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Aktuelle Aktivitäten im Bereich der Lärmsanierung an Schienenfahrwegen des Bundes

Erstellt am: 14.05.2004 | Stand des Wissens: 01.11.2018
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Für die bereits bestehenden Verkehrswege existieren keine gesetzlichen Lärmsanierungspflichten. Die Bundesregierung hat allerdings 1999 das freiwillige Programm "Maßnahmen zur Lärmsanierung an bestehenden Schienenwegen des Bundes" mit einem jährlichen Finanzvolumen von etwa 51 Millionen Euro beschlossen. Seit 2007 stehen nun jährlich 100 Millionen Euro zur Verfügung. [DBAG07e; BMVBS07a]

Gemäß der "Richtlinie für die Förderung von Maßnahmen zur Lärmsanierung an bestehenden Schienenwegen der Eisenbahnen des Bundes" können beispielsweise für Wohngebiete, die tagsüber einer schienenverkehrsbedingten Lärmimmission von mehr als 70 Dezibel(A) beziehungsweise in der Nacht einem Schallpegel von mehr 60 Dezibel(A) ausgesetzt sind, bundesseitige Investitionsmittel zur Lärmsanierung bereitgestellt werden [BMVBW05, Anhang 1]. Anhand eines Lärmbelastungskatasters, welches die Schallausbreitung entlang sämtlicher Bahnstrecken erfasst, wurden unter Berücksichtigung der hiervon betroffenen Personenanzahl besonders hohen Geräuschpegeln ausgesetzte Gebiete identifiziert und in einer sogenannten Prioritätenliste die vordringlich zu behandelnden Sanierungsbereiche bestimmt [FlVo08, S. 791 f.; NiLa07, S. 781].

So treten an circa 15.000 Streckenkilometern Lärmbelastungen mit einem mittleren nächtlichen Emissionspegel > 60 Dezibel(A) auf. Ungefähr 3.700 Kilometer hiervon verlaufen durch Gebiete mit Wohnbebauung oder peripher zu diesen. Da geräuschpegelmindernde Maßnahmen zumeist nicht über den gesamten Ortsdurchfahrtsverlauf erforderlich sind, wurden letztendlich insgesamt 3.129 Sanierungsbereiche mit einer Gesamtlänge von rund 3.500 Kilometern definiert. Sie repräsentieren Streckenabschnitte unterschiedlicher Lärmemissionsklassen und teilen sich gemäß dieser Kategorisierung wie folg auf:
Abbildung 1 gibt einen kartografischen Überblick über durch den Schienenverkehr verursachte Lärmemissionen auf dem deutschen Eisenbahnnetz.
Abb. 1: Strecken der DB AG nach Emissionsklassen [BMVBW05a, Anlage 2]

Im Rahmen des bundesseitig finanzierten Lärmsanierungsprogramms hat die Deutsche Bahn bis Ende 2017 1.700 Streckenkilometer lärmsaniert, über 700 Kilometer Schallschutzwände gebaut und 58.400 Wohnungen mit Lärmschutzfenstern ausgestattet. Es sind somit knapp 46 Prozent der im Bundesprogramm ausgewiesenen sanierungsbedürftigen Streckenkilometer fertiggestellt. [BMVBS09l; DBAG12p, BMVI18i, S. 4]

