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Rahmendaten zu Elektrofahrrädern

Erstellt am: 27.06.2011 | Stand des Wissens: 26.07.2017
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Entwicklung

Die Idee, das Fahrrad zu motorisieren, existiert bereits seit der Erfindung des Fahrrads selbst. Bereits in den 1890ern wurden erste Patente für ein elektrisch angetriebenes Fahrrad eingereicht [Libb1897]. Als einer der ersten in Serie entwickelten Elektrofahrräder wurden von der Firma Fichtel & Sachs die "Saxonette" mit einem Motor an der Hinterradnabe produziert.

Ein Pedelec, bei dem nur das Treten unterstützt wird, gibt es seit den 1980ern [Gel85]. Das Unternehmen Velocity brachte mit dem "Dolphin" das erste Pedelec in Serie heraus [Boll10].

1972 produzierte die Firma Solo ihr Elektrozweirad "Electra" in großer Stückzahl und verkaufte es auf Grund der Ölkrise absatzstark. Beide Elektrofahrräder wurden jedoch nach kurzer Markteinführung nicht mehr produziert. Die Akkus waren zu groß und zu schwer und konnten nicht über längere Zeit Energie speichern, sodass die Reichweite nur auf wenige Kilometer begrenzt war. Das Fahren mit Elektrofahrrädern wurde damit zunächst unattraktiv [Belz06].

Mit den knapper werdenden Energieressourcen setzte ein Umdenken bei Produzenten und Verbrauchern ein. 1990 entwickelte der Fahrradhersteller Hercules in Deutschland unter Mitarbeit der TU Berlin und der Firma Sachs das Elektrofahrrad Hercules Electra (EFA). Für dieses Elektrofahrrad konnte der Hersteller Hercules 1990 die Leichtmofaverordnung durchsetzen. Das Modell ging in Serie und wurde über 19.000 Mal verkauft [Boll10].

Die Entwicklung von Akku- und Brennstoffzellen wurde in den 1990er Jahren stark vorangetrieben. Hersteller wie Swissbee, Yamaha oder Swiss Flyer haben sich am Markt mit neuen Technologien durchgesetzt. Yamaha entwickelte 1994 die PAS Technologie (Power Assist System) und legte damit den Grundstein für die heutigen Elektrofahrräder [Belz06; Boll10].

Verkaufszahlen

Asien
spielt bislang eine Vorreiterrolle bei der großflächigen Einführung von Elektrofahrrädern. China hat dabei den weltweit größten Markt, wobei dort vor allem E-Bikes dominieren. Das sehr hohe Verkaufsvolumen liegt darin begründet, dass in allen Städten Mopeds und Scooter mit Verbrennungsmotoren verboten sind und Elektrofahrräder nun eine nahe liegende Alternative darstellen [Roet10].

Im Jahr 2013 wurden in China zirka 37 Millionen Elektrofahrräder hergestellt [EWBR16]. Gleichzeitig kauft China mit 36,8 Millionen Elektrofahrrädern 92 Prozent der Weltproduktion [Fish16].

Der Marktanteil von Elektrofahrrädern in China stagniert jedoch. In den letzten drei Jahren wurden dort im Durchschnitt 20 bis 25 Millionen Elektrofahrräder pro Jahr verkauft. Der japanische Markt wird von Pedelecs dominiert. Im Jahr 2015 wurden in Japan etwa 440.000 Pedelecs verkauft [Fish16].

In Europa stiegen die Verkaufszahlen von zirka 100.000 im Jahr 2006 auf etwa 1,4 Millionen Elektrofahrräder im Jahr 2015. Mit etwa 40 Prozent werden die meisten Elektrofahrräder in Deutschland verkauft. Jedoch wird jedes 5. Elektrofahrrad in Holland verkauft, sodass Elektrofahrräder dort annähernd 30 Prozent aller verkauften Fahrräder ausmachen [CON16].

Drei Prozent der Niederländer über 12 Jahren besitzen ein Pedelec, das unmittelbare Potenzial wird auf 8 Prozent geschätzt [Weiz09].

