Forschungsinformationssystem des BMVI

zurück Zur Startseite FIS

Bestehende und geplante On/Offshore-Windparks

Erstellt am: 27.02.2013 | Stand des Wissens: 21.12.2018
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Maritime Logistik, Prof. Dr.-Ing. C. Jahn

Im Jahr 2010 erzeugte Europa, vorrangig durch Deutschland, Spanien und Dänemark, etwa 75 Gigawatt Nennleistung an Windenergie. Im Jahr 2017 konnten bereits 178 Gigawatt durch eine immer größer werdende Anzahl an EU-Ländern mit Windenergienutzung gewonnen werden. Damit liegt Europa hinter Spitzenreiter Asien (226 Gigawatt) und vor Nordamerika (105 Gigawatt) [GWEC18, S. 2]. Europa deckt etwa 11,6 Prozent des europäischen Strombedarfs durch Stromgewinnung aus Windenergieanlagen ab und verzeichnet weiterhin länderübergreifend ein starkes Wachstum [WiEu18, S. 7].
In Deutschland wird einerseits von einer steigenden Anzahl an Onshore-Windenergieanlagen ausgegangen, gleichfalls jedoch auch von einer Verbesserung von deren Ertragsausbeute, welche im Rahmen der "Repowering-Konzepte" zu erwarten ist. Dabei werden bereits bestehende Windenergieanlagen, aufgrund altersbedingter geringerer Energieeffizienz, durch größere, modernere und ökonomischere Anlagen ersetzt. Im Rahmen der Zukunftsanalyse der deutschen Windenergiebranche erstellte der Bundesverband WindEnergie e.V. eine "Studie zum Potenzial der Windenergienutzung an Land" [BWE12a]. Es wurden geeignete Flächen für Windenergieanlagen mit Hilfe von Geographischen Informationssystemen (GIS) auf Ihre Plausibilität geprüft. Die Studie zeigt im Ergebnis, dass 8 Prozent der gesamten deutschen Landfläche für die Windenergienutzung uneingeschränkt zur Verfügung stehen, da diese unter anderem außerhalb von Wäldern und Schutzgebieten liegen. Zudem geht aus der Studie deutlich hervor, dass sich das Flächenpotenzial auf das gesamte Bundesgebiet verteilt und nicht auf die bisher am stärksten Windenergie erzeugenden norddeutschen Bundesländer beschränkt [BWE12a]. Eine Untersuchung des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung kommt für Bayern zu dem Ergebnis, dass unter Berücksichtigung der Gebäude auf Wohnbauflächen und Flächen gemischter Nutzung mit einer Abstandsfläche von 2000 Metern 1,7 Prozent der Landfläche zur Windenergienutzung zur Verfügung steht. Wird die Abstandsfläche auf 2400 Meter erhöht, so sinkt die verfügbare Fläche auf 0,9 Prozent der Landesfläche [BBSR14a].
Studien über die Entwicklung der Onshore-Windparks auf deutschem Festland bestätigen einen weiterhin wachsenden Trend der Nutzung alternativer Energiequellen. Die Anlagen in Deutschland erzeugten im Jahr 2017 etwa 56 Gigawatt Nennleistung mit Hilfe von etwa 28.844 Windenergieanlagen (davon 1.169 Offshore), was einen Zuwachs von 1405 Windenergieanlagen darstellt. Über die vergangene Dekade ergab sich ein konstantes jährliches Wachstum von etwa 5 Prozent [BWE17].
Für Europa geht die European Wind Energy Association (EWEA) für das Jahr 2020 von einer installierten Offshore-Windenergieleistung von 40 Gigawatt aus [EWEA11a]. 2017 waren die drei größten europäischen Offshore-Windenergieproduzenten gemessen an der installierten Energieleistung das Vereinigte Königreich, Deutschland und Dänemark (siehe Abbildung 1).
Top 6 Offshore.PNGAbb. 1: Die weltweit größten Offshore-Windenergieproduzenten (eigene Darstellung nach [GWEC18, S. 2-4])

2010 hat das Bundeskabinett dem Energiekonzept eine Neuausrichtung der deutschen Energieproduktion beschlossen. Bis 2050 soll 80 Prozent der Stromproduktion durch erneuerbare Energiequellen erfolgen [BMWI2013]. Dabei soll bis zum Jahr 2030 die Offshore-Windenergie auf eine Kapazität von 25 Gigawatt ausgebaut werden [BMU13f, S.10].

