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Verknüpfungspunkte im ÖPNV

Erstellt am: 20.02.2013 | Stand des Wissens: 14.03.2019
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Bahnverkehr, öffentlicher Stadt- und Regionalverkehr, Prof. Dr.-Ing. R. König

Verknüpfungspunkte - auch als Übergangsstellen, Umsteigepunkte oder Verknüpfungsanlagen bezeichnet - gestatten das Umsteigen der Kunden zwischen verschiedenen Fahrzeugen, Linien oder Verkehrssystemen. Das geschickte Verknüpfen dient der möglichst direkten Kopplung mehrerer Verkehrsmittel oder Verkehrssysteme. Ziel ist die optimale Integration von Eisenbahnen, S-Bahnen, U-Bahnen, Stadtbahnen, Straßenbahnen, Bussen, Fähren und Individualverkehr zu einem Gesamtsystem mit möglichst geringen Widerständen in Form von Zeiten und Wegen für Benutzer und Betreiber [Ditte10].
Traditionelle Verknüpfungspunkte befinden sich häufig an Abzweigen, Kreuzungen und Bahnhöfen und sind oft nicht oder nur unzureichend von den Anlagen des allgemeinen Straßenverkehrs getrennt. Sicherer und bequemer sind separate Anlagen, ausgeführt als Zentralhaltestellen, Busbahnhöfe oder Stationen und Bahnhöfe mit niveaufreien Zugängen. Sie sollten nicht nur mit dem Gehwegnetz, sondern über Bike & Ride, Park & Ride, Car-Sharing und Taxi auch mit weiteren Systemen verbunden sein.
Verknüpfungspunkte lassen sich in ihrer baulichen Gestaltung nicht standardisieren, da eine Vielzahl von Faktoren - wie Lage im Straßenraum, Größe und Form der verfügbaren Fläche oder Betriebsart der zu verknüpfenden Verkehrsmittel - zu beachten sind. Für den Entwurf von Verknüpfungsanlagen gelten die Vorgaben der "Empfehlungen für Anlagen des öffentlichen Personennahverkehrs" [EAÖ03], der "Hinweise für den Entwurf von Verknüpfungsanlagen des öffentlichen Personennahverkehrs" [HVÖ09] sowie der "Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen" [RASt06]. Die darin enthaltenen Parameter können für den Bereich Businfrastruktur weitgehend direkt angewandt werden, sofern es sich nicht um Sondersituationen handelt. Um die verschiedenen örtlichen Gegebenheiten und Standards bei Schienenverkehrsanlagen richtig zu berücksichtigen, sind dort auf jeden Fall die betroffenen Verkehrs- und Infrastrukturunternehmen mit einzubeziehen [Ditte10].

In einer für die Dresdner Verkehrsbetriebe AG (DVB AG) durchgeführten Forschungsarbeit mit dem Titel "Mikroskopische Betrachtung von Umsteigepunkten im Netz der DVB AG" wurden die in Abbildung 1 dargestellten Kriterien für einen optimalen Umsteigepunkt zusammengetragen [Heyne11].

