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US-Amerikanische Deregulierung und Liberalisierung des Luftverkehrs

Erstellt am: 06.02.2018 | Stand des Wissens: 07.05.2019
Ansprechpartner
Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Institut für Volkswirtschaftslehre (ECON), Prof. Dr. Kay Mitusch

Der regulatorische Rahmen des im Jahr 1938 verabschiedeten Civil Aviation Acts (CAA) und dessen Interpretation durch die darin installierte Regulierungsbehörde, den Civil Aeronautics Board (CAB), begründeten das teilweise heute noch existierende System der staatlichen Regulierung der Zivilluftfahrt in den USA. Besonders sind die zwischen den einzelnen Staaten verhandelten Linienflugrechte für schon damals private Luftverkehrsunternehmen. Der regulatorische Rahmen kann in vier Bereiche unterteilt werden: Markteintritts- und -austrittsregelung, Preisregulierung, Quersubventionen und Regulierung von Fusionen und anderen Formen der Zusammenarbeit (Im Folgenden nach [HüMü11, S.21f]). Die Regulierung setzte durch subjektive Kriterien (Die Luftverkehrsgesellschaft musste fit, willing and able sein) und insbesondere durch objektive Kriterien (Nachweis der public convenience and necessity) hohe Markteintrittshürden. Ausschließlich auf Strecken, auf denen die Nachfrage von einem Anbieter nicht bedient werden konnte, wurden zwischen den Jahren 1950 und 1974 insgesamt 10 Prozent der Anträge genehmigt. Dies führte zu fehlendem Qualitätswettbewerb, Inflexibilität, ineffizientem Punkt-zu-Punkt-Verkehren und hohen Kosten der Quersubventionen.
Die USA wandten die Regelungen des Chicagoer Abkommens aus dem Jahr 1945 auch intern auf den Luftverkehr zwischen verschiedenen Bundesstaaten an. Die im Chicagoer Abkommen definierten Ziele und Vorgaben, aber auch sinkende Passagierzahlen und die Ölkrise des Jahres 1973 führten zu erhöhtem Druck auf die Fluggesellschaften und durch diese auch auf den existierenden Regulierungsrahmen. Es setzte sich die Auffassung durch, dass eine Lockerung der strengen Marktkontrolle zu Wettbewerb und Preisreduktionen führen würde und sich die Luftverkehrsindustrie den Markterfordernissen anpassen würde. Im Jahr 1977 wurde zunächst im Luftfrachtmarkt die Strecken- und Tarifwahl freigegeben.
Unter Präsident Jimmy Carter wurde der im Jahr 1978 in Kraft getretene Airline Deregulation Act verabschiedet. Die staatlichen Beschränkungen für Strecken und die strikte Überwachung der Tarife wurden gelockert und sollten binnen vier Jahren vollständig aufgehoben werden. Dieses Ziel konnte frühzeitig erreicht werden. Das Civil Aeronautics Board wurde zum 1. Januar 1985 aufgelöst, wobei einige seiner Teilaufgaben an das Verkehrsministerium (Department of Transportation) übergingen.
Dies führte zum Markteintritt neuer Fluglinien, vor allem Low-Cost-Carrier (LCC) [DLH02]. Der verschärfte Konkurrenzkampf und das vermehrte Aufkommen von LCC sollte in den Folgejahren zu einem Ausscheiden vieler etablierter Unternehmen führen, darunter so bedeutsame Namen wie Pan American oder People Express.
Die fortlaufende Deregulierung des nationalen sowie des international durch Open-Skies-Abkommen geöffneten US-amerikanischen Luftverkehrs, führt weiterhin zu Preissenkungen auf ehemals monopolistischen Strecken und einem Wachstum der Passagierzahlen.
Ansprechpartner
Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Institut für Volkswirtschaftslehre (ECON), Prof. Dr. Kay Mitusch
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Luftverkehrspolitik (Stand des Wissens: 06.05.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?184144
Literatur
[DLH02] k.A. Lufthansa Report-Global network-5 years of Star Alliance, 2002/05
[HüMü11] K. Hüschelrath, K. Müller MARKET ENTRY AND THE EVOLUTION OF THE U.S. AIRLINE INDUSTRY 1995-2009, veröffentlicht in Liberalization in aviation: competition, cooperation and public policy, 2011
Glossar
Luftverkehrsgesellschaft Luftverkehrsgesellschaften sind Unternehmen, die Personen und Sachen durch Flugzeuge gewerbsmäßig befördern. Sie bedürfen der Genehmigung, deren Erwerb und Erhaltung im Luftverkehrsgesetz (LuftVG) und in den EASA Air Operations (Air OPS) geregelt ist.
LCC Die Abkürzung steht für Low Cost Carrier und bezeichnet so genannte Niedrigpreis-Fluglinien. Sie beschränken sich auf die reine Transportdienstleistung und erreichen durch weitere Kostenreduktionsmaßnahmen eine günstige Kostenstruktur, die an die Passagiere durch niedrige Flugpreise weitergegeben wird.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?478926

Gedruckt am Mittwoch, 1. April 2020 19:25:51