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Qualitätsindikatoren für die Umweltaspekte des Fußgängerverkehrs

Erstellt am: 24.07.2007 | Stand des Wissens: 14.04.2016
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Der Fußgängerverkehr hat, verglichen mit allen anderen Verkehrsmitteln, die geringsten Umweltauswirkungen. Die Fortbewegung ohne technische Hilfsmittel verursacht (praktisch) keine Emissionen. Nur bei der Herstellung und Instandhaltung der Fußgängerverkehrsinfrastrukturanlagen werden Ressourcen verbraucht. Darüber hinaus verursacht der Fußgängerverkehr keinen Lärm und seine Anlagen benötigen nur einen Bruchteil der Flächen, die andere Verkehrsteilnehmer beanspruchen.

Substitutionen von Pkw-Fahrten durch Fußwege ermöglichen eine Reduktion von schädlichen Umweltauswirkungen des Kfz-Verkehrs. Darüber hinaus werden gleichzeitig erschöpfbare Energieressourcen geschont [UBA06].

In [UBA05d] werden zwar keine direkt messbaren Indikatoren für Fußgänger in Bezug auf umweltschädliche Belastungen genannt, aber eine Förderung des Fußgängerverkehrs trägt meistens direkt dazu bei, dass bei den nachfolgenden Indikatoren eine Verbesserung eintritt [UBA05d]:
  • Anteil der Einwohner mit andauernder Verkehrslärmbelastung von mehr als 65 Dezibel (dB(A)) tagsüber (oder als zweites Kriterium: mehr als 55dB(A) nachts) als Schwellenwert für Gesundheitsgefährdungen, bezogen auf die Gesamtzahl der Einwohner in % (Indikator Lärm),
  • Anteil der Einwohner mit einer kritischen Schwebstaubbelastung (PM 10), bezogen auf die Gesamtzahl der Einwohner in % (Indikator Luftschadstoffe),
  • Straßenfläche pro Einwohner (Indikator Flächenverbrauch) und
  • Anteil der gemeldeten Pkw pro 1.000 Einwohner (Indikator Energieverbrauch im Motorisierten Verkehr)
  • Anzahl der Carsharingteilnehmer pro 1.000 Einwohner, verglichen im Zeitverlauf bzw. in Relation der Carsharingteilnehmer zum Motorisierungsgrad der Einwohner (Indikator Energieverbrauch im motorisierten Verkehr).
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Monitoring des Nichtmotorisierten Verkehrs (Stand des Wissens: 10.12.2018)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?493403
Literatur
[UBA05d] BSV Büro für Stadt- und Verkehrsplanung Dr.-Ing. Reinhold Baier GmbH, Schäfer, Karl-Heinz Qualitätsziele und Indikatoren für eine nachhaltige Mobilität - Anwenderleitfaden, veröffentlicht in Mensch-Stadt-Verkehr-Umwelt, 2005
[UBA06] Krause, Juliane, Dipl-Ing. (plan & rat), Hildebrandt, Edzard, Dipl.-Ing. (PGV) Modellvorhaben "Fußgänger- und fahrradfreundliche Stadt" - Chancen des Fuß- und Radverkehrs als Beitrag zur Umweltentlastung, veröffentlicht in Texte 28/05, 2006/1, ISBN/ISSN 0722-186X
Glossar
Pkw
Personenkraftwagen (Pkw): Pkw sind nach der Richtlinie 70/156/EWG Fahrzeuge mit mindestens vier Rädern und dienen der Beförderung von maximal 9 Personen (inklusive Fahrzeugführer). Pkw dürfen nur auf den dafür vorgesehenen Verkehrsflächen geführt werden.
dB(A) Messgröße des A-bewerteten Schalldruckpegels zur Bestimmung von Geräuschpegeln. Die dB-Skala ist logarithmisch aufgebaut, d. h. eine Verdoppelung der Lärmintensität führt zu einer Erhöhung um 3 dB. Das menschliche Ohr empfindet eine Erhöhung um 10 dB als Verdoppelung der Lautstärke. Hierzu ist eine Schallintensitätsverzehnfachung erforderlich. Der Zusatz "(A)" gibt an, dass dem betreffenden Messergebnis die standardisierte A-Berwertungskurve zugrunde liegt. Sie berücksichtigt einen nichtlinearen frequenz- und pegelabhängigen Zusammenhang zwischen subjektiv wahrgenommenem Läutstärkepegel und vorliegendem Schalldruckpegel. So empfindet das menschliche Gehör bspw. mittlere Frequenzen im Vergleich zu niedrigen Frequenzgängen als wesentlich lauter, weshalb die Einheit dB(A) entsprechende Tonhöhen stärker gewichtet. Ein gesundes Ohr kann bereits einen Schalldruck von 0 dB (A) wahrnehmen (Hörschwelle), bei Werten über 120 dB (A) wird die Geräuschbelastung unerträglich laut (Schmerzgrenze). Eine Langzeiteinwirkung von über 85 dB(A) zieht u. U. dauerhafte Gehörschäden nach sich.
Instandhaltung Im Kontext des Erhaltungsmanagements bezeichnen die Begiffe "Instandhaltung" und "bauliche Unterhaltung" bauliche Maßnahmen kleineren Umfangs zur Substanzerhaltung von Verkehrsflächen, die mit geringem Aufwand in der Regel sofort nach Auftreten eines örtlich begrenzten Schadens ausgeführt werden.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?231893

Gedruckt am Samstag, 19. Oktober 2019 01:35:47