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Trendszenario - Verkehrsprognosen der Bundesverkehrswegeplanung (BVWP)

Erstellt am: 12.06.2007 | Stand des Wissens: 30.04.2018
Ansprechpartner
TU Dresden, Lehrstuhl Verkehrs- und Infrastrukturplanung, Prof. Dr.-Ing. G.-A. Ahrens
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Im Personenverkehr sind Trend- und Laisser-Faire Szenario identisch, da sich das Trendszenario vom Laisser-Faire Szenario lediglich durch die fahrleistungsbezogene Straßenbenutzungsgebühr für Lkw unterscheidet. Weiterhin gehen alle Szenarien von gleichen sozio-ökonomischen Rahmenbedingungen aus.
In beiden Szenarien wird von um 5 % sinkenden Nutzerkosten im Pkw-Verkehr ausgegangen. Real steigende Kraftstoffpreise werden durch den rückläufigen spezifischen Verbrauch mehr als kompensiert. Für den Eisenbahnpersonenverkehr und den Luftverkehr wird eine reale Konstanz der Nutzerkosten erwartet. Durch die Expansion der Verkehrsleistung des Luftverkehrs nimmt der Anteil des Individualverkehrs an der Verkehrsleistung im Gegensatz zum Verkehrsaufkommen ab. Tabelle 1 gibt die prognostizierten Zahlen für den Personenverkehrsleistung wieder.
Personenverkehrsleistung des Trendszenarios im Jahr 2015Tab. 1: Personenverkehrsleistung des Trendszenarios im Jahr 2015
(Eigene Darstellung nach [BMVBW01a, S. VIII])
(Grafik zum Vergrößern bitte anklicken)

