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Pkw-Jahresfahrleistungen und -Wegelängen

Erstellt am: 08.04.2004 | Stand des Wissens: 19.11.2019
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

2017 betrug die Gesamt-Jahresfahrleistung aller Kraftfahrzeuge in Deutschland nach einem modifizierten Berechnungsverfahren 755,9 Milliarden Kilometer. Den größten Anteil daran hatten, wie auch in den Jahren zuvor, die Pkw mit 642,4 Milliarden Kilometer (85 Prozent). Die Gesamt-Jahresfahrleistungen von Pkw stiegen seit 2000 bis auf wenige Jahre fast kontinuierlich an, siehe Abbildung 1. [BMVI18s, S.152].
80865_Gesamt_Jahresfahrleistung.PNGAbbildung 1: Gesamt-Jahresfahrleistung Pkw (eigene Darstellung nach [BMVI18s, S.152])
Die durchschnittliche Fahrleistung von Privat-Pkw blieb über die letzten zehn Jahre weitgehend konstant und schwankte zwischen 13.900 Kilometer pro Jahr und 14.300 Kilometer pro Jahr [BMVI18s]. Dabei erhöhte sich jedoch sowohl der Bestand an Pkw als auch die Anzahl an Pkw pro 1000 Einwohner. Der mittlere Besetzungsgrad eines Pkw blieb jedoch mit etwa 1,5 konstant [IP18, S.75].

Gut die Hälfte der Haushalte mit einem Pkw hat eine Jahresfahrleistung zwischen 5.000 Kilometern und 15.000 Kilometern. Mit der Anzahl der Autos im Haushalt wächst die Gesamtjahresfahrleistung, also die Summe der Jahresfahrleistungen jedes Pkw im Haushalt (siehe Abbildung 2). 57 Prozent der Haushalte mit 2 Pkw haben eine Gesamtjahresfahrleistung von >25.000 Kilometern. In Haushalten mit 3 Autos und mehr besitzen 32 Prozent dieser Haushalte eine Gesamtjahrfahrleistung von mehr als 50.000 Kilometern (siehe Abbildung 2). Ist im Haushalt eine Car-Sharing Mitgliedschaft vorhanden, so hat dies Einfluss auf die Jahresfahrleistung der Pkw im Haushalt gegenüber Haushalten ohne Car-Sharing Mitgliedschaft. Der Anteil der Haushalte (mit Car-Sharing Mitgliedschaft) mit einer Jahresfahrleistung (Summe) von unter 10.000 Kilometern sinkt, während der Anteil der Haushalte mit 10.000 Kilometern bis 25.000 Kilometern Jahresfahrleistung steigt. Ab einer Jahresfahrleistung von 25.000 Kilometern hat eine Carsharing-Mitgliedschaft keinen Einfluss mehr [infas18 | Tab. H9.2, Alle Daten beziehen sich lediglich auf Haushalte mit Pkw Besitz].
80865_Jahresfahrleistung.PNGAbbildung 2: Jahresfahrleistung aller Pkw in Haushalten mit Pkw-Besitz

