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Pkw-Jahresfahrleistungen und -Wegelängen

Erstellt am: 08.04.2004 | Stand des Wissens: 12.04.2016
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TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Die durchschnittliche Fahrleistung von Privat-Pkw nahm in Deutschland - nach einer einheitsbedingten Zunahme zu Beginn der 1990er Jahre - ab: 1970 lag sie noch bei 15.300 km/a, 2004 bei 13.000 km/a und 2006 nur noch bei 12.600 km/a [BMVBS07s, S. 157]. Ursachen für diesen Rückgang sind vor allem eine höhere Pkw-Dichte bzw. eine gestiegene Anzahl von Pkw je Haushalt [BMVBS06i, S. 53]. Nach [infas10] liegt die Jahresfahrleistung aktuell bei 14.300 km/a (Benzinfahrzeuge 11.800 km, Dieselfahrzeuge 22.300 km). [infas10, S. 164] Problematisch bei diesen aktuellen Angaben ist, dass seit 2007 die durchschnittlichen Fahrleistungen ohne vorübergehend abgemeldete Fahrzeuge in den Statistiken dargestellt werden.

Gemäß [DIW03d] fahren von den Erst-Pkw je Haushalt 27% weniger als 10.000 km/a [DIW03d, Haushalte, S. 66]. Bei den Zweit- und Dritt-Pkw fahren jeweils 36 % weniger als 10.000 km/a. 8 % der Zweitwagen und 15% der Drittwagen werden sogar weniger als 5.000 km/a genutzt. Dies sind Größenordnungen in denen die Nutzung von Carsharing-Angeboten (soweit vorhanden) für den Pkw-Nutzer in der Regel günstiger ist. Nur 17 % der Zweit- und Drittwagen werden mehr als 20.000 km/a gefahren (vgl. Abb. 1) [DIW03d, S. 68 ff.]. Solche Auswertungen sind in [infas10] nicht mehr enthalten. Jedoch liegt die Jahresfahrleistung bei 34,3 % aller Pkw bei unter 10.000 km/a [infas10b, Autos, S. 25].
Jahresfahrleistungen von Privat-PkwAbb. 1: Jahresfahrleistungen von Privat-Pkw [eigene Darstellung nach DIW03d, Haushalte, S. 65 ff.]



Die Gesamt-Jahresfahrleistungen von Pkw stiegen seit 1970 von 212,9 Mrd. km auf 599,0 Mrd. km im Jahr 2010 [DIW11]. Dabei wurden die Wachstumsraten seit Mitte der 1990er Jahre immer geringer. Unter Berücksichtigung der in der [infas10] angegebenen Jahresfahrleistung lässt sich für 2008 eine Gesamtjahresfahrleistung von 593 Mrd. km errechnen. In der Ausgabe 2009/2010 von "Verkehr in Zahlen" [BMVBS09g] wird mit 584,6 Mrd. km (2008) erstmals eine sinkende Pkw-Gesamtfahrleistung in Deutschland registriert.

Die durchschnittliche Wegelänge von Personen ab 10 Jahren liegt bei 11,8 km. Die Wege werden zu 47 % als MIV-Fahrer und 12 % als MIV-Mitfahrer zurückgelegt [infas10, Ergebnisbericht, S. 21]. In der [DIW03d]-Auswertung waren 10 % der Pkw-Fahrten kürzer als 1 km und 50 % der Fahrten kürzer als 5 km (vgl. Abb. 2). Diese Wege könnten zu einem guten Teil durch Fuß und Rad abgedeckt werden.

