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Entwurfselemente und Ausstattung von Radschnellwegen

Erstellt am: 03.06.2019 | Stand des Wissens: 14.08.2019
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Zur Einhaltung der Qualitätsstandards sollen eigenständig geführte Radschnellwege im Zweirichtungsverkehr bei den Entwurfselementen auf Strecken eine Breite von mindestens vier Metern aufweisen und in Kurven Radien im Außerortsbereich mindestens 20 Metern aufweisen. Weitere zu beachtende Elemente sind je nach Führungsform Sicherheitstrennstreifen (zum Gehweg, zur Kfz-Fahrbahn), Begrenzungsstreifen und die Führung an Engstellen. Bei Einrichtungsradwegen sollen Breiten von mindestens drei Metern verwendet werden. Weiterhin existieren Grundsätze zur gemeinsamen Führung von Radverkehr und Linienbussen und Fahrradstraßen [FGSV14a]. Weiterhin sind entsprechende Elemente wie Wannen- und Kuppenhalbmesser, sowie Längs- und Querneigung bei der Linienführung zu beachten.
Der Knotenpunktgestaltung und der Ausbildung von Querungsanlagen kommen bei der Anlage von Radschnellwegen eine besondere Bedeutung zu. Je nach Kontenpunktart und Querungsform sind verschiedene Gestaltungsformen denkbar, die bei der Anlage von Radschnellwegen insbesondere Wartezeiten und Anhaltevorgänge minimieren sollen. Mit ansteigenden Verlustzeiten sind folgende mögliche Knotenpunktformen üblich: Vorrang (geregelt durch Verkehrszeichen), Unterführung, Überführung, Kreisverkehre für Radverkehr, kleiner Kreisverkehr (Radverkehr auf Fahrbahn geführt), Überquerungsstelle mit Wartepflicht und Mittelinsel, lichtsignalgeregelte Überquerungsstelle sowie ein lichtsignalgeregelter Knotenpunkt [FGSV14a].
Entsprechend der konkreten Verkehrsströme vor Ort kommen bei den in Deutschland bislang umgesetzten Radschnellweglösungen in der Regel alle Knotenpunktformen zur Anwendung. Bei gegenüber den zu erwartenden Kfz-Stärken höheren Radverkehrsaufkommen wird der Radverkehr üblicherweise bevorrechtigt geführt. Unter- und Überführungen sind grundsätzlich empfohlen, jedoch sind Sonderbauwerke sehr kostenintensiv und auf innerstädtischen Trassen auch nicht immer realisierbar. Bei gleichberechtigen Verkehrsströmen werden häufiger Kreisverkehr und Rechts-vor-Links-Regelungen gewählt. In Ausnahmen und in der Regel bei querenden Hauptverkehrsstraßen sind auch Knotenpunkte mit Wartepflicht oder signalisierte Kontenpunkte möglich [Gwia15].
Als Belag kommt für Radschnellwege in der Regel nur Asphalt oder Beton in Frage. Grundsätzlich sind Markierungen sinnvoll, welche eine gute Nachtsichtbarkeit bei Nässe gewährleisten (in der Regel in weiß). Mittlere Leitlinien bei Zweirichtungsverkehr sind vor allen in Kurvenbereichen sinnvoll. Auf der Einsatz einer Kilometrierung (Kilometersteine mit Zielangaben und Entfernungen) ist empfehlenswert. Hier scheint sich blau als Leitfarbe in mehreren Regionen Deutschlands durchzusetzen [Nuer17].
Da zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Wissenslandkarte in Deutschland noch keine verkehrsrechtliche Regelung (Verkehrszeichen) für die Anordnung von Radschnellverbindungen existiert, gelten die bereits eingeführten verkehrsrechtlichen Ausschilderungen für den Radverkehr. Mögliche Piktogramme für den Einsatz von Radschnellverbindungen liegen bereits im Entwurf vor. Eine von Bund und Ländern einheitliche Piktogramm-Regelung existiert bislang jedoch noch nicht.
Der Trend scheint zumindest zu einer Anordnung von Radschnellverbindungen als Fahrradstraße zu gehen was gleichzeitig eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Kilometer pro Stunde bedeutet [Gwia15].
Zur Ausstattung von Radschnellwegen gehören ergänzende Informationselemente zur Radwegweisung ebenso wie mögliche Servicepunkte an der Route. Wegweisungen sind insbesondere an wichtigen Kreuzungsstellen mit dem Zubringer- und Zulaufstrecken aber auch an ÖPNV-Haltestellen und Ähnlichem sinnvoll. Zur wegweisenden Beschilderung für den Radverkehr [FGSV98b] wird es dazu absehbar ein entsprechend aktualisiertes Merkblatt geben. Weitere Ausstattungsmerkmale betreffen Überlegungen zur Anlage von Mobil- und Servicepunkten (beispielsweise nach [FGSV14a] alle vier bis fünf Kilometer), Wetterschutz- und Pausenstellen bis hin zu WLAN-Hotspots, Frischwasserstationen, Ladestationen für E-bikes, Fahrradreparaturstationen und Schlauchautomaten.
