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Intermodale und multimodale Telematikdienste, Märkte, Produkte, Lösungen und Organisationsmodelle für den Personenverkehr

Erstellt am: 13.08.2003
Autoren:   Bormann, Henning
Henninger, Tobias, Dr.-Ing.
Zimmermann, Peter, Dr.
Erscheinungsjahr / -datum:   2001
Seiten:   108
Zitiert als:   [BMVBW01w]
Art der Veröffentlichung:   Projektbericht
Sprache:   deutsch
Review
Erstellt am: 22.08.2003 | Stand des Wissens: 27.01.2004
 
Ziel / Zweck
Ziel des Projektes ist es, eine Abschätzung der Wirkungspotenziale intermodaler und multimodaler Telematikdienste im Personenverkehr sowie der Akzeptanz dieser Dienste bei den Verkehrsteilnehmern zu geben. Voraussetzung dafür ist die Differenzierung und Bewertung von Zielgruppen, Produkten/Diensten und möglichen Organisationsformen.

Intermodale Telematikdienste unterstützen gebrochene Verkehre durch den Einsatz von Kommunikations- und Informationstechnologien. Multimodale Telematikdienste ermöglichen den Vergleich zwischen alternativen Reiseketten, die unter Verwendung verschiedener Verkehrsmittel gebildet werden. Eine adressscharfe Reiseketten-/Routenplanung unter Berücksichtigung der aktuellen Verkehrslage sollte gewährleistet sein.

Methodik und Durchführung
  • Literaturauswertung
Die Ausgangslage wird bezüglich der Verkehrsentwicklung, des Telematikeinsatzes bzw.
  • angebotes im Verkehr, der Kundenanforderungen und -bedürfnisse sowie des Kunden-/ Nutzerverhaltens auf Grundlage einer Literaturrecherche aufbereitet. Die anschließende Zusammenstellung von Hemmnissen für die Etablierung von inter- und multimodalen Telematikdiensten gliedert sich nach generellen Voraussetzungen, Akzeptanz durch die Verkehrsteilnehmer, technologische Hemmnisse, Datenverfügbarkeiten, organisatorische Hemmnisse und Kapazitätsgrenzen im Verkehr. Die Argumentation wird punktuell durch Einbindung von Literatur- und Internetquellen gestützt. Mittels einer knappen Darstellung von Anwendungsbereichen und Fallbeispielen mit jeweils denkbaren Informations- und Dienstleistungsbedürfnissen werden Märkte, Kunden und Produkte aufgezeigt.
Die Ermittlung von Potenzialen für intermodale und multimodale Dienste legt das Mobilitätsverhalten sowie die Internetnutzung von Milieus (hervorgegangen aus Untersuchungen der Firma Sinus-Sociovision, Heidelberg; beschreibt die Grundorientierung und die soziale Lage von Bevölkerungsschichten) zu Grunde. Daneben fließen Annahmen über Nutzungspotenziale inter-/multimodaler Angebote durch bislang monomodal reisende Verkehrsteilnehmer (reisezweckbezogen für das Jahr der Markteinführung und allgemeiner Best-/Worst-Case für die folgenden 10 Jahre), milieuspezifische Reisehäufigkeiten und milieuspezifische Einsatzzeitpunkte der Verhaltensumstellung ein.

Verschiedene Organisationsformen inter-/multimodaler Dienstleistungen werden durch alternative Trägerschaften einzelner Prozesse in der Wertschöpfungskette von der Erfassung von Rohdaten bis zum Dienstangebot für den Endnutzer sowie auf unterschiedlichen administrativen Ebenen vorgestellt.

