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Qualitätsindikatoren für den Fußgängerverkehr

Erstellt am: 12.07.2007 | Stand des Wissens: 14.04.2016
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Der Fußgängerverkehr wird ähnlich wie der Radverkehr bisher in der Planungspraxis häufig noch den Anforderungen des Motorisierten Individualverkehrs (MIV) untergeordnet. Daher existieren auch nur wenig allgemein anerkannte Kriterien und Indikatoren, die sich mit der Qualität des Fußgängerverkehrs beschäftigen.

Im Gegensatz zum Radverkehr stellt das [HBS01] für den Fußgängerverkehr einen Nachweis zur Verfügung, mit dem bewertet werden kann, ob eine Fußgängerverkehrsanlage die zu erwartende Fußgängerverkehrsstärke mit der gewünschten Qualität abwickeln kann. Allerdings ist das Verfahren nur bei einer hohen Nachfrage im längsgerichteten Fußgängerverkehr anwendbar. Ansonsten soll so geplant werden, dass in Übereinstimmung mit den einschlägigen Entwurfsrichtlinien ausreichende Bewegungsmöglichkeiten für Fußgänger gewährleistet werden. In [FGSV02c] werden Empfehlungen für die Dimensionierung von Fußgängerverkehrsanlagen gegeben. Darüber hinaus sind in der neuen [RASt06] die Entwurfsempfehlungen für den Fußgängerverkehr berücksichtigt. Als Hauptziel bei der Planung und dem Entwurf von Stadtstraßen wird die Verträglichkeit der Nutzungsansprüche untereinander und mit den Umfeldnutzungen betrachtet. Im Vergleich zu früheren Planungen werden die Fußgänger heute stärker berücksichtigt. Während früher zunächst ein ausreichend breiter Querschnitt für den MIV angestrebt wurde und Fußgänger- sowie Radverkehrsanlagen im verbleibenden Rest untergebracht werden mussten, wird nach [RASt06] eine "gerechtere" Aufteilung angestrebt. Das Verfahren der "Städtebaulichen Bemessung" wurde eingeführt. Nach diesem werden die Abmesungen der befahrenen Flächen den notwendigen Abmessungen für die Seitenräume gegenübergestellt. Unter befahrenen Flächen werden dabei die Fahrbahn, Sonderfahrstreifen des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) und Radverkehrsanlagen auf Fahrbahnniveau verstanden (vgl. Abb. 1) [RASt06].

RASt06-21.jpgAbb. 1: Prinzip der Städtebaulichen Bemessung [RASt06, S. 21]

Der Anwenderleitfaden [UBA05d] gibt Qualitätsziele, Leitlinien und Indikatoren für den Fußgängerverkehr an, mit denen das Fußgängerverkehrsnetz (vgl. Qualitätsindikatoren von Fußwegenetzen), die Aufenthaltsqualität für Fußgänger im öffentlichen Raum (vgl. Qualitätsindikatoren von Fußwegenetzen sowie Qualitätsindikatoren für die Infrastruktur des Fußgängerverkehrs) als auch das Klima des Fußgängerverkehrs (vgl. Fußgängerverkehrsbetrieb - Qualitätsindikatoren) bewertet werden können.
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Monitoring des Nichtmotorisierten Verkehrs (Stand des Wissens: 10.12.2018)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?493403
Literatur
[FGSV02c] Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen e.V., Arbeitskreis 2.5.2 (Fußgängerverkehr) Empfehlungen für Fußgängerverkehrsanlagen (EFA), FGSV-Verlag, Köln, 2002
[HBS01] Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen e.V. Handbuch für die Bemessung von Straßenverkehrsanlagen, Ausgabe/Auflage FGSV-Nr. 299, Fassung 2009, FGSV Verlag GmbH, Köln, 2001, ISBN/ISSN 978-3-941790-35-3
[RASt06] Baier, Reinhold, et al. Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen - RASt 06, Ausgabe/Auflage 2006, Köln, 2007, ISBN/ISSN 978-3-939715-21-4
[UBA05d] BSV Büro für Stadt- und Verkehrsplanung Dr.-Ing. Reinhold Baier GmbH, Schäfer, Karl-Heinz Qualitätsziele und Indikatoren für eine nachhaltige Mobilität - Anwenderleitfaden, veröffentlicht in Mensch-Stadt-Verkehr-Umwelt, 2005
Weiterführende Literatur
[FGSV11] Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen e.V. Empfehlungen zur Straßenraumgestaltung innerhalb bebauter Gebiete (ESG), FGSV Verlag / Köln, 2011, ISBN/ISSN 978-3-941790-76-6
[HBVA11] Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen e.V. Hinweise für barrierefreie Verkehrsanlagen (H BVA), 2011/06
[QuV04] Dipl.-Ing. Volker Blees Qualitätsmanagement in Verkehrsplanungsprozessen, Ausgabe/Auflage Heft 14, Darmstadt , 2004
Glossar
Motorisierter Individualverkehr Als motorisierter Individualverkehr (MIV) wird die Nutzung von Pkw und Krafträdern im Personenverkehr bezeichnet. Der MIV, als eine Art des Individualverkehrs (IV), eignet sich besonders für größere Distanzen und alle Arten von Quelle-Ziel-Beziehungen, da dieser zeitlich als auch räumlich eine hohe Verfügbarkeit aufweist. Verkehrsmittel des MIV werden von einer einzelnen Person oder einem beschränkten Personenkreis eingesetzt. Der Nutzer ist bezüglich der Bestimmung von Fahrweg, Ziel und Zeit frei (örtliche, zeitliche Ungebundenheit des MIV).
ÖPNV Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV): Nach § 2 des Regionalisierungsgesetzes (RegG) wird ÖPNV definiert als die "allgemein zugängliche Beförderung von Personen mit Verkehrsmitteln im Linienverkehr, die überwiegend dazu bestimmt sind, die Verkehrsnachfrage im Stadt-, Vorort- oder Regionalverkehr zu befriedigen." Das ist im Zweifel der Fall, wenn eine Mehrzahl der Beförderungsfälle eines Verkehrsmittels die gesamte Reiseweite von 50 Kilometer oder die gesamte Reisezeit von einer Stunde nicht übersteigt. Vor dem Hintergrund der verkehrspolitisch geförderten "Multimodalität" wird der ÖPNV zunehmend breiter definiert, indem auch "alternative Bedienformen", Taxen bis hin zu öffentlichen Fahrrädern und öffentlichen Autos als Teil eines neuen individualisierten ÖPNV gesehen werden.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?231076

Gedruckt am Freitag, 19. Juli 2019 22:51:44