Anfang 2014 wurde von der Bundesregierung eine Reform der Ökostrom-Umlage angeregt. Die Erneuerbare-Energien-Gesetz-Umlage war von 0,41 Euro pro Kilowattstunde im Jahr 2003 auf 6,24 Euro pro Kilowattstunde im Jahr angestiegen [TAGESS14]. Ziel der Reform war es, den deutlichen Anstieg der Kosten für die Haushalte zu entschleunigen. Dazu sollten die Förderungen von erneuerbaren Energien, darunter auch Offshore-Windenergie, vermindert und der mögliche Ausbau reduziert werden. In einem Treffen von Bund und Ländern wurde ein Kompromiss beschlossen, nach dem für Offshore-Windenergie Genehmigungen für 6.500 statt der 2010 geplanten 10.000 Megawatt bis 2020 ausgegeben werden [Habl14].
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Maritime Logistik, Prof. Dr.-Ing. C. Jahn
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Einfluss von Windenergieanlagen auf Flugbetrieb und Seeschifffahrt (Stand des Wissens: 18.03.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?406585
Literatur
[BBSR14a] Brigitte Zaspel-Heisters Länderöffnungsklausel im BauGB - Länderspezifische Mindestabstände für Windenergieanlagen und ihre räumlichen Auswirkungen, 2014/05
[BMU13f] o.A. Offshore-Windenergie - Ein Überblick über die Aktivitäten in Deutschland, 2013/02
[BMWI2013] Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWI) (Hrsg.) Die Energiewende, 2013
[BWE12a] Dr. Stefan Bofinger, Doron Callies, Michael Scheibe, Yves-Marie Saint-Drenan, Dr. Kurt Rohrig Potenzial der Windenergienutzung an Land - Kurzfassung, Ausgabe/Auflage 2. Auflage, Bundesverband WindEnergie e.V. Neustädtische Kirchstraße 6 10117 Berlin, 2012/03
[BWE17] Bundesverband Windenergie (Hrsg.) Anzahl der Windenergieanlagen in Deutschland, 2017
[EWEA11a] European Wind Energy Association (Hrsg.) Wind in our Sails - The coming of Europe's offshore wind energy industry, 2011
[GWEC18] Global Wind Energy Council (Hrsg.) Global Wind Statistics 2017, 2018/02/14
[Habl14] o.A. "Ein guter Tag für die Windenergie", 2014/4/01
[TAGESS14] Thorsten Wiese EEG-Umlage - Wieso, wie hoch, warum?, 2014/01/18
[WiEu18] Annual combined onshore and offshore wind energy statistics Wind in power 2017, 2018/02
Glossar
GIS Geographical Information System (GIS); geographisches Informationssystem. GIS sind IT-Anwendungen, die sich aus Computerkartographie, raumbezogenen Datenbanken und mathematischen Modellen zusammensetzen. Hierdurch wird es möglich, unterschiedliche raumbezogene Informationen zu überlagern, gemeinsam auszuwerten und darzustellen (z. B. Bevölkerungsdichte und Verkehrsinfrastruktur). Wesentliche Anwendungsfelder liegen in der Standortplanung, Einzugsbereichsanalyse, Routenfindung, Fahrweg- und Tourenplanung sowie Fahrzeugortung und Fahrzeugführung.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?406024

Gedruckt am Sonntag, 15. September 2019 20:36:25