sendungen mit relativ geringem Gewicht (von ca. 2 kg bis ca. 31 kg) und Volumen, wie z.B. Dokumente, Päckchen und Kleinstückgüter. Große KEP Anbieter wenden sich auch vermehrt den Märkten der Kontraktlogistik und Fulfillment Dienstleistungen zu.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?539556

Gedruckt am Samstag, 13. April 2024 09:05:09