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Qualitätsindikatoren des Radverkehrsbetriebes

Erstellt am: 29.03.2007 | Stand des Wissens: 14.04.2016
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Der Betrieb von Radverkehrsanlagen kann in seiner Organisation und in seinem Aufwand nicht mit dem Betrieb beim Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) verglichen werden. So entstehen für den laufenden Betrieb im Radverkehr keine direkten Kosten. Die entstehenden Kosten fallen zur Aufrechterhaltung des Radverkehrs oder für ergänzende Angebote an, welche die Attraktivität erhöhen sollen.

Betriebliche Unterhaltung der Radverkehrsanlagen

Die [ERA10] sieht vor, dass die Oberfläche der Radverkehrsanlagen in einem einwandfreien Zustand gehalten werden soll, um die Akzeptanz zu erhöhen. Dabei sollte vor allem auf die Reinigung der Radwege besonderer Wert gelegt werden, obwohl gerade dieser Teil des Unterhalts problematisch ist, da wegen der oft geringen Breiten eine Reinigung mit den Standardkehrmaschienen oft nicht möglich ist [ERA10].

Winterdienst für die Radverkehrsanlagen

Laut [ERA10] besteht aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht eine Streupflicht an verkehrswichtigen Punkten und gefährlichen Stellen der Radwege. Zur Qualitätssicherung sind regelmäßige Kontroll- und Messbefahrungen zur Oberflächenqualität durchzuführen und entsprechende Beschwerden auszuwerten [ERA10].

Ortsfeste Beleuchtung

Eine Beleuchtung ist auf Hauptverbindungen des Radverkehrs, besonders bei einer straßenunabhängigen Führung, vorzusehen. Auch die Beleuchtung von kritischen Stellen ist notwendig [ERA10].

Baustellensicherung

Werden Bauarbeiten im Bereich von Radverkehrsanlagen durchgeführt, sollten Vorkehrungen getroffen werden, die es den Radfahrer ermöglichen, den Bereich dennoch fahrend zu passieren [ERA10].

Rund um den Radverkehr gibt es vielfältige Informationsdienste, die eine Attraktivitätssteigerung für den Radverkehr darstellen. Dazu gehören z. B. Internetplattformen und mobile Wegweisungssysteme für Handys oder Personal Digital Assistant (PDA). Diese Systeme sind noch im Aufbau und ergänzen das Angebot rund um den Radverkehr. Daher gibt es zurzeit keine Indikatoren mit denen die Qualität dieser Systeme bewertet werden kann.

Verbindliche Vorschriften zur Radverkehrswegweisung gibt es nicht. Um eine Beurteilung der Qualität einer Radverkehrswegweisung vorzunehmen, kann man sich aufgrund bisher fehlender Indikatoren nur an den durch verschiedene Werke vorgegebenen Richtlinien orientieren.

Eine wichtige Aufgabe der Kommunen besteht auch darin, ein Fahrradfreundliches Klima zu erzeugen. Auf diese Weise werden die Bürger animiert, das Fahrrad häufiger zu nutzen. Zur Bewertung lassen sich nach [UBA05d] ausschließlich beschreibende und nicht messbare Indikatoren heranziehen. Der Zusammenhang zwischen dem Qualitätsziel "Schaffung eines Fahrradfreundlichen Klimas" und den zur Beurteilung heranzuziehenden Indikatoren und Leitlinien ist in Abbildung 1 dargestellt.

Sicherung und Förderung des Radverkehrs - Fahrradfreundliches KlimaAbb. 1: Sicherung und Förderung des Radverkehrs - Fahrradfreundliches Klima [UBA05d, S. 39 f.] (Grafik zum Vergrößern bitte anklicken)
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Monitoring des Nichtmotorisierten Verkehrs (Stand des Wissens: 10.12.2018)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?493403
Literatur
[ERA10] Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen e.V. Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (ERA), FGSV Verlag 2010, 2010, ISBN/ISSN 978-3-941790-63-6
[ERA95] Empfehlungen für Radverkehrsanlagen (ERA 95), FGSV Verlag / Köln, 1996
[UBA05d] BSV Büro für Stadt- und Verkehrsplanung Dr.-Ing. Reinhold Baier GmbH, Schäfer, Karl-Heinz Qualitätsziele und Indikatoren für eine nachhaltige Mobilität - Anwenderleitfaden, veröffentlicht in Mensch-Stadt-Verkehr-Umwelt, 2005
Glossar
ÖPNV Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV): Nach § 2 des Regionalisierungsgesetzes (RegG) wird ÖPNV definiert als die "allgemein zugängliche Beförderung von Personen mit Verkehrsmitteln im Linienverkehr, die überwiegend dazu bestimmt sind, die Verkehrsnachfrage im Stadt-, Vorort- oder Regionalverkehr zu befriedigen." Das ist im Zweifel der Fall, wenn eine Mehrzahl der Beförderungsfälle eines Verkehrsmittels die gesamte Reiseweite von 50 Kilometer oder die gesamte Reisezeit von einer Stunde nicht übersteigt. Vor dem Hintergrund der verkehrspolitisch geförderten "Multimodalität" wird der ÖPNV zunehmend breiter definiert, indem auch "alternative Bedienformen", Taxen bis hin zu öffentlichen Fahrrädern und öffentlichen Autos als Teil eines neuen individualisierten ÖPNV gesehen werden.
Personal Digital Assistant Ein Personal Digital Assistant (PDA) (englisch für persönlicher digitaler Assistent) ist ein kompakter, tragbarer Computer, der neben vielen anderen Programmen hauptsächlich für die persönliche Kalender-, Adress- und Aufgabenverwaltung benutzt wird. PDAs können häufig zusätzlich Office-Dateien verarbeiten. Durch die zunehmende Verbreitung von Internetverbindungen für Mobilgeräte (beispw. per UMTS) sind PDAs mittlerweile maßgeblich durch das sog. Smartphone abgelöst worden, welches alle Fähigkeiten eines PDA mit denen von internetfähigen Mobiltelefonen vereint.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?219129

Gedruckt am Donnerstag, 17. Oktober 2019 17:10:19