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Grundidee und Begriffsdefinition von Radschnellwegen

Erstellt am: 25.05.2019 | Stand des Wissens: 25.05.2019
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Die Einrichtung von Anlagen für den Radverkehr orientierte sich bislang ausschließlich an dem Prinzip der Angebotsplanung. Steigende Radverkehrsaufkommen und neue Anforderungen aus Sicht der zum Einsatz kommenden Fahrzeuge, unter anderem aus der steigenden Vielfalt unterschiedlicher Fahrradtypen wie Pedelecs, aber auch der neuen Fahrzeugklasse der Elektrokleinstfahrzeuge (E-Scooter, selbstbalancierende (elektrische) Boards, Segway-Personal-Transporter und andere), wecken vielerorts in Europa den Bedarf, die gewachsenen und häufig standardisierten Infrastrukturangebote durch weitere, leistungsfähigere Radverkehrsanlagen zu ergänzen.

Die dynamischen Entwicklungen im Radverkehr und neue Anforderungen an zügig befahrbare, umweg- und wartezeitarme Routen führten auch in Deutschland zu intensiven Überlegungen zur Errichtung und Gestaltung von Radschnellverbindungen [FGSV14a].

Die Forschungsgesellschaft für Verkehrswesen (FGSV) hat dazu einen entsprechenden Arbeitskreis (AK 2.5.4 Radschnellverbindungen) eingerichtet. Das bereits im Jahre 2014 erschienene Arbeitspapier [FGSV14a] wird aktuell auf den Status eines Wissensdokumentes (W1) gehoben [FGSV19].

[FGSV14a] definiert die entsprechenden leistungsfähigen Verkehrslagen als Radschnellverbindungen. Der Begriff des Radschnellweges wird häufig dazu synonym verwendet und entstand in Anlehnung zum niederländischen Begriff "Fietssnelweg". Nach [Gwia15] ist der Begriff des Radschnellweges etwas missverständlich, da dieser auf einen fest definierten Gestaltungstyp (eigenständig geführter Radweg) schließen lässt, weshalb in den Arbeitspapieren der FGSV von Radschnellverbindungen gesprochen wird und es somit unterschiedliche Führungsformen (zum Beispiel als Fahrradstraße) gibt.

Eine Radschnellverbindung bezeichnet zunächst erst einmal eine Route von einem Ausgangs- zu einem Zielort. Radschnellwege können als mögliche Führungsform einer Radschnellverbindung interpretiert werden und würden somit nur einen Teil der möglichen Infrastrukturtypen umfassen. Unabhängig davon wird der Begriff des Radschnellweges sowohl in der medialen Berichtserstattung als auch in der Umgangssprache sehr häufig benutzt, weshalb dieser auch eine entsprechende Berechtigung besitzt [VCD17b].

In den aktuellen Überlegungen der FGSV wird daher auch zusätzlich der Begriff der Radvorrangrouten eingeführt. Dieser würde als neuer Verbindungstyp nochmals differenziertere Radverkehrsführungen erlauben und als leistungsfähiger Ausbaustandard vorgeschlagen für Verbindungen, bei denen die voraussichtliche Nachfrage Radschnellwege nicht rechtfertigt [FGSV19].

Da im allgemeinen Sprachverständnis die Begriffe Radschnellverbindung und Radschnellweg wohl von der Mehrheit der Fachöffentlichkeit synonym verwendet werden und gerade in der öffentlichen Diskussion häufig der Begriff des Radschnellweges auftaucht, wird dieser Begriff auch hier die Wissenslandkarte aktiv verwendet.
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Einsatz von Radschnellwegen (Stand des Wissens: 24.06.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?499833
Literatur
[FGSV14a] Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen e.V. (Hrsg.) Arbeitspapier Einsatz und Gestaltung von Radschnellverbindungen [FGSV-Nr. 284/1], FGSV Verlag GmbH 50999 Köln Wesselinger Straße 17, 2014, ISBN/ISSN ISBN 978-3-86446-082-1
[FGSV19] Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen e.V. , Arbeitsgruppe Straßenentwurf (Hrsg.) Hinweise zu Radschnellverbindungen und Radvorrangrouten, Ausgabe/Auflage 2019, 2019
[Gwia15] Gwiasda, P., Erler, L. Gestaltung von Radschnellwegen in Deutschland - eine Herausforderung?, veröffentlicht in Themenheft Radschnellwege, Straßenverkehrstechnik 10, Ausgabe/Auflage 59. Jahrgang, Oktober 2015, Kirschbaum Verlag, Bonn, 2015/10
[VCD17b] Verkehrsclub Deutschland (VCD) e. V., Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg, VCD-Landesverband Baden-Württemberg (Hrsg.) Faktenblatt RSV-02 - Formenvielfalt von Radschnellverbindungen, Ausgabe/Auflage Faktenblatt RSV-02, 2017
Glossar
Automatische Kupplung Die automatische Kupplung (AK) ist eine selbsttätige Vorrichtung zum Verbinden von Schienenfahrzeugen. Man unterscheidet dabei halbautomatische Kupplungen, mit denen nur selbsttätiges Kuppeln (verbinden zweier Wagen) möglich ist, von den vollautomatischen Kupplungen. Letztere können selbsttätig sowohl kuppeln als auch entkuppeln. Bei AK ist zusätzlich auch das [ent]kuppeln der Brems- und Steuerleitung möglich.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?499044

Gedruckt am Mittwoch, 23. September 2020 15:45:46