Auch die Beleuchtung von Radschnellwegen gehört zu einem wichtigen Ausstattungsmerkmal. Während innerorts die Beleuchtung stets vorzusehen ist (Lichtstärke 3 bis 7 Lux), ist außerorts eine Beleuchtung zumindest wünschenswert. Von maßgebender Bedeutung ist jedoch das Vorhandensein einer ortsfesten Beleuchtung bei Besonderheiten auf der Strecke, Hindernissen, Engstellen oder an Knotenpunkten [Sena18].
Das volle Potenzial werden Radschnellwegverbindungen nur dann erschließen, wenn in Bezug auf Ausstattungselemente auch an ausreichend, sichere, zentral gelegene, barrierefreie und wettergeschützte Abstellmöglichkeiten an den wichtigen Quell- und Zielorten oder an intermodalen Verknüpfungspunkten gedacht wird. Auch Schließfächer sowie Lademöglichkeiten für Pedelecs sind als Ausstattungsmerkmale zu überlegen [TUHH17]. Ebenso bedarf es der Möglichkeit von Duschen und Umkleiden am Zielort für eine weitere Potentialentfaltung.
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Einsatz von Radschnellwegen (Stand des Wissens: 24.06.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?499833
Literatur
[FGSV14a] Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen e.V. (Hrsg.) Arbeitspapier Einsatz und Gestaltung von Radschnellverbindungen [FGSV-Nr. 284/1], FGSV Verlag GmbH 50999 Köln Wesselinger Straße 17, 2014, ISBN/ISSN ISBN 978-3-86446-082-1
[FGSV98b] Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen e.V. Merkblatt zur wegweisenden Beschilderung für den Radverkehr, FGSV-Verlag GmbH Köln, 1998
[Gwia15] Gwiasda, P., Erler, L. Gestaltung von Radschnellwegen in Deutschland - eine Herausforderung?, veröffentlicht in Themenheft Radschnellwege, Straßenverkehrstechnik 10, Ausgabe/Auflage 59. Jahrgang, Oktober 2015, Kirschbaum Verlag, Bonn, 2015/10
[Nuer17] Metropolregion Nürnberg (Hrsg.) Machbarkeitsstudie Radschnellverbindungen: Nürnberg-Fürth-Erlangen-Herzogenaurach-Schwabach und umgebende Landkreise, 2017/08
[Sena18] Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz Berlin (Hrsg.) Radschnellverbindungen im Berliner Stadtgebiet - Endbericht - Potenzialanalyse, 2018/03
[TUHH17] Metropolregion Hamburg, Alter Steinweg 4, 20459 Hamburg (Hrsg.) Potenzialanalyse für Radschnellwege (Metropolregion Hamburg), 2017/02
Weiterführende Literatur
[AGFK18] Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Kommunen Niedersachsen/Bremen e.V. (Hrsg.) Corporate Design für Radschnellverbindungen, 2018/10
[Uhli18] PTV Transport Consult GmbH, Dipl.-Ing. Jörg Uhlig, Dipl.-Ing. Birgit Uhlig, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, TU Dresden, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike, PD Dr.-Ing. habil. Rico Wittwer, Professur für Gestaltung von Straßenverkehrsanlagen, TU Dresden, Prof. Dr.-Ing. Christian Lippold, Dipl.-Ing. Odette Busch Erstellung einer Radschnellwegekonzeption für den Freistaat Sachsen, 2018/10/26
[Sena18c] Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz Berlin (Hrsg.) Radschnellverbindungen im Berliner Stadtgebiet Endbericht, Anhang, 2018/02
[Spap15] Spapé, I.,, Breda, CJ.,, Fuchs, C.,, Gerlach, J. Status quo und Erfahrungen mit der Planung und dem Betrieb von Radschnellwegen in den Niederlanden, Dänemark, Großbritannien und Deutschland, veröffentlicht in Themenheft Radschnellwege, Straßenverkehrstechnik 10, Ausgabe/Auflage 59. Jahrgang, Oktober 2015, Kirschbaum Verlag, Bonn, 2015/10
Glossar
WLAN
Als Wireless Local Area Network (WLAN, deutsch: drahtloses lokales Netzwerk) wird ein lokales Funknetz und dessen verschiedene Techniken und Standards bezeichnet.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?499421

Gedruckt am Freitag, 29. Mai 2020 06:52:18