In Deutschland ist die Anzahl der verkauften Elektrofahrräder von 25.000 (2005) auf 605.000 (2016) angestiegen. Damit war 2016 etwa jedes 7. gekaufte Fahrrad ein Elektrofahrrad. Der Bestand an Elektrofahrrädern wird 2016 auf etwa 3 Millionen geschätzt ([ZIV17], [ZIV05]).
Bestand Pedelecs.pngAbbildung 1: Verkauf von Elektrofahrrädern in Deutschland nach [ZIV17], [ZIV05]

Cityräder (45 Prozent), Trekkingräder (35 Prozent) und Mountainbikes (15 Prozent) waren 2016 die meistverkauften Modellgruppen an Elektrofahrrädern in Deutschland [ZIV17].


Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Aktive Mobilität durch Elektrofahrräder (Stand des Wissens: 26.07.2017)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?355633
Literatur
[ADFC09a] ADFC-Information zu Pedelecs und E-Bikes, Bremen, 2009/12
[Belz06] Belz, P., Guder, C. KOMPAS Elektrorad, Weimar, 2006
[Boll10] Bollschweiler, M., Smolik, C., Ziese, V. Das Elektrorad - Typen, Techniken, Trends, Ausgabe/Auflage 1. Auflage, BA Bielefelder Verlag / Bielefeld, 2010
[CON16] Confederation of the European Bicycle Industry European Bicycle Market
2016 edition, 2016/07
[EWBR16] Frank Jamerson, Ed Benjamin Electric Bikes Worldwide Reports, 2016
[Fish16] Elliot Fishman, Christopher Cherry E-bikes in the Mainstream: Reviewing a Decade of Research, veröffentlicht in Transport Reviews , Ausgabe/Auflage 36/1, 2016, Online-Referenz doi:10.1080/01441647.2015.1069907
[Gel85] Egon Gelhard Patent US 4541500 "Bicycle, in particular with an electromotor", 1985
[Hrk2010] Hrkac, D. Marktbetrachtung Elektrofahrräder 1, 2010
[Libb1897] Iiosea W. Libbet Patent US596272 A "Electric bicycle", 1997
[Roet10] Roetynck, A. PRESTO Cycling Policy Guide Electic Bicycles, 2010/02
[Schär09] Schär, K. Elektrofahrräder, 2009
[VCD09] Verkehrsclub Deutschland (VCD) e. V. VCD Position Pedelecs, Berlin, 2009/06
[Weiz09] Energieregion Weiz-Gleisdorf GmbH Mobilitäts- und Marketingkonzept für den Pedelec Einsatz in der Energieregion Weiz-Gleisdorf, Weiz, 2009/04
[Yang11] Yang, M. Survey of the LEV market and its trends, 2011
[ZIV05] Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) ZIV Jahresbericht 2005, 2005
[ZIV17] Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) ZIV Jahresbericht 2017, 2016
Glossar
Pedelec
Pedelec (Pedal Electric Cycle) ist ein Begriff für Elektrofahrräder, bei welchen der Fahrer vom Elektroantrieb unterstützt wird, wenn dieser in die Pedale tritt. Das Fahrrad kommt hierbei auf eine Leistung von bis zu 250 Watt, wodurch eine Geschwindigkeit von bis zu 25 Kilometer pro Stunde erreicht werden kann.
Laut § 1 Absatz 3 des Straßenverkehrsgesetztes (StVG) sind Pedelecs mit dieser Leistung einem Fahrrad rechtlich gleichgestellt.
Bei schnellen Pedelecs (S-Klasse) ist dies nicht der Fall. Diese zählen zu den Kleinkrafträdern und können bei einer maximal erlaubten Nenn-Dauerleistung von 500 Watt eine Geschwindigkeit von bis zu 45 Kilometern pro Stunde erreichen. Deshalb sind für diese eine Zulassung sowie ein Versicherungskennzeichen notwendig.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?355160

Gedruckt am Freitag, 5. Juni 2020 01:13:20