Weitere Informationen zum Sachstand finden sich in [BMVBW05a, Anlage 1]. Ferner ist eine interaktive Karte zum aktuellen Stand der Lärmschutzarbeiten auf der Homepage der Deutschen Bahn verfügbar. Ein Beispiel für die Lärmsanierung von Bundesschienenwegen stellt [FrWe03] dar.
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Schallschutz im Bereich des Schienenverkehrs (Stand des Wissens: 01.11.2018)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?312926
Literatur
[BMVBS07a] o. A. Nationales Verkehrslärmschutzpaket, 2007/02/02
[BMVBS09l] o.A. Nationales Verkehrslärmschutzpaket II - "Lärm vermeiden - vor Lärm schützen", Bonn, 2009/08/27
[BMVBW05a] o.A. Maßnahmen zur Lärmsanierung an bestehenden Schienenwegen der Eisenbahnen des Bundes - Gesamtkonzept der Lärmsanierung, 2005/02/11
[BMVI18i] Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (Hrsg.) Lärmsanierung an bestehenden Schienenwegen
der Eisenbahnen des Bundes, 2018/07/01
[DBAG07e] Deutsche Bahn AG Konzern Dem Schall auf der Spur, Lärmschutz, veröffentlicht in Bahntech, Berlin, 2007/01
[DBAG12p] o.A. Lärmsanierung bei der Deutschen Bahn, 2012/10/05
[FlVo08] Fleckenstein, Martina, Vogt, Constantin Schienenverkehrslärm halbieren - das Ziel der Deutschen Bahn, veröffentlicht in Eisenbahntechnische Rundschau, Ausgabe/Auflage 12/08, DVV Media Group GmbH / Hamburg , 2008/12, ISBN/ISSN 0013-2845
[FrWe03] Dipl.-Ing. Wilhelm Frech, Weiler, Sabine, Dipl.-Ing. (FH) Lärmsanierung an Schienenwegen des Bundes - Realisierung des Abschnitts Emmendingen, veröffentlicht in ETR, Hestra-Verlag, Hamburg, 2003/12, ISBN/ISSN 0013-2845
[NiLa07] Nied, Joachim, Langefeld, Philipp, Winter, Peter Lärmsanierung an Schienenwegen des Bundes - Realisierungsstand und Ausblick, veröffentlicht in Eisenbahntechnische Rundschau, Ausgabe/Auflage 12, DVV Media Group, 2007/12, ISBN/ISSN 0013-2845
Weiterführende Literatur
[DBAG07e] Deutsche Bahn AG Konzern Dem Schall auf der Spur, Lärmschutz, veröffentlicht in Bahntech, Berlin, 2007/01
[DBAG06a] Deutsche Bahn AG Konzern Lärmsanierung an Schienenwegen mit erfolgreicher Bilanz, 2006/05
[ERI04a] o.A. Lärmsanierung läuft, veröffentlicht in Eisenbahn-Revue international, Ausgabe/Auflage 05, Minirex AG, 2004, ISBN/ISSN 1421-2811
[DBAG05b] o. A. Lärmschutz an Bahnstrecken: 2005 bundesweit mehr als 600 Projekte in Bau oder Planung , 2005/03/07
[DBAG09d] o. A. Schallschutz - eine Investition in die Zukunft der Bahn [2009], Berlin, 2009/12
[BMVBW05] Richtlinie für die Förderung von Maßnahmen zur Lärmsanierung an bestehenden Schienenwegen der Eisenbahnen des Bundes
Glossar
Modal Split Modal Split wird in der Verkehrsstatistik die prozentuale Verteilung des Personen- und Güterverkehrs auf verschiedene Verkehrsmittel (Modi) genannt. Der Modal Split ist Folge des Mobilitätsverhaltens der Menschen und der wirtschaftlichen Entscheidungen von Unternehmen.
dB(A) Messgröße des A-bewerteten Schalldruckpegels zur Bestimmung von Geräuschpegeln. Die dB-Skala ist logarithmisch aufgebaut, d. h. eine Verdoppelung der Lärmintensität führt zu einer Erhöhung um 3 dB. Das menschliche Ohr empfindet eine Erhöhung um 10 dB als Verdoppelung der Lautstärke. Hierzu ist eine Schallintensitätsverzehnfachung erforderlich. Der Zusatz "(A)" gibt an, dass dem betreffenden Messergebnis die standardisierte A-Berwertungskurve zugrunde liegt. Sie berücksichtigt einen nichtlinearen frequenz- und pegelabhängigen Zusammenhang zwischen subjektiv wahrgenommenem Läutstärkepegel und vorliegendem Schalldruckpegel. So empfindet das menschliche Gehör bspw. mittlere Frequenzen im Vergleich zu niedrigen Frequenzgängen als wesentlich lauter, weshalb die Einheit dB(A) entsprechende Tonhöhen stärker gewichtet. Ein gesundes Ohr kann bereits einen Schalldruck von 0 dB (A) wahrnehmen (Hörschwelle), bei Werten über 120 dB (A) wird die Geräuschbelastung unerträglich laut (Schmerzgrenze). Eine Langzeiteinwirkung von über 85 dB(A) zieht u. U. dauerhafte Gehörschäden nach sich.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?86369

Gedruckt am Mittwoch, 11. Dezember 2019 22:53:23