Die durchschnittliche Wegelänge von allen Verkehrsmitteln liegt derzeit bei etwa 12,5 Kilometern. Bei der Nutzung des Motorisierten Individualverkehrs sind über 90 Prozent der Wege zwischen 0 und Verlagerungspotenzial, diese Wege mit dem Fahrrad oder dem öffentlichen Personennahverkehr (gerade im urbanen Raum) zurückzulegen. Im Sinne eines umweltfreundlicheren Verkehrs muss der Besetzungsgrad der Pkw gesteigert werden, wie es beispielsweise durch Fahrgemeinschaften möglich ist.
80865_Wegelaengen_pkw.PNGAbbildung 3: Verteilung der Pkw-Wegelängen (eigene Darstellung nach [infas18 | Tab. W12])
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Daten zur privaten Autonutzung (Stand des Wissens: 26.11.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?312552
Literatur
[BMVBS06i] BVU Beratergruppe Verkehr + Umwelt GmbH , Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. , Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik Gleitende Mittelfristprognose für den Güter- und Personenverkehr Mittelfristprognose Winter 2006/2007, 2007/01
[BMVBS07s] Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin, Radke, Sabine Verkehr in Zahlen 2007/2008, Ausgabe/Auflage 36. Jahrgang, DVV Media Group GmbH / Hamburg, 2007/10, ISBN/ISSN 978-3-87154-369-2
[BMVI18s] Radke, Sabine (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) Verkehr in Zahlen 2018/2019, 2018/09
[DIW03d] DIW - Forschungsabteilung Energie, Verkehr, Umwelt , infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft Mobilität in Deutschland 2003, 2003
[DIW11] Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin Verkehr in Zahlen 2011/2012, Ausgabe/Auflage 40. Jahrgang, DVV Media Group, 2011, ISBN/ISSN 978-3-87514-456-9 (Buch und CD-Rom)
[infas10] DLR - Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Institut für Verkehrsforschung, infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft Mobilität in Deutschland 2008 (MiD 2008) , 2010/02
[infas10b] DLR - Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Institut für Verkehrsforschung, infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft , Follmer, R., Gruschwitz, D., Jesske, B., Quandt, S., Nobis, C., Köhler, K. Mobilität in Deutschland 2008 - Tabellenband, 2010/02
[infas18] DLR - Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Institut für Verkehrsforschung, infas 360 GmbH, infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft , IVT Research GmbH Mobilität in Deutschland 2017 - Tabellenband, 2018/12
[IP18] Intraplan Consult GmbH, Ralf Ratzenberger Gleitende Mittelfristprognose für den Güter- und Personenverkehr - Kurzfristprognose Sommer 2018, 2018/09
Weiterführende Literatur
[BMVBS09g] Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin Verkehr in Zahlen 2009/2010, Ausgabe/Auflage 38. Jahrgang, DVV Media Group GmbH / Hamburg, 2009/10, ISBN/ISSN 978-3-87154-407-1
[Stat18] Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur Verkehrs- und Unfalldaten Deutschland 2004, 2007
Glossar
Motorisierter Individualverkehr Als motorisierter Individualverkehr (MIV) wird die Nutzung von Pkw und Krafträdern im Personenverkehr bezeichnet. Der MIV, als eine Art des Individualverkehrs (IV), eignet sich besonders für größere Distanzen und alle Arten von Quelle-Ziel-Beziehungen, da dieser zeitlich als auch räumlich eine hohe Verfügbarkeit aufweist. Verkehrsmittel des MIV werden von einer einzelnen Person oder einem beschränkten Personenkreis eingesetzt. Der Nutzer ist bezüglich der Bestimmung von Fahrweg, Ziel und Zeit frei (örtliche, zeitliche Ungebundenheit des MIV).
Besetzungsgrad Unter Besetzungsgrad wird die Auslastung von Verkehrsmitteln verstanden. Im Öffentlichen Personennahverkehr entspricht das Platzangebot dabei i. d. R. der Summe aus den Sitzplätzen und 4 Plätzen je m² Stehfläche. Der Besetzungsgrad wird hierbei in % angegeben. Er liegt im Durchschnitt bei rd. 20 % und erreicht in der Spitze Werte zwischen 80 und 100 %. Vor allem bei besonderen Veranstaltungen kann der Besetzungsgrad im ÖPNV auch über 100 % betragen. In Analogie hierzu wird auch im Individualverkehr oft dieser Begriff verwendet; damit sind jedoch häufig die Anzahl der (durchschnittlich) im Auto befindlichen Personen gemeint (z. B. 1,2 Personen) und nicht die Platzauslastung. Zum Teil wird daher auch der Begriff "Besetzungszahl" verwendet. Der Quotient aus der Summe der Personenfahrten im Pkw und der Anzahl der Pkw-Fahrten wird auch als "ungewichteter Besetzungsgrad" bezeichnet. Daneben gibt es den seltener verwendeten "gewichteten Besetzungsgrad", der die Fahrtlängen berücksichtigt. Da mit zunehmender Fahrtlänge die Besetzung höher ist, liegt der gewichtete Besetzungsgrad um ca. 0,1 höher als der ungewichtete.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?80865

Gedruckt am Freitag, 21. Februar 2020 12:49:23