Während sowohl Leistung als auch Aufkommen des Straßengüterverkehrs überdurchschnittlich wachsen, findet bei den Verkehrsträgern Binnenschiff und Eisenbahn nur ein unterproportionales Wachstum statt. Dennoch übertrifft das Wachstum der Binnenschifffahrt das der Eisenbahn deutlich. Die Nutzerkosten sinken aufgrund von Produktivitätsfortschritten im Schienengüterverkehr um 7 % und in der Binnenschifffahrt um 25 % sowie beim Lkw-Verkehr um 14 % (s. Tabelle 2).
Entwicklung der Güterverkehrsleistung bis 2015 nach VerkehrsträgernTab. 2: Entwicklung der Güterverkehrsleistung bis 2015 nach Verkehrsträgern (Eigene Darstellung und Berechnungen nach [BMVBW01a, S. XIV], Modal Split ohne Einbeziehung des Straßengüternahverkehrs) (Grafik zum Vergrößern bitte anklicken)
Ansprechpartner
TU Dresden, Lehrstuhl Verkehrs- und Infrastrukturplanung, Prof. Dr.-Ing. G.-A. Ahrens
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Verkehrsprognosen der BVWP (bis 2015) (Stand des Wissens: 20.04.2016)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?237790
Literatur
[BMVBW01a] Gresser, Klaus,, Kollberg, Bernd,, Konanz, Walter,, Kotzagiorgis, Stefanos, Mann, Hans-Ulrich,, Platz, Holger,, Ratzenberger, Ralf,, Schneider, Walter, Schubert, Markus, Tabor, Peter Verkehrsprognose 2015 für die Bundesverkehrswegeplanung, München/Freiburg/Essen, 2001/04
Glossar
Schienengüterverkehr
Unter Schienengüterverkehr (SGV) wird der Transport von Gütern mit der Eisenbahn verstanden. Diese werden in Güterzügen unter Verwendung (spezieller) Güterwagen befördert. Diese Verkehre können entweder auf gesonderten Güterverkehrsstrecken oder im Mischverkehr, auf gemeinsam durch den Güter- und Personenverkehr genutzten Strecken, realisiert werden. Leistungen des Schienengüterverkehrs werden häufig als Teil einer Logistikkette in logistische Gesamtkonzepte eingebunden.
Lkw Lastkraftwagen (Lkw) sind Kraftfahrzeuge, die laut Richtlinie 1997/27/EG überwiegend oder sogar ausschließlich für die Beförderung von Gütern und Waren bestimmt sind. Oftmals handelt es sich dabei um Fahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse zwischen 3,5 und 12 Tonnen. In Einzelfällen kann die zulässige Gesamtmasse diese Werte jedoch auch unter- beziehungsweise überschreiten, sofern das Kriterium der Güterbeförderung gegeben ist. Lastkraftwagen können auch einen Anhänger ziehen.
Pkw
Personenkraftwagen (Pkw): Pkw sind nach der Richtlinie 70/156/EWG Fahrzeuge mit mindestens vier Rädern und dienen der Beförderung von maximal 9 Personen (inklusive Fahrzeugführer). Pkw dürfen nur auf den dafür vorgesehenen Verkehrsflächen geführt werden.
Bundesverkehrswegeplan Als Instrument einer mittel- bis langfristigen Investitionsrahmenplanung für den Erhalt und Ersatz bundeseigener Verkehrsinfrastruktur erfasst der Bundesverkehrswegeplan (BVWP) das zwecks zielgerichteter Ausgestaltung sowie Erweiterung von Bundesfernstraßen, Bundeswasserstraßen und Schienenwegen des Bundes erforderliche Finanzierungsvolumen. Auf Basis verkehrsträgerübergreifender Prognosen findet in diesem Zusammenhang eine Priorisierung vorgesehener Neu- und Ausbauprojekte gemäß ihrer gesamtwirtschaftlichen Bewertung sowie ökologischer und raumordnerischer Einschätzungen statt. Grundsätzlich wird infolgedessen zwischen "vordinglichem Bedarf" (VB) und "weiterem Bedarf" (WB) unterschieden. Der BVWP tritt auf Beschluss des Bundeskabinetts in Kraft und umfasst jeweils einen Zeithorizont von ca. 10 bis 15 Jahren. Seit 1973 sind bereits fünf konsekutive Verkehrswegepläne verabschiedet worden. Der letzten, dem Jahr 2003 entstammenden Fortschreibung liegt ein Planungszeitraum bis 2015 und ein Investitionsvolumen i. H. v. 150 Mrd. EUR zugrunde.
Modal Split Modal Split wird in der Verkehrsstatistik die prozentuale Verteilung des Personen- und Güterverkehrs auf verschiedene Verkehrsmittel (Modi) genannt. Der Modal Split ist Folge des Mobilitätsverhaltens der Menschen und der wirtschaftlichen Entscheidungen von Unternehmen.
Verkehrsaufkommen Das Verkehrsaufkommen beschreibt die Anzahl der zurückgelegten Wege, beförderten Personen oder Güter pro Zeiteinheit. Im Unterschied dazu bezieht sich das spezifische Verkehrsaufkommen auf zurückgelegte Wege und beschreibt die mittlere Anzahl der Ortsveränderungen pro Person und Zeiteinheit.
Verkehrsleistung Die Verkehrsleistung gibt Auskunft über die Inanspruchnahme von Ressourcen. Als Verkehrsleistung wird die auf eine Zeiteinheit t (zum Beispiel ein Jahr) bezogene Verkehrsarbeit definiert und als Quotient dargestellt. Die Verkehrsarbeit wird dabei als Produkt von Verkehrseinheiten (zum Beispiel Güter, Personen) und der durch diese zurückgelegten Strecke gebildet. In der Verkehrswissenschaft sind die Einheiten Personenkilometer pro Jahr [Pkm/a] bzw. Tonnenkilometer pro Jahr [tkm/a] gebräuchlich.
Szenarien Ein Szenario ist ein Bild der Zukunft, das sich aus einer bestimmten Kombination von relevanten Einflussfaktoren und Rahmenbedingungen entwickelt. Das grundsätzliche Anliegen von Szenarien besteht darin, verschiedene Handlungsoptionen zu verdeutlichen und ihre Folgewirkungen transparent zu machen.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?227471

Gedruckt am Freitag, 19. Juli 2019 23:00:18