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Mangel und neue Anforderungen an Fachpersonal durch Building Information Modeling

Erstellt am: 09.08.2019 | Stand des Wissens: 08.01.2021
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik, Prof. Dr.-Ing. H. Flämig

Um Building-Information-Modeling (BIM) als Methode in der Bauwirtschaft sowohl in großen als auch in kleinen und mittleren Unternehmen zu etablieren, ist es neben technischen, finanziellen und rechtlichen Aspekten unabdingbar, die Verfügbarkeit von entsprechend ausgebildetem Personal sicherzustellen. Um diesem Bedarf frühzeitig gerecht werden zu können, sind die entsprechenden Schwerpunkte in der Ausbildung an Berufsschulen, Hochschulen und Universitäten sowie in der Weiterbildung innerhalb von Unternehmen zu setzen [HaLi16a].
Derzeit fehlen in Deutschland einheitliche Standards für die Aus-, Weiter- und Fortbildung im Bereich BIM. Jedoch verfolgt der Verband Deutscher Ingenieure gemeinsam mit der Initiative buildingSMART das Ziel, die Richtlinien VDI 2552 Blatt 8.1 und 8.2 zu erarbeiten, die ebendiese Standards definieren. In diesem Zusammenhang wird auch die klare Definition von Qualifikationen und qualifizierenden Abschlüssen der neuen Rollen des BIM-Managers und -Koordinators angestrebt [HaLi16a].
Für die Ausbildung an Hochschulen und Universitäten müssen Mindestanforderungen definiert werden, deren Umsetzung an möglichst vielen Einrichtungen erfolgt, die an der Ausbildung von Architekten und Ingenieuren, aber auch Projektmanagern im Bauwesen oder Informatikern beteiligt sind. Die Vielfalt der möglichen einzubeziehenden Fachrichtungen resultiert aus der Tatsache, dass es sich beim BIM-Koordinator und -Manager jeweils um Schnittstellenfunktionen handelt. Diese verlangen ein Verständnis aller genannten Disziplinen, im Umkehrschluss lassen sie aber auch den Einsatz von Personen mit den unterschiedlichen fachlichen Hintergründen und entsprechenden Kenntnissen der anderen Disziplinen zu. Dabei ist von der Ausbildung anhand eines spezifischen BIM-Werkzeugs abzusehen und sind vielmehr die Methodik und Denkweise des BIM zu vermitteln [HaLi16a].
Eine vollständig neue Funktion entsteht mit der Rolle des BIM-Managers. Während der BIM-Gesamtkoordinator und die optionalen BIM-Koordinatoren der klassischen Leistungsbilder eher der Auftragnehmerseite zuzuordnen sind, gehört der BIM-Manager eher zur Auftraggeberseite. Diese Rolle umfasst technische Aufgaben einerseits und organisatorische Aufgaben andererseits. Zunächst ist der BIM-Manager für die Erstellung einer BIM-Strategie für ein konkretes Projekt im Interesse des Bauherrn verantwortlich. In den weiteren Projektphasen überwacht und steuert er die Einhaltung und Anpassung dieser Strategie an aktuelle Erfordernisse. Für die Erfüllung dieser Aufgaben kommt in kleinen Projekten die Erweiterung der schon vorhandenen Rolle des Projektkoordinators oder -steuerers zum BIM-Manager infrage. Bei größeren Projekten wird hingegen ein eigener BIM-Manager oder eine Gruppe von Personen mit Aufgaben des BIM-Managements benötigt. Diese Aufgaben umfassen technisch das Datenbankmanagement, fundierte Kenntnisse von BIM-spezifischen Softwareanwendungen und BIM-Schnittstellen. Auf der organisatorischen Ebene sind einerseits die klassischen Fähigkeiten des Projektmanagements, wie etwa Kommunikation, Projektmanagementerfahrung, Koordination und Steuerung, erforderlich und andererseits Fähigkeiten, die mit den neuen Anforderungen von BIM einhergehen [HaLi16a]. Bei kleinen Projekten unter Anwendung der BIM-Methode ist auch die Übernahme des BIM-Managements durch den Architekten möglich.
Ein vollständig neues Berufsbild etabliert sich auch in der Rolle des externen BIM-Beraters. Er berät und unterstützt Unternehmen bei der Einführung von BIM. Die möglichen Aufgaben reichen von der Unterstützung bei der Entscheidung für BIM und dem Durchdringungsgrad über die Beschaffung entsprechender Hard- und Software und der Schulung von Beschäftigten bis hin zur Begleitung eines ersten Pilotprojekts [BoKö15].
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik, Prof. Dr.-Ing. H. Flämig
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Effizientere Fahrwege mittels Bauwerksdatenmodellierung und Anwendung der Methode des Building-Information-Modeling (Stand des Wissens: 11.01.2021)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?502813
Literatur
[BoKö15] Borrmann, A., König, M., Koch, C., Beetz, J. Building Information Modeling - Technologische Grundlagen und industrielle Praxis, Springer Vieweg/Wiesbaden, 2015
[HaLi16a] Hausknecht, Kerstin, Liebich, Thomas BIM-Kompendium - Building Information Modeling als neue Planungsmethode, Fraunhofer IRB Verlag / Stuttgart, 2016

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?502587

Gedruckt am Dienstag, 26. Oktober 2021 03:23:29