Verteilung der Pkw-WegelängenAbb. 2: Verteilung der Pkw-Wegelängen [eigene Darstellung nach: DIW03d, Wege, S. 42]
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TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Daten zur privaten Autonutzung (Stand des Wissens: 20.04.2016)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?312552
Literatur
[BMVBS06i] BVU Beratergruppe Verkehr + Umwelt GmbH , Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. , Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik Gleitende Mittelfristprognose für den Güter- und Personenverkehr Mittelfristprognose Winter 2006/2007, 2007/01
[BMVBS07s] Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin, Radke, Sabine Verkehr in Zahlen 2007/2008, Ausgabe/Auflage 36. Jahrgang, DVV Media Group GmbH / Hamburg, 2007/10, ISBN/ISSN 978-3-87154-369-2
[DIW03d] DIW - Forschungsabteilung Energie, Verkehr, Umwelt , infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft Mobilität in Deutschland 2003, 2003
[DIW11] Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin Verkehr in Zahlen 2011/2012, Ausgabe/Auflage 40. Jahrgang, DVV Media Group, 2011, ISBN/ISSN 978-3-87514-456-9 (Buch und CD-Rom)
[infas10] DLR - Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Institut für Verkehrsforschung, infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft Mobilität in Deutschland 2008 (MiD 2008) , 2010/02
[infas10b] DLR - Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Institut für Verkehrsforschung, infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft , Follmer, R., Gruschwitz, D., Jesske, B., Quandt, S., Nobis, C., Köhler, K. Mobilität in Deutschland 2008 - Tabellenband, 2010/02
Weiterführende Literatur
[BMVBS09g] Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin Verkehr in Zahlen 2009/2010, Ausgabe/Auflage 38. Jahrgang, DVV Media Group GmbH / Hamburg, 2009/10, ISBN/ISSN 978-3-87154-407-1
[Stat18] Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur Verkehrs- und Unfalldaten Deutschland 2004, 2007
Glossar
Pkw
Personenkraftwagen (Pkw): Pkw sind nach der Richtlinie 70/156/EWG Fahrzeuge mit mindestens vier Rädern und dienen der Beförderung von maximal 9 Personen (inklusive Fahrzeugführer). Pkw dürfen nur auf den dafür vorgesehenen Verkehrsflächen geführt werden.
Motorisierter Individualverkehr Als motorisierter Individualverkehr (MIV) wird die Nutzung von Pkw und Krafträdern im Personenverkehr bezeichnet. Der MIV, als eine Art des Individualverkehrs (IV), eignet sich besonders für größere Distanzen und alle Arten von Quelle-Ziel-Beziehungen, da dieser zeitlich als auch räumlich eine hohe Verfügbarkeit aufweist. Verkehrsmittel des MIV werden von einer einzelnen Person oder einem beschränkten Personenkreis eingesetzt. Der Nutzer ist bezüglich der Bestimmung von Fahrweg, Ziel und Zeit frei (örtliche, zeitliche Ungebundenheit des MIV).
Carsharing
Der Begriff CarSharing stammt aus dem Englischen (car= Auto, to share= teilen) und kann sinngemäß mit der Bedeutung "Auto teilen" übersetzt werden. Er beschreibt die organisierte, gemeinschaftliche Nutzung von Kraftfahrzeugen, die meist von Unternehmen gegen Gebühr bereitgestellt werden.
Durch einen Rahmenvertrag oder eine Vereinsmitgliedschaft erhalten Kunden flexiblen Zugriff auf alle Kfz eines Anbieters. Die Fahrzeuge können über eine Webseite oder über eine Smartphone-App gebucht werden. Geöffnet werden sie in der Regel mit Hilfe von Chipkarten oder durch ein Zugangscode vermittelt über die Smartphone-App.
Bei dem System des stationsbasierten CarSharing stehen die Fahrzeuge auf reservierten Stellplätzen und werden nach der Nutzung auch wieder dorthin zurückgebracht. Ein anderes Modell ist das free-floating CarSharing. Hier stehen die Fahrzeuge in einem definierten Operationsgebiert verteilt. Sie können per Smartphone geortet werden und nach der Nutzung auf einem beliebigen Stellplatz innerhalb des Operationsgebiets zurückgegeben werden.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?80865

Gedruckt am Samstag, 23. Februar 2019 01:25:40