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Verkehrsteilnehmer als Nutzer vernetzter Mobilitätsangebote

Erstellt am: 29.05.2015 | Stand des Wissens: 05.06.2018
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Zu den Nutzeranforderungen an Mobilitätsdienstleistungen gehören zum einen die Möglichkeit, die Selbstbewegung und eigene Mobilität flexibel zu gestalten und zum anderen, die Kosten gegenüber dem Besitz eines eigenen Pkw zu minimieren [vgl. Stopka15, S. 6; Schade14; WolHaHei11].
In [BaBiWo13] werden die folgenden Anforderungen an ein integriertes ÖPNV-Angebot aus Nutzersicht beschrieben. Diese sind [BaBiWo13, S. 36, Tab. 1]:
  • flächendeckende Erschließung (Verfügbarkeit)
  • ausreichendes Fahrplanangebot, Sicherung der Wegekette für Hin- und Rückfahrt
  • fahrplanmäßige Vernetzung, Anschlusssicherung, hohe Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit
  • einfacher (auch) intermodal gültiger Tarif, unentgeltliche Beförderung Schwerbehinderter, leistungsgerechte Fahrpreise
  • Einhaltung von Qualitätsstandards
  • einfache Nutzungsmodalität
  • zentrale/ortsunabhängige intermodale Mobilitätsplattform und persönlicher Zugang (wichtig besonders für ältere Nutzer) für Information und Buchung
  • hohe Sicherheit
Das Konzept "nutzen statt besitzen" bildet einen wichtigen Baustein von neuen Mobilitätskonzepten [Fran04; Schade14]. Dazu gehören Fahrradverleihsysteme, Carsharing und Mitfahrgelegenheiten. Vor allem Fahrradverleih und Carsharing profitieren von den neuen Informations- und Kommunikations-Technologien (IKT) beim Buchungsprozess. Die Nutzung dieser Dienstleistungen, aber auch von Mitfahrgelegenheiten wird zusätzlich von neuen Bewertungsmöglichkeiten durch soziale Netzwerke beeinflusst [Schade14, S. 3]. Der mediale Einfluss auf die Nutzung und der Einfluss der Nutzer über diese Medien auf das Unternehmensbild und die Bekanntheit der Anbieter sollte daher nicht unterschätzt werden.
Neue Kommunikationstechnologien, insbesondere Smartphones und Mobilitäts-Apps, ermöglichen den Zugriff auf Plattformen für Echtzeitinformation zu Fahrplänen des Öffentlichen Verkehrs (ÖV), Verfügbarkeit eines Carsharing-Autos oder spontanen Mitfahrgelegenheiten. Mobilitätsdienstleistungen können bei der Routensuche all diese Informationen zusammenstellen, so dass der Kunde an einer Stelle einen Vergleich der Kosten- und Zeitaufwände hat und sich somit für das zu seinem Weg passende Verkehrsmittel entscheiden kann. [Schade14]
Aktuell wird auch versucht, Tarifsysteme von mehreren Verkehrsunternehmen mittels IKT zu vereinheitlichen. Somit könnte der Kunde beispielsweise mit einer Mobility Card mehrere Mobilitätsdienstleistungen benutzen beziehungsweise kombinieren [vgl. Schade14]. Beispiele hierfür können dem Synthesebericht "Lösungsbereiche und Beispiele" entnommen werden.
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Vernetzte Mobilität im Personenverkehr (Stand des Wissens: 07.06.2018)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?447113
Literatur
[BaBiWo13] Bachem, A., Birgelen, A., Kittler, W. Integration alternativer Verkehre in den Öffentlichen Nahverkehr. Rechtliche Grundlagen, Einsatzmöglichkeiten und Anforderungen, veröffentlicht in Der Nahverkehr. Öffentlicher Personenverkehr in Stadt und Region, Ausgabe/Auflage 4/2013, 31. Jahrgang, Alba Fachverlag, Düsseldorf, 2013/04, ISBN/ISSN 0722-8287
[Fran04] Franke, S. Die "neuen Multimodalen" - Bedingungen eines multimodalen Verkehrsverhaltens, veröffentlicht in Internationales Verkehrswesen, Ausgabe/Auflage Heft-Nr. 3, 2004/03
[ISOE14] Öko-Institut e.V. Institut für angewandte Ökologie, ISOE - Institut für sozialökologische Forschung FORSCHUNG ZUM NEUEN CARSHARING - Wissenschaftliche Begleitforschung zu car2go. Zwischenergebnisse: Stand Juni 2014, Berlin, 2014/07/03
[Schade14] Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung, Prof. Dr. M. Wietschel , Schade, W., Krail, M., Kühn, A. New mobility concepts: myth or emerging reality?, 2014
[Stopka15] TU Dresden, Professur für Kommunikationswirtschaft, Prof. Dr. Ulrike Stopka, Stopka, U. Sharing Economy und kollaborative Mobilität, veröffentlicht in Mobilität und Kommunikation. Öffentlicher und Individualverkehr - wie finden sie zusammen?, Dresden, 2015/01/29
[WolHaHei11] Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel GmbH, Wolter, F., Hasse, S., Heinicke, B. Intelligent vernetzen, veröffentlicht in Internationales Verkehrswesen, Ausgabe/Auflage (63) 5, 2011
Weiterführende Literatur
