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Supply Chain Controlling

Erstellt am: 26.02.2015 | Stand des Wissens: 27.01.2020
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Logistik und Unternehmensführung, Prof. Dr. Dr. h.c. W. Kersten

Das Supply Chain Controlling hat interne und netzwerkorientierte Planungs-, Steuerungs- und Kontrollaktivitäten zum Gegenstand, welche auf eine kontinuierliche Prozessverbesserung fokussiert sind. Das Supply Chain Controlling stellt nach Werner [Wern17, S. 356] ein Subsystem dar und unterstützt mit diesen Aktivitäten, welche konzeptionell und zweckmäßig eingeleitet werden, die Unternehmensführung. Daher spielt das Supply Chain Controlling eine elementare Rolle in der Informationsversorgung des Managements bzw. des Supply Chain Managements [Wern14, S. 7; Wern17, S. 356ff.]. Es wird versucht Waren-, Informations- und Finanzflüsse innerhalb der Lieferketten transparent darzulegen, um somit die Grundlage für eine zielgerichtete Entscheidungsfindung des Managements zu ermöglichen [Wern14, S. 7]. Das Supply Chain Controlling ist stark an das Controlling eines einzelnen Unternehmens angelehnt und wird aus diesem Grund als eine eigenständige Weiterentwicklung des (unternehmensinternen) Controllings angesehen [KaGe01a].

Des Weiteren werden neue Controllinginstrumente entwickelt, wie beispielsweise das Prozessmapping (Prozessvisualisierung), auf das jedoch im nachfolgenden Bericht "Vorgehen und Werkzeuge des Supply Chain Controlling" eingegangen wird [StOt03]. Die durch das Controlling erhobenen Daten werden im Supply Chain Management genutzt, um den geforderten Sollzustand zu erreichen und um den Erfolg des Unternehmens langfristig zu halten. Ebenfalls können Abweichungen ermittelt und Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Entstehen beispielsweise zu hohe Logistikkosten, oder wird der Fuhrpark nicht effizient genutzt, so kann das Supply Chain Management, mithilfe der vorgelegten Daten, die Anzahl der Fahrzeuge verringern und/oder die Ausnutzung der Nutzlast variieren. Folglich erfüllt das Supply Chain Controlling eine wesentliche Unterstützungsfunktion für das SCM und sichert die Informationsversorgung [Wern14].

