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Anforderungen an den ÖPNV bei Events

Erstellt am: 18.08.2005 | Stand des Wissens: 26.11.2018
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TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Der Weltjugendtag im Jahr 2005 mit rund 800.000 Teilnehmern beim Abschlussgottesdienst hat gezeigt, welche Anstrengungen im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) erforderlich sind, um derartige Menschenmassen zu befördern. Bei der Planung wurde mit einem Zeitbedarf für die Abwicklung der Abreise von 10 Stunden ausgegangen [KrRe05, S. 41]. Laut Medienberichten waren es am Ende sogar 13 Stunden. Die Deutsche Bahn AG konnte dabei als maximale Kapazität am Regionalbahnhof Horrem 12.000 Fahrgäste je Stunde befördern. Zusätzlich waren rund 2.000 Shuttle-Busse im Einsatz.
Bei der Fußball-WM 2006 bestanden deutlich höhere Anforderungen an die zeitliche Abwicklung der Abreise im ÖPNV: In den 1,5 Stunden nach Spielende sollten 75 Prozent der Zuschauer das Stadiongelände verlassen können, davon die Hälfte mit dem ÖPNV. Die Ziele wurden bei der WM sogar noch übertroffen. Obwohl sogar mehr als 60 Prozent der Stadionbesucher mit öffentlichen Verkehrsmitteln und durch die WM über 30 Millionen zusätzliche Fahrgäste kamen, erntete der ÖPNV während der WM durchweg gute Noten [VDV06, S. 3 f. und S. 8].
Sonderverkehre
Für eine erfolgreiche Eventplanung ist es allgemein erforderlich, dass die erwarteten Besucherzahlen verkehrsmittelbezogen abgeschätzt und die ÖPNV-Angebote hierauf abgestimmt werden. Wenn die regulären Verkehrsangebote nicht ausreichen, ist die Ausarbeitung von Sonderverkehren des ÖPNV erforderlich. In der Regel ist dabei die Abreise für die Dimensionierung maßgebend. Unter Umständen muss der genaue Beginn der Abreise vor Ort in Abhängigkeit des Veranstaltungsendes disponiert werden. Hierfür sind ausreichende Abstellkapazitäten für Reisebusse und/oder Schienenfahrzeuge einzuplanen. Gegebenenfalls sollten Reservekapazitäten vorgehalten werden [Hama04; Heis04].
Erfolgreiche Sonderverkehre können Personen, die sonst nicht mit dem ÖPNV fahren, den Eindruck eines flexiblen ÖPNV vermitteln. Beispiele hierfür sind die Sonderverkehre zum "Fest" in Karlsruhe und zum Altstadtfest Tauberbischofsheim [Heis04; MaSa04].
Im Zusammenhang mit entfernt gelegeneren Park-and-Ride-Anlagen haben sich Shuttle-Verkehre als geeignet herausgestellt. Hierbei ist besonders darauf zu achten, dass die Strecken zwischen Veranstaltungsort und dem Parkplätzen für den ÖPNV weitgehend störungsfrei befahrbar sind [DiSc04, S. 162 ff.].
Komfortaspekte zur Attraktivierung des ÖPNV
Die Einrichtung von Kombi-Tickets kann als sehr erfolgreiche Maßnahme betrachtet werden: Dabei bezahlt der Nutzer über den Eintrittspreis die Berechtigung, die Busse und Bahnen im jeweiligen Geltungsgebiet nutzen zu können. Wichtig hierbei ist es, dieses Angebot vor der Anreise geeignet zu kommunizieren (unter anderem auf der Homepage des Eventveranstalters) und vor allem auch den Vorverkauf zu ermöglichen [vgl. DiSc04, S. 171]. Eine Sonderform bei Veranstaltungen ohne Eintritt sind Sondertickets für den Eventzeitraum ("Pilgerticket", "Love-Parade-Ticket", "Karnevals-Ticket" und andere). Auch bei der WM 2006 konnten die Eintrittskarten erstmalig bei einer WM als Kombi-Ticket genutzt werden [VDV06, S. 4].
Sehr nutzerfreundlich ist es, wenn Eintrittskarte, An-/Abreise und Unterkunft als Eventreisen angeboten werden. Dies realisiert beispielsweise die DB AG gemeinsam mit dem Eventveranstalter Eventim.
Zur stärkeren Identifikation mit dem Event und einer zielgruppengerechten Gestaltung können Tickets in einem besonderen Design zum Beispiel in Form von Plastikarmbändern umgesetzt werden. So beispielsweise von der BVG für die Love-Parade 2000 umgesetzt [DiSc04, S. 173].
Ein spezielles ÖPNV-Angebot für den ländlichen Raum ist die Einrichtung von Freizeitportalen oder Reiseführern, die auf die Erreichbarkeit von Zielen mit öffentlichen Verkehrsmitteln ausgelegt sind.
In Einzelfällen besteht bei der Fernanreise die Möglichkeit, die Anreise als Teil des Events auch mit Bussen und Zügen zu gestalten.
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Eventverkehr (Stand des Wissens: 26.11.2018)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?287768
Literatur
[DiSc04] et al., Dienel, Hans-Liudger, Flaig, Jörn, Dipl.-Wirt.-Ing. (FH), Schiefelbusch, Martin, MA/MSc, Schäfer, Tanja, Geogr. M.A. Handbuch Eventverkehr, Erich Schmitt-Verlag, Berlin, 2004, ISBN/ISSN 3 503 07830 4
[Hama04] Hamann, Rainer, Dr.-Ing. Verkehrliche Behandlung von Events/Veranstaltungen, veröffentlicht in Verkehr und Technik, 2004/05
[Heis04] VBK-Verkehrsbetriebe Karlsruhe GmbH, Heise, Philipp, Dr. Stadtfeste: "Das Fest" in Karlsruhe, veröffentlicht in Erfolgreiche Eventverkehre, verlag MetaGIS Infosysteme / Mannheim, 2004, ISBN/ISSN 3-936438-07-02
[KrRe05] Krahe, Doris, Reinkober, Norbert, Dr. Weltjugendtag in Köln: Herausforderung für den ÖPNV, veröffentlicht in Der Nahverkehr, Ausgabe/Auflage Heft 7/8, 2005
[MaSa04] Maier, Dietmar, Dipl. Phys., Sandhöfner, Markus, Dipl.-Ing. Ländliche Volksfeste: Sonderangebote im ÖV zum Altstadtfest Tauberbischofsheim, veröffentlicht in Erfolgreiche Eventverkehre, Verlag MetaGIS Infosysteme / Mannheim, 2004, ISBN/ISSN 3-936438-07-02
[VDV06] Anemüller, Stephan , Radermacher, Berthold, Bihn, Friedhelm, Dipl.-Volksw. Fußball-WM 2006 - Voll in Fahrt mit Bus und Bahn, veröffentlicht in Bus & Bahn, Ausgabe/Auflage 7-8, Alba Fachverlag GmbH + Co. KG, 2006, ISBN/ISSN 0341-5228

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?161024

Gedruckt am Dienstag, 31. März 2020 18:35:34