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Verknüpfung von Strategien, Maßnahmen und Systemen des regionalen und städtischen Verkehrsmanagements

Erstellt am: 13.08.2003
Autoren:   Heusch/Boesefeldt GmbH
Zentrum für integrierte Verkehrssysteme
Albert Speer & Partner GmbH
Erscheinungsjahr / -datum:   2001
Seiten:   156 S. + Anhang
Zitiert als:   [BMVBW01v]
Art der Veröffentlichung:   Projektbericht
Sprache:   deutsch
Review
Erstellt am: 20.08.2003 | Stand des Wissens: 20.08.2003
 
Ziel / Zweck
Die Untersuchung sollte vor dem Hintergrund des in der Region Rhein-Main bereits vorhandenen hohen Standards im Verkehrsmanagement Methoden zur Entwicklung und Bewertung von Strategien des dynamischen Verkehrsmanagements erarbeiten und für konkrete Situationen im Rhein-Main-Gebiet anwenden. Weitere Untersuchungsschwerpunkte sollten auf den verkehrsmittelübergreifenden Ansatz und die Betrachtung des Verkehrsgeschehens im Übergangsbereich zwischen Stadt und regionalem Umfeld gelegt werden.

Methodik und Durchführung
  • andere Methodik
Den räumlichen Untersuchungsschwerpunkt stellt die Region Rhein-Main dar. Allgemeingültige, übertragbare Handlungsansätze sollen aber die Anwendbarkeit des Vorgehens auf andere Regionen sichern. Die Untersuchungsmethodik gliedert sich dementsprechend in die sieben Arbeitspakete:
  1. Definition strategischer Netze des Kfz-Verkehrs und des öffentlichen Verkehrs:
    Entscheidungsgrundlage im MIV bildeten erste Problemanalysen und die Identifizierung von Netzabschnitten mit technischen Möglichkeiten und Kapazitäten zur Beeinflussung des Verkehrs. Die Betrachtung im ÖV wurde weitgehend auf das Schienennetz des Fernverkehrs, der S- und U-Bahn-Linien sowie wichtige Verknüpfungspunkte beschränkt.
  2. Erfassung von Ereignissen und Problemen:
    Mittels Expertengesprächen und der Auswertung von Verkehrsmeldungen wurden Problemstellen in den Netzen identifiziert und verschiedene Ursachen zu Problemkategorien zusammengefasst.
  3. Abgrenzung von Sektoren:
    Einfluss auf die Einteilung der Region in sechs Sektoren nahmen die regionalen Siedlungs- und Wirtschaftsschwerpunkte, die Gestalt der strategischen Netze sowie die erfassten Probleme.
  4. Entwicklung von Strategien:
    Zwecks Verknüpfung zwischen Problemen, Maßnahmen sowie Leit-, Steuerungs- und Informationssystemen wurden räumlich übertragbare Zuordnungstabellen erstellt Situationsbezogene Strategien wurden anschließend beispielhaft für vier verkehrliche "Extrem"-Situationen entwickelt und innerhalb einen ausgewählten Sektors konkretisiert.
  5. Simulation und Bewertung der Strategien:
    Die Bewertung der Maßnahmen erfolgte in zwei Stufen - der "Grobbewertung" zur Überprüfung der Zielerreichungsbeiträge von Maßnahmen und der "detaillierten Bewertung" zur Ermittlung von Kennwerten. Dementsprechend kamen zur Simulation der Maßnahmen ein makroskopisches und ein mikroskopisches Verkehrssimulationsmodell zum Einsatz (VISUM und AIMSUN2).
  6. Aufstellung eines Realisierungskonzeptes:
    Nach Gegenüberstellung der vorhandenen und erforderlichen Infrastruktur wurde eine Prioritätenreihung der Infrastrukturerweiterungen (unter Berücksichtigung des zu erwartenden Nutzens) sowie eine Kostenabschätzung vorgenommen.
  7. Ableitung allgemeingültiger Handlungsvorschläge:
    Das Vorgehen der Untersuchung wurde bezüglich der Anwendbarkeit auf andere Regionen beurteilt.
Zwecks Abstimmung von Projektzielen und Vorgehensweisen sowie zwecks Diskussion von Ergebnissen wurde ein projektbegleitender Arbeitskreis installiert.

