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Relevante Telematikstandards und Standardisierungsinitiativen bei Gefahrguttransporten

Erstellt am: 25.11.2013 | Stand des Wissens: 01.04.2020
Ansprechpartner
Bauhaus-Universität Weimar, Professur Verkehrssystemplanung, Prof. Dr.-Ing. Plank-Wiedenbeck

Für eine zunehmende Nutzung von Telematikanwendungen beim Transport von Gefahrgütern ist es erforderlich, bereits vorhandene Industriestandards anzupassen beziehungsweise neue Normen oder Standards zu erarbeiten. Dabei ist die Sicherstellung einer möglichst hohen Interoperabilität zwischen Systemen, Anwendungsbereichen und Regionen zu beachten, um Insellösungen zu vermeiden [Albr12].
Standardisierungsinitiativen für die einzelnen Einsatzfelder in der Gefahrgutdomäne werden nicht nur von Normungsorganisationen wie der "Internationalen Standardisierungsorganisation" (ISO) oder dem "Comité Européen de Normalisation" (CEN) vorangetrieben, sondern auch von entsprechenden Organisationen wie der "Internationalen Luftverkehrs-Vereinigung" (IATA) oder dem "Zentrum der Vereinten Nationen für Handelserleichterungen und elektronische Geschäftsprozesse" (UN CEFACT).
Eine Vereinheitlichung der Standardisierungsinitiativen erscheint gegenwärtig problematisch, da es bisher bereits bei der gemeinsamen Sicht auf den Begriff Intelligente Verkehrssysteme (ITS) unterschiedliche Ansichten gibt. Allerdings erleichtern einige allgemeine Industriestandards die Datenerfassung, -übermittlung und -verarbeitung. Beispielhaft zu nennen sind die im Zuge des pan-europäischen elektronischen Notrufs "emergency Call" (eCall) geschaffenen europäische Standards  [Albr12] oder der Standard "United Nations Electronic Data Interchange For Administration, Commerce and Transport" (UN/EDIFACT), welcher sich dem internationalen, elektronischen Datenaustausch widmet [UNECE19]. Auf weitere wird im Synthesebericht "Technologie- und Industriestandards zur Überwachung von Gefahrguttransporten" genauer eingegangen. 
Derzeit regeln vorrangig regionale Abkommen für die verschiedenen Verkehrsträger die Grundlagen für Gefahrguttransporte und bilden somit die Basis für verkehrstelematische Anwendungen in der Gefahrgutlogistik. Für Europa sind dies
  • das Europäisches Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße (ADR) [ADRa],
  • das Europäisches Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf Binnenwasserstraßen (ADN) [ADN00],
  • die Ordnung über die internationale Eisenbahnbeförderung gefährlicher Güter (RID) [RIDa].
Diese werden durch nationale Abkommen in nationales Recht umgesetzt. Auf bestehende europäische und nationale Regelungen wird im Synthesebericht "Regionale Abkommen zur Beförderung gefährlicher Güter" detaillierter eingegangen.
Ansprechpartner
Bauhaus-Universität Weimar, Professur Verkehrssystemplanung, Prof. Dr.-Ing. Plank-Wiedenbeck
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Gefahrguttelematik (Stand des Wissens: 02.09.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?426262
Literatur
[Albr12] Albrecht Consult GmbH (Hrsg.) Studie zur Gefahrguttelematik - Schlussbericht, 2012/02
[UNECE19] UN Economic Commission for Europe (Hrsg.) Introducing UN/EDIFACT, 2019
Weiterführende Literatur
[Fazi12] Antonella Di Fazio, Andrea Kurz, Irene Fusco Sicher per Satellit, veröffentlicht in www.gefahrgut-online.de, Ausgabe/Auflage 3/2012, 2012
[ADN00] ADN 2000
[ADRa] Europäisches Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße (ADR)
[RIDa] Ordnung für die internationale Eisenbahnbeförderung gefährlicher Güter (RID)
Glossar
ITS Intelligent Transportation Systems (ITS) ist der Oberbegriff für Transportsysteme, die Informations- und Kommunikationstechnologie zur Unterstützung des Betriebes einsetzen. ITS-Funktionen unterstützen den Fahrer eines Transportmittels, sie sind damit deutlich von automatischen Transportsystemen zu differenzieren, die auf einen fahrerlosen Betrieb abstellen. Die wichtigsten neuen und zum Teil noch in Entwicklung befindlichen Anwendungsfelder zielen auf (1) Verkehrs- und Transportmanagement (Verkehrsinformationen, Verkehrslenkung, Verkehrs- und Parkleitsysteme, automatische Unfallmeldungen, Meldesysteme zum Gefahrgutmonitoring); (2) Elektronische Systeme zur Gebührenerhebung; (3) Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel (dynamische Fahrgastinformationen, Reservierung, spezifische Informationssysteme für Fahrradfahrer und Fußgänger, Steuerung individueller öffentlicher Verkehrsmittel); (4) Systeme zur Unterstützung der Fahrzeugsicherheit (Kollisionsdetektoren, Sektorisierung von Verkehrswegen).
IATA Die Internationale Luftverkehrs-Vereinigung - IATA (International Air Transport Association) ist der weltweit tätige Verband der Verkehrsfluggesellschaften.
eCall
eCall (Kurzform von "emergency call") beinhaltet ein Notrufsignal, dass sowohl manuell als auch automatisch ausgelöst werden kann. Es sendet einen minimalen Datensatz (MSD) mit allen relevanten Informationen (u. a. den Standortdaten) an die zuständige Notrufzentrale. Diese kann einen Audiokanal zum Fahrzeug herstellen und erforderliche Notfallhilfsmaßnahmen einleiten.
CEN Comité Européen de Normalisation (CEN) ist eine der drei großen Normungsorganisationen in Europa. Sie ist verantwortlich für europäische Normen (EN) in allen technischen Bereichen außer der Elektrotechnik und der Telekommunikation.
Electronic Data Interchange Electronic Data Interchange oder einfach EDI ist der Austausch von strukturierten Geschäftsinformationen zwischen Geschäftspartnern auf eine organisierte, standardisierte Art unter Verwendung von modernen Kommunikationsmethoden.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?421755

Gedruckt am Montag, 26. Oktober 2020 19:54:51