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Aktive Mobilität durch Elektrofahrräder

Erstellt am: 27.06.2011 | Stand des Wissens: 22.08.2017
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Elektrofahrräder sind allgemein Fahrräder mit einem elektrischen Hilfsantrieb, welcher das Treten unterstützt oder auch ohne Aufbringung von Muskelkraft beschleunigen kann. In den letzten Jahren traten Elektrofahrräder zunehmend in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Vor allem vor dem Hintergrund des Klimaschutzes sowie der Verminderung von Lärm- und Feinstaubbelastung wird die Nutzung von Elektrofahrrädern diskutiert und gefördert [ADFC09a]. Sie verbinden die Vorteile des Fahrrades, wie zum Beispiel Flexibilität, geringer Flächenverbrauch sowie energie- und kostensparende Fortbewegung mit den Komforterleichterungen motorisierter Verkehrsmittel, wie der erhöhten Reichweite.

Die Nutzung von Elektrofahrrädern bietet sich besonders in Gebieten an, die örtlich oder zeitlich nicht ausreichend durch den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) erschlossen sind, in Haushalten, in denen kein Pkw im Haushalt vorhanden ist oder für Wege, die mit dem normalen Fahrrad als zu weit erscheinen. Auch für Wege mit Steigungen wird ein Potenzial gesehen. Mobilitätseingeschränkte Personen können gegebenenfalls mit Elektrofahrrädern ihre Mobilität und Unabhängigkeit verbessern [ADFC10a, BUWAL04].

An Orten, wo Elektrofahrräder gefördert werden, ist das vorrangige Ziel die Substitution von Pkw-Fahrten. Dies kann unter anderem in Betrieben und Behörden, wie Pflegediensten, Boten, Polizei oder Post erreicht werden, indem auf Elektrofahrräder umgestiegen wird. Nicht nur Umweltschutzargumente sprechen dafür, sondern auch die Verringerung der Kosten (zum Beispiel für Pkw-Haltung und -Nutzung) oder die flexiblere Erreichbarkeit von Zielen in Fußgängerzonen. Auch im Tourismusbereich kann ein Anstieg von Radreisen mit Elektrofahrrädern beobachtet werden [ADFC09a; ADFC10a; Weiz09].

Dabei ist die Zunahme des Verkehrs mit Elektrofahrrädern in Teilen durchaus problematisch, da sowohl die verkehrsrechtlichen Regelungen als auch die infrastrukturellen Voraussetzungen noch zu wenig darauf ausgelegt sind. So werden bei zunehmender Anzahl an Elektrofahrrädern durch die schwereren Fahrräder, die höheren Geschwindigkeiten und Beschleunigungen zum Teil erhebliche Sicherheitsdefizite und Konflikte erwartet.

Diese betreffen insbesondere Konflikte mit Fußgängern und anderen Radfahrern. Erste Untersuchungen, zum Beispiel durch die Unfallforschung der Versicherer (UdV), zeigen jedoch, dass bislang kein erhöhtes Unfallrisiko im Vergleich zu einem normalen Fahrradfahrer besteht. Allerdings ist erst seit dem 01.01.2014 eine deutschlandweite systematische Erfassung von Pedelecs bei der Unfallaufnahme möglich [StBA16a]. Davor wurden sie wahlweise Kleinkrafträdern Mofas oder Fahrrädern zugeordnet.

Weiterhin sind höhere Anforderungen bezüglich Dimensionierung und Beanspruchung der Bauteile sinnvoll, da das Fahrzeug durch das Antriebsgewicht sowie die höheren Geschwindigkeiten und Bremskräfte höher belastet wird [ADFC09a, Bran11, UDV14].

 
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Aktive Mobilität durch Elektrofahrräder (Stand des Wissens: 26.07.2017)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?355633
Literatur
[ADFC09a] ADFC-Information zu Pedelecs und E-Bikes, Bremen, 2009/12
[ADFC10a] Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club (ADFC) ADFC-Information zu Pedelecs und E-Bikes - Neuauflage, Ausgabe/Auflage Neuauflage, Bremen, 2010/08
[Bran11] Brandenstein, K. Crashtests zeigen hohe Unfallrisiken durch Elektrofahrräder , Berlin, 2011/04/07
[BUWAL04] Hofmann H., Haefeli U., Meier-Eisenmann E., Moreni G., Schwegler, U. Elektro-Zweiräder: Auswirkungen auf das Mobilitätsverhalten, veröffentlicht in Umwelt-Materialien Nr. 173. Luft, Bern, 2004
[StBA16a] Statistisches Bundesamt Fachserie 8 Reihe 7 Verkehrsunfälle, 2015
[UDV14] Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V. Unfallforschung der Versicherer, Katja Schleinitz (TU Chemnitz), Luise Franke-Bartholdt (TU Chemnitz), Tibor Petzoldt (TU Chemnitz), Stefan Schwanitz (TU Chemnitz), Tina Gehlert (UDV), Matthias Kühn (UDV) Pedelec-Naturalistic Cycling Study, 2014/08
[Weiz09] Energieregion Weiz-Gleisdorf GmbH Mobilitäts- und Marketingkonzept für den Pedelec Einsatz in der Energieregion Weiz-Gleisdorf, Weiz, 2009/04
Glossar
Pkw
Personenkraftwagen (Pkw): Pkw sind nach der Richtlinie 70/156/EWG Fahrzeuge mit mindestens vier Rädern und dienen der Beförderung von maximal 9 Personen (inklusive Fahrzeugführer). Pkw dürfen nur auf den dafür vorgesehenen Verkehrsflächen geführt werden.
ÖPNV Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV): Nach § 2 des Regionalisierungsgesetzes (RegG) wird ÖPNV definiert als die "allgemein zugängliche Beförderung von Personen mit Verkehrsmitteln im Linienverkehr, die überwiegend dazu bestimmt sind, die Verkehrsnachfrage im Stadt-, Vorort- oder Regionalverkehr zu befriedigen." Das ist im Zweifel der Fall, wenn eine Mehrzahl der Beförderungsfälle eines Verkehrsmittels die gesamte Reiseweite von 50 Kilometer oder die gesamte Reisezeit von einer Stunde nicht übersteigt. Vor dem Hintergrund der verkehrspolitisch geförderten "Multimodalität" wird der ÖPNV zunehmend breiter definiert, indem auch "alternative Bedienformen", Taxen bis hin zu öffentlichen Fahrrädern und öffentlichen Autos als Teil eines neuen individualisierten ÖPNV gesehen werden.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?355277

Gedruckt am Mittwoch, 22. Mai 2019 20:42:09