Optimum2.jpg

Abb. 1: Entwurf einer Optimalkonfiguration für Umsteigepunkte [Heyne11]
Wartezeiten sind an Verknüpfungspunkten systembedingt unabdingbar. Deshalb muss an ihnen die Akzeptanz der Fahrgäste mehr noch als an einfachen Zugangsstellen durch eine hohe Aufenthaltsqualität und durch Maßnahmen zu einem ausreichenden Sicherheitsempfinden erreicht werden. Eine Kundenzufriedenheitsbefragung im Rahmen des Schweizer Forschungsprojektes "Ausgestaltung von multimodalen Umsteigepunkten" zeigt auf, dass bei diesen Anlagen kurze, direkte und hindernisfreie Wege sowie Atmosphäre, Gestaltung und Beleuchtung wichtige Themen aus Kundensicht darstellen [Wete07].
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Bahnverkehr, öffentlicher Stadt- und Regionalverkehr, Prof. Dr.-Ing. R. König
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Zugangsstellen und -wege zum ÖPNV (Stand des Wissens: 15.03.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?409212
Literatur
[Ditte10] Dittemer, Thomas, Dr. Kloppe, Uwe, Umsteigeanlagen richtig planen, veröffentlicht in Der Nahverkehr, Ausgabe/Auflage 06/2010, Alba Fachverlag Düsseldorf, 2010/06
[EAÖ03] Wörner, Wolfgang Empfehlungen für Anlagen des öffentlichen Personennahverkehrs - EAÖ, Ausgabe/Auflage 2003, FGSV-Verlag / Köln, 2003
[Heyne11] Heyne, Nicole Mikroskopische Betrachtung von Umsteigepunkten im Netz der DVB AG, veröffentlicht in Diplomarbeit an der TU Dresden, TU Desden, 2011/12/01
[HVÖ09] Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen e.V. (Hrsg.) Hinweise für den Entwurf von Verknüpfungsanlagen des öffentlichen Verkehrs (HVÖ), FGSV Verlag / Köln, 2009, ISBN/ISSN 978-3-941790-09-4
[RASt06] Baier, Reinhold, et al. Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen - RASt 06, Ausgabe/Auflage 2006, Köln, 2007, ISBN/ISSN 978-3-939715-21-4
[Wete07] Han Van de Wetering Ausgestaltung von multimodalen Umsteigepunkten
Abschlussbericht, 2007/06/29
Glossar
Carsharing
Der Begriff CarSharing stammt aus dem Englischen (car= Auto, to share= teilen) und kann sinngemäß mit der Bedeutung "Auto teilen" übersetzt werden. Er beschreibt die organisierte, gemeinschaftliche Nutzung von Kraftfahrzeugen, die meist von Unternehmen gegen Gebühr bereitgestellt werden.
Durch einen Rahmenvertrag oder eine Vereinsmitgliedschaft erhalten Kunden flexiblen Zugriff auf alle Kfz eines Anbieters. Die Fahrzeuge können über eine Webseite oder über eine Smartphone-App gebucht werden. Geöffnet werden sie in der Regel mit Hilfe von Chipkarten oder durch ein Zugangscode vermittelt über die Smartphone-App.
Bei dem System des stationsbasierten CarSharing stehen die Fahrzeuge auf reservierten Stellplätzen und werden nach der Nutzung auch wieder dorthin zurückgebracht. Ein anderes Modell ist das free-floating CarSharing. Hier stehen die Fahrzeuge in einem definierten Operationsgebiert verteilt. Sie können per Smartphone geortet werden und nach der Nutzung auf einem beliebigen Stellplatz innerhalb des Operationsgebiets zurückgegeben werden.
ÖPNV Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV): Nach § 2 des Regionalisierungsgesetzes (RegG) wird ÖPNV definiert als die "allgemein zugängliche Beförderung von Personen mit Verkehrsmitteln im Linienverkehr, die überwiegend dazu bestimmt sind, die Verkehrsnachfrage im Stadt-, Vorort- oder Regionalverkehr zu befriedigen." Das ist im Zweifel der Fall, wenn eine Mehrzahl der Beförderungsfälle eines Verkehrsmittels die gesamte Reiseweite von 50 Kilometer oder die gesamte Reisezeit von einer Stunde nicht übersteigt. Vor dem Hintergrund der verkehrspolitisch geförderten "Multimodalität" wird der ÖPNV zunehmend breiter definiert, indem auch "alternative Bedienformen", Taxen bis hin zu öffentlichen Fahrrädern und öffentlichen Autos als Teil eines neuen individualisierten ÖPNV gesehen werden.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?405514

Gedruckt am Sonntag, 15. September 2019 18:14:38