Ergebnisse und Schlussfolgerungen
Die Ergebnisse des Projektes stellen konkrete Strategien des dynamischen Verkehrsmanagements für einen ausgewählten Bereich der Region Rhein-Main dar. Darüber hinaus wurden übertragbare Zuordnungstabellen von Problemen, Maßnahmen und Systemen sowie Handlungserfordernissen entwickelt, situationsspezifische Strategiemasken und allgemeingültige Handlungsempfehlungen formuliert. Als Maßnahmenkategorien wurden unterschieden:

Maßnahmenkategorien des ÖV:
  • Verlagerung von Fahrgästen innerhalb des ÖV
  • Umleitung von Fahrzeugen des ÖV
  • Strategische ÖV-Bevorrechtigung
  • Kapazitätsanpassung im ÖV
  • Sonderverkehre und Sonderhalte
  • Anschlusssicherung im ÖV
  • Einsatz von Ersatzverkehren
Intermodale Maßnahmenkategorien:
  • Beeinflussung der Verkehrsmittelwahl (z.B. durch Empfehlungen pre-trip oder on-trip)
  • Bereitstellung temporärer P+R-Flächen
  • Finanzielle Maßnahmen
Multimodale Maßnahmenkategorien:
  • Freigabe oder Nutzungsänderung von Verkehrsflächen
  • Verlagerung des Fahrtantrittszeitpunkts
  • Reparatur oder Entstörung
  • Zustandsinformationen, ablenkende Maßnahmen
Maßnahmenkategorien des MIV:
  • Umleitung von Teilverkehrsströmen des MIV
  • Erhöhung der Leistungsfähigkeit (z.B. durch Grünzeitverlängerung)
  • Regelung der Geschwindigkeit und/oder des Fahrverhaltens im MIV
  • Zufahrtsregelung im MIV
  • Anpassung von Parkraum
  • Freischalten von Einsatzrouten
Im Rahmen der Entwicklung von Strategien wurden geeignete (dynamische) Maßnahmenkategorien zusammengestellt, gegenseitige Abhängigkeiten der Maßnahmen hervorgehoben und technische Vorraussetzungen (Handlungserfordernisse) abgeleitet. Unterstützende statische Maßnahmen wurden benannt.

Die Untersuchung hat für die Region Rhein-Main folgenden Handlungsbedarfidentifiziert:
  • Verbesserung der Datenerfassungin einzelnen Netzbereichen sowie der ÖV-Belastung,
  • Bereitstellung von Schnittstellen, Regelung von Zugriffsrechten und Fortschreibung/Pflege der Daten im Zusammenhang einer verteilten Datennutzung sowie
  • Verbesserung der Organisation des Verkehrsmanagements.


Einordnung in die Forschung / Relevanz für die Politikberatung
Die Untersuchung hat Vorgehensweisen für das regionale Verkehrsmanagement entwickelt, die im Rahmen des Projektes WAYflow (gefördert vom BMBF im Projektverbund "Mobilität in Ballungsräumen") genutzt und weiterentwickelt werden konnten.

Die Untersuchung stellt folgenden Forschungsbedarfheraus:
  • Grundlagenwissen zur Akzeptanz von Maßnahmen des Verkehrsmanagements ist nicht ausreichend vorhanden,
  • Es fehlen verbindliche Qualitätskriterien für Gesamtnetze zur Ableitung von Handlungserfordernissen und Festlegung von Prioritäten,
  • Ein Instrumentarium zur standardisierten Bewertung von Strategien des dynamischen Verkehrsmanagements im Planungsstadium und nach Implementierung der Maßnahmen ist erforderlich.

Downloads

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Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?53415

Gedruckt am Dienstag, 11. August 2020 21:53:10