[LiWi15] TU Dresden, Lehrstuhl Verkehrs- und Infrastrukturplanung, Prof. Dr.-Ing. G.-A. Ahrens, Ließke, F., Wittwer, R. Alles bleibt anders - Aktuelle Erkenntnisse zur Entwicklung des Verkehrsverhaltens auf Basis des Projektes "Mobilität in Städten - SrV 2013", 2015/02/04
[KIT11] Institut für Verkehrswesen, Karlsruhe Institute for Technology (KIT), Zumkeller, Prof. Dr.-Ing. Dirk, Chlond, Dr.-Ing. Bastian, Kagerbauer, Dr.-Ing. Martin, Kuhnimhof, Dr.-Ing. Tobias, Wirtz, Dipl.-Ing. Matthias Deutsches Mobilitätspanel (MOP) - wissenschaftliche Begleitung und erste Auswertungen, 2011/01/18
[infas10d] Follmer, R., Gruschwitz, D., Jesske, B., Quandt, S., Nobis, C., Köhler, K. Mobilität in Deutschland 2008. Nutzerhandbuch, Bonn/Berlin, 2010, 2010/02
[ifmo11a] Kuhnimhof, T., Feige, I., Hansen, F., Last, J., Manz, W., Zumkeller, D., Chlond, B., Streit, T., Wirtz, M., Kalinowska, D., Follmer, R., Gruschwitz, D., Ottmann, P., Armoogum, J., Buehler, R., Dargay, J., Denstadli, J.M., Yamamoto, T. Mobilität junger Menschen im Wandel - multimodaler und weiblicher, München, 2011/10, ISBN/ISSN 978-3-86680-192-9
[MatchRider15] Match Rider UG (Hrsg.) RIDEBOARD
Das Mobilitäts-Netzwerk für Unternehmen, 2015
[Witt14] Wittwer, R. Zwangsmobilität und Verkehrsmittelorientierung junger Erwachsener: Eine Typologisierung, veröffentlicht in Schriftenreihe des Instituts für Verkehrsplanung und Straßenverkehr, Ausgabe/Auflage Heft 16/2014, Dresden, 2014/12, ISBN/ISSN 1432-550
Glossar
IKT Informations- und Kommunikationstechnologien
ÖV
Der Öffentliche Verkehr (ÖV) ist sowohl im Personen-, Güter- sowie Nachrichtenverkehr für jeden Nutzer der Volkswirtschaft öffentlich zugänglich. Dazu zählen die öffentliche Personenbeförderung, der öffentliche Gütertransport als auch öffentliche Telekommunikations- und Postdienste. Der ÖV wird dabei von Verkehrsunternehmen, nach festgelegten Routen, Preisen und Zeiten durchgeführt. Der ÖV ist somit im Gegensatz zum Individualverkehr (IV) örtlich und zeitlich gebunden.
Vor dem Hintergrund der verkehrspolitisch geförderten "Multimodalität" wird der ÖV zunehmend breiter definiert, indem auch "Alternative Bedienformen", Taxen bis hin zu öffentlichen Fahrrädern und öffentlichen Autos als Teil eines neuen individualisierten ÖV gesehen werden.
Pkw
Personenkraftwagen (Pkw): Pkw sind nach der Richtlinie 70/156/EWG Fahrzeuge mit mindestens vier Rädern und dienen der Beförderung von maximal 9 Personen (inklusive Fahrzeugführer). Pkw dürfen nur auf den dafür vorgesehenen Verkehrsflächen geführt werden.
Carsharing
Der Begriff CarSharing stammt aus dem Englischen (car= Auto, to share= teilen) und kann sinngemäß mit der Bedeutung "Auto teilen" übersetzt werden. Er beschreibt die organisierte, gemeinschaftliche Nutzung von Kraftfahrzeugen, die meist von Unternehmen gegen Gebühr bereitgestellt werden.
Durch einen Rahmenvertrag oder eine Vereinsmitgliedschaft erhalten Kunden flexiblen Zugriff auf alle Kfz eines Anbieters. Die Fahrzeuge können über eine Webseite oder über eine Smartphone-App gebucht werden. Geöffnet werden sie in der Regel mit Hilfe von Chipkarten oder durch ein Zugangscode vermittelt über die Smartphone-App.
Bei dem System des stationsbasierten CarSharing stehen die Fahrzeuge auf reservierten Stellplätzen und werden nach der Nutzung auch wieder dorthin zurückgebracht. Ein anderes Modell ist das free-floating CarSharing. Hier stehen die Fahrzeuge in einem definierten Operationsgebiert verteilt. Sie können per Smartphone geortet werden und nach der Nutzung auf einem beliebigen Stellplatz innerhalb des Operationsgebiets zurückgegeben werden.
ÖPNV Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV): Nach § 2 des Regionalisierungsgesetzes (RegG) wird ÖPNV definiert als die "allgemein zugängliche Beförderung von Personen mit Verkehrsmitteln im Linienverkehr, die überwiegend dazu bestimmt sind, die Verkehrsnachfrage im Stadt-, Vorort- oder Regionalverkehr zu befriedigen." Das ist im Zweifel der Fall, wenn eine Mehrzahl der Beförderungsfälle eines Verkehrsmittels die gesamte Reiseweite von 50 Kilometer oder die gesamte Reisezeit von einer Stunde nicht übersteigt. Vor dem Hintergrund der verkehrspolitisch geförderten "Multimodalität" wird der ÖPNV zunehmend breiter definiert, indem auch "alternative Bedienformen", Taxen bis hin zu öffentlichen Fahrrädern und öffentlichen Autos als Teil eines neuen individualisierten ÖPNV gesehen werden.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?448865

Gedruckt am Sonntag, 15. September 2019 18:36:45