Ergebnisse und Schlussfolgerungen
Als wichtigste Hemmnissefür die Einführung von inter- und multimodalen Telematikdiensten werden aufgeführt:
  • monomodal ausgerichtete und z.T. fehlende Echtzeit-Verkehrslageinformationen
  • ungelöste Problematik der Zusammenführung von Verkehrslagedaten unterschiedlicher Verkehrsträger
  • Inkompatibilitäten bei Informations- und Auskunftssystemen
  • fehlende Full-Service-Angebote
  • geringe Akzeptanz durch den Verkehrsteilnehmer
Das Spektrum inter- und multimodaler Dienste umfasst nicht nur Auskünfte zu verkehrlichen Informationen, sondern soll die Anforderungen und Wünsche im Zuge der Planung und Begleitung einer Reise erfüllen. Damit erstreckt sich das Dienstespektrum über folgende Elemente:

Pre trip:
  • Planung der gesamten Reise
  • Alternativen für die Nutzung von Verkehrsangeboten (multimodal)
  • Reisezeit-Prognose mit Alternativendarstellung
  • Reservieren/Buchen und Bezahlen von Tickets, Parkplätzen, Veranstaltungen
  • Information zur P+R-/Parkplatz-Belegung und zur Verkehrslage zum voraussichtlichen Reiseantritt
  • Wetterinformation mit Prognose für den Zeitpunkt der Reise
On trip:
  • aktuelle Verkehrslage und Reisezeitprognose
  • dynamische Route für Autofahrten
  • Anschlusssicherung für den ÖV
  • Anschlussinformation für den ÖV
  • aktuelle ÖV-Fahrpläne (und Flugpläne)
  • Information über Umsteigepunkte zum und innerhalb des ÖV
  • Taxi- bzw. Mietwagen-Reservierung
  • Gepäckservice
  • Mobiles Büro und E-Commerce-Anwendungen
am Zielort:
  • Mobilitätsangebote am Ziel (ÖV, Mietwagen, Car Sharing)
  • Parkplatzinformationen
  • Informationen zu Restaurants, Hotels, Shoppingangeboten, Veranstaltungen, Museen etc.
  • Wetterinformationen
  • Rückreiseinformationen
  • Kommunikation mit Partner und Familie
  • Mobiles Büro
  • M-Commerce für elektronische Einkäufe
  • Sonderangebote vor Ort
Unter Annahme der Best-Case-Variante schätzt die Untersuchung das Einsparpotenzial auf 11,33 Mrd. Personen-km im MIV (fünf Jahre nach der Einführung von inter- und multimodalen Dienstleistungen). Das entspricht etwa 2,3 % der heutigen Verkehrsleistung im MIV in den Bereichen Geschäftsreise-, Freizeit- und Urlaubsverkehr. Der Effekt des induzierten Verkehrs bleibt dabei unberücksichtigt.

Die Organisationsformenwerden nach ihrem territorialem Zuständigkeitsbereich unterschieden in:
  • zentrale Variante - deutschlandweit ein Anbieter, der regionale Daten zusammenführt, aufbereitet und als alleiniger Ansprechpartner für den Nutzer in Erscheinung tritt
  • dezentrale Variante - verteilte Systeme, Verbindungssuche und Verantwortlichkeiten, Kooperation der regionalen Anbieter
  • vertikale Variante - verteilte Systeme, Verbindungssuche und Verantwortlichkeiten, Verkauf regionaler Daten an überregionalen Anbieter, der Ansprechpartner für überregionale Kunden ist
Als operativ und ökonomisch erfolgversprechend werden lediglich die dezentrale sowie die vertikale Variante eingestuft. Bezüglich der Einbindung von privaten Dienstleistern in die Organisationsstruktur stellen die Projektbearbeiter fest, dass das Angebot von Telematikdiensten in der Region (in Ballungsräumen) durch die Aufgabenteilung zwischen kollektiven, hoheitlichen Aufgaben und der individuellen Dienstleistung für Verkehrsteilnehmer ein Zusammenwirken von kommunalen Institutionen und der Privatwirtschaft erfordert.

Einordnung in die Forschung / Relevanz für die Politikberatung
Die Untersuchung lässt eine Zuordnung der angenommenen Nutzungspotenziale intermodaler und multimodaler Telematikdienstleistungen zu den einzelnen Produkten des Dienstleistungsspektrums vermissen. Die Annahmen und Ergebnisse der Potenzialabschätzungen sind damit in Teilen wenig nachvollziehbar.

Weiterführend zu Synthesebericht

 

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?53433

Gedruckt am Samstag, 27. November 2021 17:46:41