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Nord-Ostsee-Kanal

Erstellt am: 28.08.2007 | Stand des Wissens: 31.08.2018
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Technische Universität Hamburg, Institut für Maritime Logistik, Prof. Dr.-Ing. C. Jahn

Der Nord-Ostsee-Kanal (NOK) wurde im Jahr 1895 unter dem Namen Kaiser-Wilhelm-Kanal eröffnet und 1948 in Nord-Ostsee-Kanal umbenannt (im internationalen Sprachgebrauch Kiel-Canal). Er führt von Brunsbüttel an der Unterelbe über eine Länge von 98,637 Kilometer nach Kiel-Holtenau und ist die meistbefahrene künstliche Wasserstraße der Welt. Ohne Berücksichtigung der Sport- und sonstigen Kleinfahrzeuge befuhren den Kanal im Jahr 2015 durchschnittlich 88 Schiffe/Tag (32.091 Schiffe insgesamt) Die entspricht einem Minus gegenüber dem Vorjahr von 1,5 Prozent (31.114 Schiffe in 2014) [MAR16]. 

An den Mündungen ist der NOK durch Schleusenbauwerke vor Wasserspiegelschwankungen geschützt. Transporte durch den Kanal erfolgen zumeist mit Feederschiffen im Zubringerdienst, von und zu den großen Überseehäfen der Nordrange, wobei die häufig im Liniendienst fahrenden Schiffe von einem enormen Zeitvorteil gegenüber dem Weg um Kap Skagen in die Ostsee profitieren [Flot10, S. 49]. Beispielhaft beträgt die Streckenersparnis der Fahrt von Rotterdam nach Kleipeda durch den NOK anstatt um Kap Skagen 183 Seemeilen [NOK12]. Die Passagekosten des NOK sind unter anderem abhängig von der Lotsenannahmepflicht, der Bruttoraumzahl (BRZ) und den Abmessungen/dem Tiefgang des Schiffes. Als Gesamtsumme kann sich ein Wert aus Lotsgeldern, Lotsabgaben, Befahrungsabgaben und Kanalsteuer ergeben, welcher sich um Passagekosten der Elbe und Kieler Förde erhöht. Tabelle 1 verdeutlicht die verschiedenen Schiffstypen im Handelsverkehr in den Jahren 2014 und 2015.
Nord-Ostsee-Kanal Verkehr.PNGAbb. 1: Gesamtverkehr auf dem Nord-Ostsee-Kanal nach Schiffstypen (eigene Darstellung nach [MAR16, S. 54])

Um die anfallenden Sanierungen an den Schleusen durchführen zu können, ist eine weitere Schleuse notwendig, die den Verkehr auffangen wird. Auch die Schiffsabfertigung könnte bei Gebrauch aller Schleusen beschleunigt und anfallende Wartezeiten vermindert werden. Nach jahrelanger Diskussion wurde 2012 der erste Spatenstich für eine 5. Schleusenkammer in Brunsbüttelgesetzt [BMVB12]. Das Projekt mit einem Investitionsvolumen von 375 Millionen Euro ist seit April 2013 europaweit ausgeschrieben. Allerdings werden Mehrkosten in Höhe von 100 Millionen Euro erwartet. Die Vergabe war im April 2014 durchgeführt worden, mit einer Fertigstellung wird 2020 gerechnet [NDR14]. Durch Kampfmittelräumung und technische Probleme sind jedoch Verzögerungen von etwa einem halben Jahr angefallen. Nachdem zunächst an der Fertigstellung 2020  weiter festgehalten wurde, hat sich die Bauzeit mittlerweile weiter verzögert.[NDR15]. Experten gehen derzeit erst von einer Fertigstellung im Jahr 2025 aus [WELT18].
In Kiel Holtenau ist statt einer Sanierung ebenfalls ein Neubau der beiden seit 2014 wegen Einsturzgefahr gesperrten Schleusenkammern geplant. Die Kosten für den Abriss und Neubau in Höhe von 240 Millionen Euro trägt der Bund. Die Finanzierungszusage erfolgte im März 2016. Mit dem Beginn der Bauarbeiten ist frühestens 2018 zu rechnen [KN16]. Die neue, modernere Schleusenanlage mit ihren vier Kammern soll spätestens 2030 fertiggestellt werden [SHZ16].
Zurzeit können Schiffe mit den maximalen Abmessungen Länge / Breite / Tiefgang in Meter 235 Meter / 32,5 Meter / 7,0 Meter beziehungsweise 175 Meter / 24,0 Meter / 9,5 Meter den Kanal befahren, zukünftig sollen es 235 Meter / 32,5 Meter / 9,5 Meter sein [Flot10, S. 51].

Wesentliche Parameter des NOK lauten zusammengefasst [Flot10, S. 49;NOK12]:
  • Länge: 98,637 Kilometer
  • Breite im Wasserspiegel: 162 Meter (im Regelprofil von Kilometer 80 bis Kilometer 98 nur 102,5 Meter)
  • Breite in der Sohle: 90 Meter (im Regelprofil von Kilometer 80 bis Kilometer 98 nur 44 Meter)
  • Wassertiefe: 11 Meter
  • Alte Schleusen
    Nutzlänge: 125 Meter
    Nutzbreite: 22 Meter
    Drempeltiefe: in Brunsbüttel NN-10,20 Meter, in Kiel-Holtenau NN-9,80 Meter
    Stemmtore: je Kammer 2 Ebbe- und 2 Fluttore
    Füllung: durch 2 Seitenkanäle mit je 12 Stichkanälen
    Schleusungszeit: 30 Minuten
  • Neue Schleusen
    Nutzlänge: 310 Meter
    Nutzbreite: 42 Meter
    Drempeltiefe: NN-14,00 Meter
    Stemmtore: je Kammer 3 Tore; das Mitteltor, zugleich Reservetor,
    ermöglicht in einer verkürzten Kammer eine schnellere Schleusung
    Füllung: in Brunsbüttel durch Torumläufe, in Holtenau durch 2
    Seitenkanäle mit je 29 Stichkanälen
    Schleusungszeit: 45 Minuten
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Maritime Logistik, Prof. Dr.-Ing. C. Jahn
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Maritimer Ostseeverkehr (Stand des Wissens: 31.08.2018)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?408577
Literatur
[BMVB12] o.V. Erster Spatenstich für Neubau der 5. Schleusenkammer in Brunsbüttel, 2012/04/17
[Flot10] Flottenkommando Jahresbericht 2010 - Fakten und Zahlen zur maritimen Abhängigkeit der Bundesrepublik Deutschland, Ausgabe/Auflage 23. Auflage, Glücksburg, 2010/09
[KN16] Kieler Nachrichten (Hrsg.) Bund baut neue Schleusen in Kiel, 2016/03/05
[MAR16] Marinekommando (Hrsg.) Jahresbericht 2016: Fakten und Zahlen zur maritimen Abhängigkeit der Bundesrepublik Deutschland, 2016/11/21
[NDR14] o.A. Brunsbüttel: Neue Schleuse in sechs Jahren, 2014/02/28
[NDR15] Schleuse Brunsbüttel: Arbeiten hinter Zeitplan, 2015/09/03
[NOK12] Kiel-Canal-Info Schiffsverkehr der Jahre 1996 bis 2011 im Trend , 2012
[SHZ16] Udo Carstens Teure Verjüngungskur für die Schleusen in Holtenau, 2016/04/27
[WELT18] Birger Nicolai Europas größte Wasserbaustelle wird zum nächsten BER, 2018/02/28

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?234762

Gedruckt am Freitag, 24. Mai 2019 07:51:01