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Barrieren gegen den Markteintritt potentieller Konkurrenten

Erstellt am: 24.03.2010 | Stand des Wissens: 16.12.2019
Ansprechpartner
Bauhaus-Universität Weimar, Professur Infrastrukturwirtschaft und -management - Prof. Dr. Thorsten Beckers

Für die Bewertung von Wettbewerbspotenzialen bei Flughäfen sind Markteintrittsbarrieren von besonderer Bedeutung. Wenn keine Markteintrittsbarrieren bestehen, sind selbst bei Vorliegen von Subadditivität die Möglichkeiten des Anbieters - unabhängig von der Ausprägung der Nachfragecharakteristika (wie der Existenz von Substitutionskonkurrenz) - begrenzt, durch entsprechende Preissetzung Überrenditen zu erzielen; potenzielle Konkurrenz schränkt den Preissetzungsspielraum ein [Zur Theorie der bestreitbaren Märkte vgl. Baum88]. Bei Flughäfen bestehen zwei Formen von Markteintrittsbarrieren, die Marktmacht verstärken:
  • Versunkene Kosten: Ein erheblicher Teil der Infrastruktur eines Flughafens ist durch eine hohe Faktorspezifität gekennzeichnet, so dass ein Großteil der Investitionen in die Infrastruktur irreversibel ist und versunkene Kosten (sunk costs) darstellt [Vgl. Mali06a, S. 146 ff.]. Beispielhaft seien Flugbetriebsflächen oder Terminals angeführt. Allenfalls für potenzielle Newcomer-Flughäfen, die aufgrund einer früheren militärischen Nutzung bereits über ausreichende Flugbetriebsflächen verfügen, können die zu versenkenden Kosten geringer ausfallen. Doch selbst für die Schaffung adäquater Terminal-Kapazitäten ist in der Regel das Ausmaß notwendiger irreversibler Investition nicht zu verachten.
  • Institutionelle Markteintrittsbarrieren: Neben hohen versunkenen Kosten existieren im Bereich von Flughäfen weitere Markteintrittsbarrieren institutioneller Natur. Der Neubau oder wesentliche Kapazitätserweiterungen bestehender Flughäfen, insbesondere der Neubau von Start- bzw. Landebahnen, gehen mit langwierigen Planungsphasen, Raumordnungsverfahren, Umweltverträglichkeitsprüfungen und Planfeststellungsverfahren einher [Vgl. Mali06a, S. 148 ff. und Neus08, S. 99 f.]. Auch für die Konversion ehemaliger Militär- in Zivilflughäfen sind signifikante institutionelle Markteintrittsbarrieren zu überwinden, wenngleich diese grundsätzlich geringer sind als bei einem Neubau von Flughäfen. Für die zivile (Um-)Nutzung eines Flughafens ist u. a. eine entsprechende Änderungsgenehmigung erforderlich, deren Erteilung einem (unsicheren) politischen Entscheidungsprozess unterliegt.
Die Analyse der Marktzutrittsschranken hat gezeigt, dass ein Markteintritt im Flughafensektor zum einen mit sehr hohen (versunkenen) Kosten einhergeht und zum anderen mit erheblichen institutionellen Barrieren verbunden ist, die zumindest kurz- und mittelfristig in der Regel prohibitiv hoch sind. Allenfalls für die Konversion von ehemaligen Militär- in Zivilflughäfen können bei einer kurz- bzw. mittelfristigen Betrachtung die Markteintrittsbarrieren hinreichend gering sein. Allerdings besitzen derartige potenzielle Newcomer-Flughäfen oftmals eine ungünstige geographische Lage hinsichtlich ihres Einzugsgebiets und verfügen über eine relativ schlechte Straßen- bzw. Schienenverkehrsanbindung [Vgl. Neus08, S. 100]. Dementsprechend sind solche Newcomer-Flughäfen in der Regel lediglich für bestimmte (Nachfrage-)Segmente geeignet, die insbesondere von Low-Cost-Fluggesellschaften bedient werden.
Ansprechpartner
Bauhaus-Universität Weimar, Professur Infrastrukturwirtschaft und -management - Prof. Dr. Thorsten Beckers
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Marktmacht bei Flughäfen (Stand des Wissens: 16.12.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?299489
Literatur
[Baum88] Baumol, W. J., Panzar, J. C., Willig, R. D. Contestable markets and the Theory of Industry Structure, Harcourt College Pub. New York, 1988
[Mali06a] Malina, R. Potentiale des Wettbewerbs und staatlicher Regulierungsbedarf von Flughäfen in Deutschland, Vanderhoeck&Ruprecht Göttingen, 2006
[Neus08] Neuscheler, T. Flughäfen zwischen Regulierung und Wettbewerb - Eine netzökonomische Analyse, Nomos Baden-Baden, 2008

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?299267

Gedruckt am Mittwoch, 14. April 2021 19:16:11