Zieldreieck_SCM_443962.pngAbb. 1: magisches Zieldreieck des Supply Chain Management [MiEr13] (Grafik zum Vergrößern bitte anklicken)
Das Supply Chain Management hat mithilfe des Supply Chain Controllings drei wesentliche Ziele zu erfüllen. Diese können gemäß Eßig et al. [MiEr13, S. 374f.] als ein "magisches Erfolgsdreieck" begriffen werden. Die Abbildung 1 soll nach Eßig et al. [MiEr13, S. 374] den Sachverhalt des magischen Erfolgsdreiecks verdeutlichen.
  1. Ziel: Das erste Ziel ist die Maximierung der Prozesseffizienz. Hierbei wird eine Verbesserung des EBIT (engl. Earnings before Income and Taxes ,,Gewinn vor Zinsen und Steuern) angestrebt. Erreicht wird dies durch die Reduzierung von Frachtkosten, zum Beispiel durch eine optimierte Auslastung von Transportfahrzeugen, die Steigerung der Mitarbeiterproduktivität durch Vermeidung von Wartezeiten, Mehrarbeit sowie Nacharbeit oder durch die Senkung von Materialkosten.
  2. Ziel: Das zweite Ziel gilt der Minimierung der Kapitalbindung. Entsprechende Ansätze sind Bestandssenkungen durch Optimierung der Logistik und Lagerhaltung und Verbesserung der Anlagenwirtschaft, was sich auf den vorhandenen Fuhrpark und die genutzten Gebäude bezieht. Das Supply Chain Controlling errechnet dafür den WACC (engl. Weighted Average Cost of Capital), um die derzeitige Kapitalbindung in der Supply Chain zu bewerten.
  3. Ziel: Das dritte Ziel besteht in der Maximierung des Kundenutzen. Durch eine verbesserte Warenverfügbarkeit, die durch optimierte Logistikprozesse erreicht werden kann, werden Fehlmengen vermieden. Das hat zur Folge, dass die Supply Chain immer lieferfähig ist. Des Weiteren können die logistischen Prozesse beschleunigt und qualitativ hochwertiger gestaltet werden.
Die Ziele des Supply Chain Controllings und die daraus abgeleiteten Unterziele können in zwei Kategorien eingeteilt werden. Zum einen existieren direkte Ziele, die eine Art der Problemlösung behandeln. Dazu zählen beispielsweise unternehmensübergreifende Koordination, Informationsversorgung und Rationalitätssicherung. Zur zweiten Kategorie zählen die indirekten Ziele, die vor allem aus Wert- und Sachzielen bestehen. Die Minimierung der Kapitalbindung und die Steigerung der Wirtschaftlichkeit stehen hierbei im Vordergrund [West07].
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Logistik und Unternehmensführung, Prof. Dr. Dr. h.c. W. Kersten
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Grundlagen des Supply Chain Management (Stand des Wissens: 07.03.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?439336
Literatur
[KaGe01a] Kaufmann, L., Germer, T. Controlling internationaler Supply Chains: Positionierung, Instrumente, Perspektiven, veröffentlicht in Supply Chain Management: Unternehmensübergreifende Prozesse, Kollaboration, IT-Standards, Bonn, 2001
[MiEr13] Eßig, Michael, Hofmann, Erik, Stölzle, Wolfgang Supply Chain Management, Verlag Franz Vahlen, München, 2013, ISBN/ISSN 9783800634781
[StOt03] Stölzle, W., Otto, A. Supply Chain Controlling in Theorie und Praxis. Aktuelle Konzepte und Unternehmensbeispiele, Gabler, 2003
[Wern14] Werner, H. Kompakt Edition: Supply Chain Controlling - Grundlagen, Performance-Messung und Handlungsempfehlungen, Springer Fachmedien Wiesbaden, 2014, ISBN/ISSN 978-3-658-05621-6
[Wern17] Werner, Hartmut Supply Chain Management Grundlagen, Strategien, Instrumente und Controlling, Ausgabe/Auflage 6.Auflage, Springer Fachmedien Wiesbaden , 2017, Online-Referenz doi:10.1007/978-3-658-18384-4, ISBN/ISSN 978-3-658-18383-7
[West07] Westhaus, M. Supply Chain Controlling. Definition, Forschungsstand, Konzeption, Ausgabe/Auflage Auflage 1., Gabler, 2007, ISBN/ISSN 3835006665
Glossar
Supply Chain Management Supply Chain Management lässt sich vereinfacht als Abfolge oder Kette von Aktivitäten beschreiben, um Kunden und/oder Märkte erfolgreich zu bedienen - also effizienter und effektiver zu arbeiten. Zu diesem Zweck werden die Ketten in einem - und zwischen Unternehmen ganzheitlich betrachtet. Durch diesen Überblick sollen sich die "Supply Chains" aktiv, durchschaubar und über verschiedene Unternehmensbereiche hinweg, gestalten lassen. Als Supply Chains zählen einerseits die Verflechtung des Materialflusses innerhalb eines Unternehmens (z.B.: Produktion, Lagerung, Transport) sowie zwischen Unternehmen (z.B.: Milchbauer, Großhändler, Joghurthersteller, Einzelhandel, Kunde). Weitere Supply Chains im Sinne des SCM sind Informationsflüsse und Geldströme.
Supply Chain Als Supply Chain (Liefer- oder Wertschöpfungskette) bezeichnet man ein organisationsübergreifendes Netzwerk, welches als Gesamtsystem Güter für einen bestimmten Markt hervorbringt. Die heutigen Supply Chains sind aufgrund der Vielzahl von beteiligten Zulieferern, Dienstleistern und Kunden - die wiederum an anderen Supply Chains beteiligt sein können - sehr komplexe, interdependente Gebilde. Treffender müsste daher eine Supply Chain, aufgrund der häufig vorkommenden netzwerkartigen Struktur der zusammenarbeitenden Unternehmen, als "Supply Network" bezeichnet werden.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?443962

Gedruckt am Samstag, 4. Juli 2020 17:57:05