Forschungsinformationssystem des BMVI

zurück Zur Startseite FIS

Verkehrszwecke des Nichtmotorisierten Verkehrs

Erstellt am: 20.03.2018 | Stand des Wissens: 20.03.2018
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Um die Attraktivität des Verkehrssystems für den Nichtmotorisierten Verkehr (NMIV) zu steigern, ist es wichtig zu wissen, zu welchem Verkehrszweck Wege zu Fuß oder mit dem Fahrrad bevorzugt absolviert werden. Daraus lässt sich ableiten, für welche infrastrukturellen Einrichtungen die Erreichbarkeit durch Nutzer nichtmotorisierter Verkehrsmittel besonders von Bedeutung ist.
Entsprechende Untersuchungen zur Mobilität der Wohnbevölkerung in Städten zeigen deutlich, dass der Freizeitverkehr sowie die Wege zu beziehungsweise von Einkaufs- und Dienstleistungseinrichtungen vom NMIV dominiert werden (siehe folgende Abbildung 1).
481988_Abbildung_1.pngAbbildung 1: Modal Split nach Verkehrszweck [SrV18]
So entfallen im Stadtverkehr fast 40 Prozent der Wege in beiden Zweckkategorien auf den Fußverkehr. Daraus lässt sich ableiten, dass insbesondere Einrichtungen mit Angeboten zum Einkaufen, zur Inanspruchnahme von Dienstleistungen und zur Freizeitgestaltung die Bedürfnisse von Fußgängern in besonderem Maß berücksichtigen sollten. Die Berliner Fußverkehrsstrategie hat in einem eigens auf den Einkaufsverkehr zugeschnittenen Modellprojekt Arbeitshilfen zur fußverkehrsfreundlichen Gestaltung des Umfelds von Einkaufseinrichtungen entwickelt [SSUB16].
Zusätzlich ist zu bedenken, dass alle Ortsveränderungen außer Haus jeweils mit einem Weg zu Fuß beginnen beziehungsweise enden. Insofern gilt für alle Ziele und auch alle Umsteigepunkte zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln, dass sie bestimmten Mindestanforderungen in Bezug auf den Fußverkehr entsprechen sollten.
Deutlich geringere Fußverkehrsanteile verzeichnen der Kita-, Schüler- und Ausbildungsverkehr (25 Prozent) sowie der Berufsverkehr (12 Prozent). Beim Kita-, Schüler- und Ausbildungsverkehr weist hingegen das Fahrrad seine größten Nutzungsanteile auf (22 Prozent) [SrV18]. Für die sichere Abwicklung des Schülerverkehrs spielt daher unter anderem die Radfahrausbildung eine besonders wichtige Rolle [DVW17]. Im Umfeld von Einrichtungen zur Ausbildung und zum Studium sollte eine besonders geeignete Radverkehrsinfrastruktur inklusive Fahrradabstellanlagen verfügbar sein. Dies gilt im Übrigen auch für die Umgebung von Arbeitsplätzen. Deren Erreichbarkeit mit dem Fahrrad wird beispielsweise auch durch entsprechende Kampagnen Mit dem Rad zur Arbeit motiviert. In Ballungszentren ist die Einrichtung von Radschnellwegen in zunehmendem Maße eine Option, um den Berufspendlern aus dem Umland eine qualitativ hochwertige Alternative zum Pkw anzubieten.
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Nichtmotorisierter Individualverkehr (Stand des Wissens: 11.12.2018)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?481394
Literatur
[DVW17] Deutsche Verkehrswacht (DVW) e.V. (Hrsg.) Radfahrausbildung - Kernstück schulischer Verkehrserziehung, 2017
[SrV18] Gerike, Regine, Hubrich, Stefan, Ließke, Frank, Wittig, Sebastian, Wittwer, Rico Mobilitätssteckbrief für SrV-Städtepegel, 2020/03
[SSUB16] Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz Berlin (Hrsg.) Einkaufen - bequem zu Fuß. Anregungen und Arbeitshilfen, 2016/11
Weiterführende Literatur
[UBA20l] Umweltbundesamt (Hrsg.) CO2-Fußabdrücke im Alltagsverkehr, 2020/12
[SrV13d] AHRENS, G.-A.;, HUBRICH, S.;, LIESSKE, F.;, WITTIG, S.;, WITTWER, R. Mobilität in Städten - SrV 2013, veröffentlicht in Straßenverkehrstechnik, Ausgabe/Auflage 7/2015, 2015/07
[SrV13] Wittwer, R., Hubrich, S., Wittig, S., Ließke, F. Sonderauswertung zum Forschungsprojekt "Mobilität in Städten - SrV 2013". Städtevergleich, Dresden, 2015/05
[SrV15a] Ließke, F. , Hubrich, S. , Wittig, S. , Wittwer, R. Sonderauswertung zum Forschungsprojekt "Mobilität in Städten - SrV 2013" - Stadtgruppe: SrV-Städtepegel , 2015/05/21
Glossar
Modal Split
Modal Split wird in der Verkehrsstatistik die prozentuale Verteilung des Personen- und Güterverkehrs auf verschiedene Verkehrsmittel (Modi) genannt. Der Modal Split ist Folge des Mobilitätsverhaltens der Menschen und der wirtschaftlichen, insbesondere der verkehrlichen Entscheidungen von Unternehmen.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?481988

Gedruckt am Dienstag, 27. September 2022 17:12:33