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Klimawandel als externer Effekt

Erstellt am: 25.03.2011 | Stand des Wissens: 20.09.2018
Ansprechpartner
Technische Universität Berlin, Fachgebiet Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik (WIP) - Prof. Dr. v. Hirschhausen, Prof. Dr. Beckers

Aus ökonomischer Sicht kann der anthropogene Klimawandel als ein externer Effekt und das globale Klima als ein öffentliches Gut bezeichnet werden (vgl. Stern [Ster07c]).

Die Emittenten der Treibhausgase, die als Verursacher der Klimaerwärmung gelten, tragen nicht die volkswirtschaftlichen Folgekosten ihrer Aktivitäten. Die CO2-Emissionen, die durch den Verkehr, bei der Erzeugung von Elektrizität, in industriellen Prozessen oder durch Brandrodung freigesetzt werden, erhöhen langfristig die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre und daher sind ihre Folgen bis weit in die Zukunft zu spüren. Damit ist der Klimawandel vor allem auch ein intertemporaler externer Effekt, d.h. die Folgekosten heutiger Emissionen werden zu großen Teilen von zukünftigen Generationen getragen.

Neben der zeitlichen Dimension fallen auch in räumlicher Hinsicht Hauptverursacher und Hauptbetroffene des Klimawandels auseinander. Zwar werden überall Treibhausgase emittiert und überall werden die Folgen des Klimawandels zu spüren sein, aber bisher waren vor allem die Industrieländer des Nordens die Hauptemittenten von Klimagasen, während die Folgen vor allem in den Entwicklungs- und Schwellenländer der südlichen Hemisphäre zu spüren waren. Was eine Internalisierung der Klimaexternalität zusätzlich erschwert, ist das erhebliche Maß an Unsicherheit hinsichtlich der physikalischen Wirkzusammenhänge als auch der volkswirtschaftlichen Konsequenzen. Insbesondere die Gefahr von katastrophalen, irreversiblen Konsequenzen (beispielsweise das Erliegen des Nordatlantikstroms oder ein massiver Anstieg des Meeresspiegels infolge des Abschmelzens der Polkappen) macht eine monetäre Bewertung sehr schwierig. Zudem lässt sich mit der Gefahr nicht-marginaler Folgeschäden eine konsequente Klimapolitik mit verbindlichen Emissionsobergrenzen rechtfertigen. Ein Einstieg in die Internalisierung der externen Klimakosten ist in den letzten Jahren erfolgt, z.B. mittels des europäischen Emissionshandelssystems EU ETS.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass der Klimawandel sich von anderen Externalitäten, wie z.B. externe Effekte durch Lärm durch eine Reihe von Eigenschaften unterscheidet. Diese sind:
  • Seine Ursachen und Folgen sind globaler Natur.
  • Die Verursacher sind gleichzeitig auch Betroffene, jedoch in unterschiedlichem Maße.
  • Verursachung (Treibhausgasemission) und Folgen (Klimaerwärmung) fallen zeitlich auseinander.
  • Es herrschen große Unsicherheiten sowohl hinsichtlich der physikalischen Wirkzusammenhänge als auch der volkswirtschaftlichen Konsequenzen.
  • Es besteht die Gefahr unabsehbarer, katastrophaler Folgeschäden.
Ansprechpartner
Technische Universität Berlin, Fachgebiet Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik (WIP) - Prof. Dr. v. Hirschhausen, Prof. Dr. Beckers
Literatur
[Ster07c] Stern, Nicholas The Economics of Climate Change: The Stern Review, Cambridge University Press, Cambridge, 2007
Glossar
Treibhausgase Diese in der Atmosphäre sich befindlichen Gase verhindern, dass langwellige Infrarotstrahlung auf direktem Weg von der Erdoberfläche ins Weltall gelangt. Sie verhalten sich wie Glasscheiben eines Treibhauses und heizen die Atmosphäre auf. Natürliche Treibhausgase:
  • Wasserdampf
  • Kohlendioxid
  • Ozon
  • Methan
  • Stickoxid
Vom Menschen gemachte Treibhausgase:
  • FKW
  • HFKW
  • FCKW
  • SF6
CO2 Kohlenstoffdioxid. Ein Gas, welches zu ca 0,4% in der Erdatmosphäre vorkommt, bildet den Grundstock für pflanzliches Leben und pflanzliche Biomasse. Es entsteht z.B. bei der Verbrennung (Oxidation) von Kohlenstoff mit Sauerstoff. Durch seine Wirkung als Treibhausgas und der massiven Freisetzung bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe ist es mit hoher Wahrscheinlichkeit der Auslöser des Klimawandels.
EU-Emissionshandelssystem Das EU-Emissionshandelssystem (EU ETS) ist ein 2003 vom Europäischen Rat und dem Europäischen Parlament beschlossenes marktwirtschaftliches Instrument, die im Kyoto-Protokoll gesetzten Klimaschutzziele zu erreichen. Anlagenbetreiber (zur Zeit sind etwa 11.000 Fabriken und Kraftwerke erfasst) müssen bei Überschreiten der ihnen fest vorgegebenen Emissionsberechtigungen Strafen bezahlen (100 Euro pro Tonne CO2), sofern keine Zertifikate zur Tilgung vorgelegt werden können. Diese Zertifikate vergeben solche Betreiber, die die o.g. Grenzwerte unterschritten haben. Die Nachweispflicht liegt in jedem Fall bei dem Anlagenbetreiber.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?345779

Gedruckt am Mittwoch, 19. Dezember 2018 14:35:53