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Einsatzkriterien und Mindestanforderungen von Radschnellwegen

Erstellt am: 28.05.2019 | Stand des Wissens: 28.05.2019
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Im innerstädtischen Kontext werden Radschnellwege vor allem zur Verbindung von Haupt-, Neben- und Stadtteilzentren geplant, häufiger jedoch als regional oder überregional wirksame Radverkehrsverbindungen [RVSO18].
Es kann davon ausgegangen werden, dass trotz des Bündelungseffekts einer beschleunigten Radverkehrsverbindung und aufgrund des Aufwandes zum Erreichen einer Radschnellverbindung sich deren Potenziale erst ab einem Entfernungsbereich von drei bis vier Kilometern wirksam entfalten können. Ab etwa 20 Kilometern Entfernung nehmen Potenziale deutlich ab und werden ab 30 Kilometern nur noch als marginal eingeschätzt [RVSO18].
In Deutschland gibt es mittlerweile relativ klare Einsatzkriterien und Mindestanforderungen an Radschnellverbindungen. In Bezug auf die Mindestlänge und Mindestnachfrage gibt es seit längerem Empfehlungen der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) [FGSV14a]. Diese werden üblicherweise durch die Länder als Grundlage verwendet, teilweise sind jedoch auch länderspezifisch modifizierte Regelungen anzutreffen.
Um Radschnellwege möglichst wirksam als Teil des Radverkehrsnetzes zu etablieren, sollte nach [FGSV14a] eine Mindestlänge von fünf Kilometern angestrebt werden. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) gibt aus Gründen der finanziellen Förderung eine Mindestlänge von zehn Kilometern vor [Uhli18].
[FGSV14a] hat in Bezug auf die Verkehrsnachfrage einen anzustrebenden Wert von mindestens 2.000 Personenbewegungen mit dem Rad im Querschnitt pro Tag benannt. Diesem Wert schließen sich auch zahlreiche bundeslandspezifische Veröffentlichungen an (beispielsweise Baden-Württemberg [Regi17] oder auch Sachsen [Uhli18]). Nicht ganz eindeutig ist dabei die Bezugsgröße: Während dieser Wert mancherorts für den "überwiegenden" Teil der Radschnellverbindung gefordert wird [BaWü17], fordern andere landesspezifische Publikationen diesen Nachfragestandard über die Gesamtlänge der Radschnellverbindung. Weiterhin wird auf Bundesebene diese Mindestnachfrage an Personenbewegungen im Radverkehr auch als Kriterium zur Förderung durch Bundesmittel diskutiert. Die zu erwartende Mindestnachfrage wird üblicherweise auf Basis von Potenzialanalysen abgeschätzt.
Radschnellwege sind insbesondere für die Bewältigung von Verkehrsbeziehungen des Alltagsverkehrs von Bedeutung. Stärken können insbesondere bei wiederkehrender Verkehrsnachfrage in der Berufs- und Ausbildung in Entfernungsbereichen bis 15 Kilometer ausgespielt werden, insbesondere dann, wenn staugefährdete Pendlerströme im Kfz-Verkehr zu verzeichnen sind [FGSV14a].
Da Radschnellwege in ihrer Eigenart dazu geplant werden, hohe Radverkehrsstärken zu bewältigen, ist eine Verbindung möglichst vieler Aktivitätsstandorte mit hohem Nachfragepotenzial für den Einsatz von Radschnellwegen anzustreben. Bei der Wahl des Einsatzfalls spielt auch eine Rolle, dass je nach netzplanerischen Randbedingungen auch ausgeprägte Richtungsverkehre (Vormittags-/Nachmittagsspitze) auftreten können oder aber Verkehrsströme tageszeitlich verteilt und ausgewogen über beide Richtungen auftreten können [Uhli18].

Als Richtwert zur Mindestanforderung an Verkehrsnachfrage haben sich mittlerweile 2.000 Radfahrten pro Tag im Querschnitt etabliert. Diese Zahl ist auch vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur in der im Oktober 2018 veröffentlichten "Verwaltungsvereinbarung Radschnellwege 2017-2030" [VVRad17] als Zielgröße und Voraussetzung zur Förderung benannt [RVMO19]. 
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Einsatz von Radschnellwegen (Stand des Wissens: 24.06.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?499833
Literatur
[BaWü17] Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg (Hrsg.) Qualitätsstandards für Radschnellverbindungen in Baden-Württemberg, 2017/08
[FGSV14a] Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen e.V. (Hrsg.) Arbeitspapier Einsatz und Gestaltung von Radschnellverbindungen [FGSV-Nr. 284/1], FGSV Verlag GmbH 50999 Köln Wesselinger Straße 17, 2014, ISBN/ISSN ISBN 978-3-86446-082-1
[Regi17] Planersocietät Stadtplanung Verkehrsplanung Kommunikation , Planungsbüro VIA e.G. Machbarkeitsstudie e-Radschnellweg Braunschweig-Wolfsburg, 2017/07
[RVMO19] Machbarkeitsstudie Radschnellverbindungen Mittlerer Oberrhein, 2019/02/08
[RVSO18] Regionalverband Südlicher Oberrhein (Hrsg.) Radschnellwege Südlicher Oberrhein , 2018/08
[Uhli18] PTV Transport Consult GmbH, Dipl.-Ing. Jörg Uhlig, Dipl.-Ing. Birgit Uhlig, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, TU Dresden, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike, PD Dr.-Ing. habil. Rico Wittwer, Professur für Gestaltung von Straßenverkehrsanlagen, TU Dresden, Prof. Dr.-Ing. Christian Lippold, Dipl.-Ing. Odette Busch Erstellung einer Radschnellwegekonzeption für den Freistaat Sachsen, 2018/10/26
Weiterführende Literatur
[Pbv19] Planungsbüro Var+ (Hrsg.) Machbarkeitsstudie Radschnellverbindungen Mittlerer Oberrhein, Anlagen 1 bis 11, 2019/01/07
[VVRad17] Verwaltungsvereinbarung Radschnellwege 2017 - 2030
Glossar
BMVI Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (bis 10/2005 auch BMVBW und bis 12/2013 BMVBS)

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?499179

Gedruckt am Dienstag, 20. Oktober 2020 19:25:33